Category: Rezensionen


Zauberhafte Unterhaltung hoch drei aus dem Rowohlt Verlag

Meine lieben Poeten,

wie angekündigt, werde ich euch heute ein paar ganz wunderbare Geschichten ans Herz legen. Gerade das trübe Herbstwetter lädt dazu ein, sich mit einem guten Buch und einer Tasse dampfendem Tee oder Kaffee aufs Sofa zu kuscheln und zwischen den Seiten abzutauchen. Oder aber, sich wunderbare Bücher vorlesen zu lassen, während man die lästige Hausarbeit erledigt. Dabei habe ich alle drei Hörbücher aus der Not heraus gehört, weil ich gerade nichts anderes zur Hand hatte und bin prompt von zwei mir empfohlenen Büchern überzeugt und auf eine Perle gestoßen worden. Fangen wir aber mit dem Buch an, dass mich sowohl am meisten begeistert als auch am meisten überrascht hat. An dieser Stelle übrigens mein großer Dank an die Verlage, die diese und andere Schätze bei Spotify zur Verfügung stellen! Das hat mich nun schon so oft gerettet.

Mary Ann Shaffer – Deine Juliet: Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf

Argon Verlag; Laufzeit: 7 Stunden, 29 Minuten Autorisierte Lesefassung,                                            12,95 € (6 CD Multibox),                                   erschienen am 20. Februar 2014                                     ISBN: 978-3-8398-9200-8

Ein Titel*, der erstmal wenig erfolgversprechend klingt aber durch seine Skurilität natürlich neugierig macht. Was steckt dahinter? Wer ist Juliet? Was sind die Guernseyer Freunde von Dichtkunst und vor allem: Was ist ein Kartoffelschalenauflauf? Diese und viele andere Fragen werden in diesem bezaubernden Briefroman beantwortet. Gemeinsam mit der liebenswerten Journalistin und angehenden Autorin Juliet Ashton lernt man den Bauern Dawsay Adams kennen, der auf einer der Kanalinseln lebt und liest bzw. hört dort zum erstem Mal etwas von oben genannter Vereinigung. Die gemeinsame Liebe zur Literatur ist es, die eine herzliche Freundschaft zwischen Juliet, Dawsay und den anderen Mitgliedern des Bücherkreises entstehen lässt. Je mehr Juliet über die Freunde, deren Leid in Kriegszeiten und ihren Umgang damit erfährt, desto neugieriger wird sie – und mit ihr der Leser. Gefühlvoll erzählt die Autorin in ihrem Debütroman von Land und Leuten und zeigt einen Blickwinkel auf den Krieg, wie man ihn vielleicht noch nicht kennt. Kein Fokus auf das Leid und die Gewalt, obwohl diese natürlich nicht verschwiegen oder beschönigt werden, statt dessen der Fokus auf das alltägliche Leben, auf Entbehrungen und Angst, aber auch auf die Wunder, die geschehen können, auf Herzlichkeit und Liebe und die Kraft einer Freundschaft die ohne den Krieg gar nicht entstanden wäre.

Fazit: Eine Liebeserklärung an die Literatur, an den Beruf des Buchhändlers und an das Leben.  Gefühlvoll ohne kitschig zu sein, authentisch und man bekommt richtig lust Sturmhöhe und andere Klassiker zu lesen oder mal wieder einen Brief zu schreiben. Denn was kann es schöneres geben, als von der Arbeit nach Hause zu kommen und liebevoll verfasster Zeilen eines Freundes zu lesen? Absolut lesens- und vor allem hörenswert, da das Hörbuch von namhaften Sprechern vertont wurde u.a. David Nathan, Oliver Rohrbeck, Dietmar Wunder, Luise Helm, Tanja Geke und Johannes Steck. Ich jedenfalls muss dieses Buch unbedingt auch noch einmal lesen. Ungekürzt!

Tragisch ist, dass die Autorin, die ihren Debütroman erst in einem hohen Alter verfasst hat, die Reaktionen der Leser darauf nicht mehr miterleben konnte. Sie verstarb wenige Wochen vor der Veröffentlichung ihres Werkes.

* Man muss anmerken, dass der Titel des Buch lediglich „Deine Juliet“ lautet und der Zusatz (der für mich auch tatsächlich ausschlaggebend war zu dem Hörbuch zu greifen) wohl nur auf der Hörbuch-CD zu finden ist.

Eine Leseprobe findet ihr HIER! Wer sich lieber von der Qualität des Hörbuches überzeugen möchte, der kann es mal bei Spotify versuchen oder HIER, zu hören u.a der erste Brief von Dawsey Adams an Juliet und ihre Antwort.

Maria Goodin – Valerie Kocht

Argon Verlag; Laufzeit: 5 Stunden, 31 Minuten, Autorisierte Lesefassung;                                            19,95 € (5 CD Multibox),                                    erschienen am 26.September 2013                           ISBN 978-3-8398-1286-0

Und wieder ein Titel der doch eigentlich so gar nicht nach rührendem Roman, nach gefühlvoller Lektüre oder nach großen Emotionen klingt. Und wieder ein Buch in dem sich genau das alles verbirgt. Im Gegensatz zu „Deine Juliet“, bin ich über dieses Buch aber an allen Ecken und Enden gestolpert und habe mich gerade deshalb wohl auch so dagegen gewehrt. Überpräsenz eines Buches löst bei mir ja gelegentlich einen Fluchtreflex aus. Tja, in diesem Fall wohl ein großer Fehler, denn auch diesmal wurde ich positiv überrascht. Die Grundidee des Buches, eine junge Frau, die an die Seite ihrer sterben Mutter reist und versucht letzte Geheimnisse ihrer Herkunft zu klären, könnte bekannter nicht sein. Aber wie so oft ist es die Umsetzung, die aus einer scheinbar einfachen Idee eine großartige Geschichte macht. Nell, eine brillante Naturwissenschaftler und angehende Forscherin hat alles was man sich wünschen kann: beruflichen Erfolg und einen gutaussehenden, begehrenswerten Partner. Wäre da nicht ihre Mutter Valerie, die ihr zeitlebens Fantasiegeschichten über ihre Geburt, ihre frühste Kindheit und ihr Heranwachsen erzählt hat. Die Mutter, die eigentlich nie etwas anderes getan hat als den ganzen Tag zu kochen und zu backen.  Als nun die Mutter an Krebs erkrankt, beschließt Nell, dass es an der Zeit ist, das Geheimnis ihrer Vergangenheit zu lüften. Sie stellt ihren Beruf hinten an und verbringt einen letzten Sommer an der Seite der Frau, die ihre Mutter ist und von der sie doch eigentlich nichts weis. Denn egal was Nell fragt, Valerie antwortet nicht, nie. Valerie kocht! Und dann steht sie vor der großen Frage, ob es manchmal nicht doch besser ist eine Lüge zu glauben, statt die Wahrheit zu kennen.

Fazit: Zu Tränen rührend und einfach schön. Eine Geschichte über die Liebe einer Mutter, die bereit ist alles aufzugeben, um ihrem Kind ein farbenfrohes Leben zu schenken, über die Stärke einer unscheinbaren Frau. Eine Geschichte, die uns auffordert nicht immer alles nach dem zu bewerten was wir zu wissen glauben. Valerie kocht! ist aber vor allem auch als Hörbuch absolut zu empfehlen, da die Sprecherin hier großartige Arbeit leistet. Mit ruhiger Stimme, an den richtigen Stellen emotional und aufgewühlt begleitet Ulrike C. Tscharre den Leser durch einen Sommer voller Wunder. Eine Sprecherin die mir bisher unbekannt ist, der ich aber gerne mehr Aufmerksamkeit schenken will.

Eine Leseprobe findet ihr HIER! Den Appetit anregen kann man  HIER mit den ersten 3 Minuten des Hörbuchs.

Lena Gorelik – Die Listensammlerin

Argon Verlag, Laufzeit 7 Stunden 32 Minuten, Autorisierte Lesefassung,                                             19,95 € (6 CD Klappdeckelschachtel),                erschienen am 26. September 2013,                          ISBN 978-3-8398-1283-9

Das dritte Buch im Bunde, wieder Rowohlt, wieder ein ungewöhnlicher Titel und wieder einmal eine Geschichte, die so ganz anders ist als erwartet. Sofia, Mutter einer schwer kranken Tochter, ist schon seit frühster Kindheit mit dem Leben überfordert. Um sich zu beruhigen schreibt sie Listen – viele Listen. Über alles, Noten, Freunde, filmreife Momente in ihrem Leben, Sätze die man von Ärzten hören will, Sätze die man von Ärzten nicht hören will, … und sie führt diese Listen akribisch. Sie werden umgeschrieben, neu geschrieben, erweitert, zusammen gelegt oder getrennt. Als ihre Großmutter ins Heim kommt und allen klar wird, dass sie dieses nicht mehr verlassen wird, fällt der ehemaligen Weltenbummlerin die Aufgabe zu den Haushalt der alten Frau aufzulösen. Dabei fällt ihr ein Kästchen in die Hand und darin findet sie eine große Sammlung von Listen, Listen über alles mögliche und zu jedem Thema. Wer war der mysteriöse Verfasser und warum gerät ihre Mutter so derart aus der Fassung als Sofia ihr den Fund zeigt? In zwei Zeitlinien erzählt die Autorin hier von Sofia, aus München, ihrem Leben und ihren Problemen, und von ihrem eigenwilligen Onkel Grischa und seinem Leben in der Sowjetunion, das Land aus dem Ihre Mutter und Großmutter einst zusammen mit ihrem Stiefvater geflohen sind. Auch hier geht es um Geheimnisse, um Vergangenheit, um die Liebe von Mutter und Kind, aber auf ganz andere Weise wie in „Valerie kocht“, denn Sofias Mutter hat keine Märchen erzählt, sie hat geschwiegen. Eine spannenden Reise in die Vergangenheit beginnt, aus der man eigentlich als Leser bzw. Hörer gar nicht auftauchen möchte, da einem die bisweilen sehr egoistische Sofia durchaus  – vor allem in der Anfangsphase des Buches – auf die Nerven geht.

Fazit: Lese- und Hörempfehlungen mit kleinen Einschränkungen. Die Geschichte um Grischa, das Leben in der Sowjetunion und seine Kämpfe im Untergrund sind großartig, fesselnd und herzerweichend. Sofia hingegen geht einem manchmal schon gehörig auf den Keks, München mag sie nicht, vor allen Problemen läuft sie weg, beschuldigt alles und jeden an irgendwas Schuld zu sein und versteckt sich hinter ihren Listen. Mein Mitleid mit der Tochter war – gerade zu Anfang – grenzenlos. Die Entwicklung der Figur ist jedoch wunderbar herausgearbeitet und so mancher Charakterzug lässt sich im Nachhinein erklären und verstehen. Allerdings bleibt meine Meinung, dass mir die Geschichten um Grischa besser gefallen haben und mich mehr berühren können, was aber u.U. auch an der obligatorischen Hörbuchkürzung gelegen haben kann. Eva Meckbach hingegen überzeugt auf ganzer Linie bei der Interpretation der Geschichte und verleiht jedem Charakter einen ganz unverwechselbaren Charme.

Eine Leseprobe findet ihr HIER! Und wer doch dem Hörbuch den Vorzug gibt wird HIER! fündig.

Zu den Büchern:

Mary Ann Schaffer – Deine Juliet
erschienen, 2009 im Rowohlt Verlag (Originalausgabe)
304 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-499-24593-0

 Auch als e-book und in Großdruck erhältlich.

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Maria Goodin – Valerie kocht 
erschienen, 2013 im Rowohlt Verlag
352 Seiten
19,95 € (Hardcover)
ISBN 978-3-463-40635-0

Auch als e-book erhältlich.

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Lena Gorelik – Die Listensammlerin
erschienen, 2013 im Rowohlt Verlag
352 Seiten
19,95 € (Hardcover)
ISBN: 978-3-87134-606-4

Auch als e-book erhältlich.

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[Gewinnspiel] Elke Pistor – Vergessen

Na ihr Lieben,

im Moment ist es wirklich sehr still um mich und umso mehr freue ich mich, dass ich mich mit einem kleinen Gewinnspiel zurückmelden darf.

Anlässlich der Veröffentlichung ihres aktuellen Kriminalromans „Vergessen“, hat Elke Pistor es einigen Bloggern ermöglicht das Buch vorab zu genießen und die Lesefreude an die Leser des jeweiligen Blogs weiterzugeben. Zu meiner großen Freude darf ich zwei von euch mit diesem spannenden Roman beglücken.

Wie, ihr kennt Elke Pistor nicht?

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Elke Pistor / Foto: Barbara Hentschel

Berühmt wurde die Frohnatur aus der Eifel mit ihren Eifelkrimis um die Ermittlerin Ina Weinz – Gmünder Blut, Luftkurmord, Eifler Zorn und Eifler Neid -, einer toughen und cleveren Kommissarin, die sich in der Männerdomaine Polizei zu behaupten weiß. Neben einem spannenden Fall stehen bei den Eifelkrimis aber vor allem Land, Leben und Leute im Mittelpunkt der Erzählungen.

Vor kurzem wagte sich Elke Pistor erfolgreich an ihren ersten humorvollen Landkrimi „Kraut und Rübchen“, den ich euch hier auch schon vorgestellt habe.

Aber sie kann nicht nur Romane – in zahlreichen Anthologien (u.a beim KBV Verlag) mordet sie sich munter durch alle Gesellschaftsschichten und Themen, wobei die Eifel und das Umland ihre bevorzugten Schauplätze sind.

Neben ihrer Liebe zur Literatur zeichnet sich Elke Pistor als liebevolle Katzenmama und fröhlicher Familienmensch aus. Eine wahrhaft sympathische Person.
Wer mehr über die Autorin und ihre Werke erfahren möchte, der sollte sich einmal auf ihrer Homepage umsehen, oder der Facebook Seite einen Besuch abstatten.

Zur Einstimmung auf das Buch, werft doch einfach mal einen Blick in das Video!

Zum Buch „Vergessen“

Auch mit ihrem aktuellen Roman bleibt Elke Pistor ihren Wurzeln treu, entfernt sich aber deutlich vom „Regionalkrimi“. Die Kölner Kommissarin Verena Irlenbusch wird zu einem absonderlichen Tatort gerufen. Ein Zahnarzt hat seinen Patienten gefoltert und ist dann aus dem Fenster in den Tod gesprungen. Zusammen mit dem wenig umgänglichen Kollegen Kommissar Christoph Todt macht sie sich auf die Suche nach verwertbaren Spuren und nur wenig später taucht eine zweite Leiche auf. Die Todesfälle scheinen in Verbindung zu stehen, aber die Zusammenhänge sind unklar. Zwischen der Sorge um ihre, an Alzheimer erkrankte Großmutter und den Problemen mit ihrem neuen Kollegen muss Verena ein Geheimnis lüften, dass 40 Jahre lang verborgen geblieben ist und einen hochintelligenten Mörder fangen, der ein perfides Spiel treibt – geboren aus Schuld und Hass.

Gleich zu beginn taucht der Leser hier in eine wahrhaft verwirrende Geschichte ein – viele Handlungsstränge die auf den ersten Blick keine Gemeinsamkeit erkennen lassen: eine Kommissarin die an mehreren Fronten zu Kämpfen an – mit ihrem Privatleben, ihren Gefühlen, einem undurchschaubaren Kollegen und einem knallharten Fall, ein Mädchen, das verschwindet, ein Mörder der einen perfiden Plan verfolgt und ein Kommissar, der ebenso rätselhaft wie spannend erscheint, auch wenn man selbst kaum mit ihm zusammenarbeiten wollen würde.

Von der ersten Seite an kann man mitfiebern, mitfühlen und ermitteln und erlebt die Geschichte somit hautnah. Hochspannung garantiert. Denn man muss sich nicht nur an den Fall und die Fakten herantasten, sondern auch an die beiden Ermittler. Zwei Kommissare, die durch ihre ungewöhnlichen Biographien fesseln können, aber dennoch mit Problemen zu kämpfen haben, die aus dem Leben gegriffen sind. Der personale Erzählstil tut sein übriges, um den Leser ganz nah an die Geschichte zu bringen. Das Vergessen spielt dabei nicht nur im Titel eine große Rolle, sondern zieht sich als Leitthema, als eine Art roter Faden durch die ganze Geschichte.

Wer Elke Pistor kennt, der kennt auch ihren Schreibstil – eingängig aber nicht einfach, sondern sprachlich hochwertig und angenehm zu lesen. Die Art von Lektüre in die man problemlos versinken kann, um den Alltag ein paar Stunden auszublenden.

Fazit: Dieses spannende Verwirrspiel rund um ungesühnte Schuld, schwelenden Hass und verlorene Träume solltet ihr unbedingt lesen. Die beiden Kommissare Verena Irlenbusch und Christoph Todt machen definitiv Lust auf mehr und versprechen auch zukünftig nervenaufreibende Unterhaltung.

Elke Pistor – Vergessen
erschienen, 2014 im Ullstein Verlag
304 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)
ISBN 9783548286105

Gewinnspiel:

Kommen wir nun zu eurer Chance ein Exemplar dieses Buches zu gewinnen. Ich musste eine Weile überlegen, was ich als Aufgabe stellen könnte und bin letztendlich zu einer Entscheidung gelangt. Ich war der Meinung, dass es etwas sein muss, dass zum Buch passt. Das Vergessen spielt eine große Rolle für die Geschichte – nicht nur im Titel, sondern auch im Bezug auf viele Figuren. Daher war schell klar, dass „Vergessen“ ein Teil der Aufgabe sein muss.
Viele von euch kennen bestimmt die sogenannten „Lost Places“,  verfallene Häuser, eingestürzte Gemäuer – längst vergessene Orte. Ich bin mir sicher, dass jeder von euch einen solchen Ort irgendwo in der Nähe hat – ein altes Fabrikgelände vielleicht, ein verlassener Bauernhof oder ein abgebranntes Lagerhaus, ein überwucherter Rest eines Gemäuers irgendwo? Macht ein Foto von einem dieser Orte und schickt es mir entweder per Mail an dreigroschenpoesie@gmx.de, hinterlasst es hier unter dem Beitrag als Kommentar (sofern das funktioniert) oder postet es mir bei Facebook an die Pinnwand. Der künstlerische Wert zählt nicht. Aus allen Einsendungen werde ich – per Losverfahren – zwei Gewinner ziehen, die sich dann über ein signiertes Exemplar von „Vergessen“ freue dürfen. Teilnahmeschluss ist der 23.8.2014, die Gewinner werden am 24.8.2014 ausgelost und informiert.
Teilnehmer nur aus Deutschland oder mit Deutscher Versandadresse, da die Portokosten ins Ausland leider zu hoch sind. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Drei auf einen Streich mit Horst Evers

Hallo meine Lieben,

die letzten Wochen war es um mich sehr still und es tut mir leid, dass ich so sang und klanglos verschwunden bin. Aber es hatte viele unschöne und private Gründe die mein Fortbleiben notwendig gemacht haben. Und auch jetzt ist in meinem Leben noch einiges nicht so, wie es sein sollte. Aber trotz allem möchte ich gerne mal wieder posten. Und weil gerade in den nicht so schönen Zeiten des Lebens ein bisschen Humor ganz gut tut, habe ich mich entschieden mich einem Autor zu widmen, der mir in den letzten Wochen des öfteren ein Lächeln auf die Lippen zaubern konnte. Denn die Titel seiner Bücher (zumindest jener drei denen ich mich heute widmen werde) sind auch ein bisschen Sinnbild für ein paar Aspekte meines aktuellen Lebens.

Horst Evers, ein Komiker und vor allem ein Autor dem ich bisher eindeutig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe. Mit viel Gefühl und einem Gespür für komische Momente fängt er das Leben ein, dreht es ein bisschen durch den Wolf und gibt es uns wieder zurück. Und gerade die Art, auf die er das tut begeistert mich. Er spielt mit Klischees ohne sie breitzutreten,  beweist Feingefühl bei der Auswahl seiner Themen, macht im Wesentlichen das was er für richtig hält (auch wenn er dem Zeitgeist nicht zur Gänze entkommen kann) und triff in aller Regel den Nagel auf den Kopf. Beziehungsdramen, Freundschaftskonflikte oder die Problematik am Arbeitsplatz? Horst erzählt zu nahezu jedem Thema  kleine Geschichten die einen, trotz all der Komik zum Nachdenken anregen. Man ertappt sich, während man über einen Sachverhalt lacht, bei dem Gedanken, dass das Ganze so abwegig ja gar nicht ist und das man sich in der ein oder anderen Karikatur einer Person selbst entdecken kann. Oh weh. Aber da Horst Evers darauf verzichtet Moralapostel zu spielen, sondern einfach nur ganz dezent auf das ein oder andere Problem der Menschheit hinweist, fühlt man sich dann doch noch gut.

Der Autor ist schon eine ganze Weile in der Branche unterwegs, aber so richtig wahrgenommen habe ich ihn erst 2011, als sein Bestseller „Für Eile fehlt mir die Zeit“ heraus kam. Lange – und ich meine wirklich LANGE – bin ich um dieses Buch herumgeschlichen, hatte es immer wieder in der Hand und hab es doch nie geschafft wirklich hineinzulesen. Warum eigentlich? Denn als ich Anfang 2014 mal wieder in meiner Lieblingsbuchhadlung stöberte fiel mir das Buch erneut in die Hände und diesmal riskierte ich einen Blick. Zwei Minuten später war der Schmöker gekauft und ich sehe die verwunderten Blicke meiner Mitmenschen immer noch vor mir, die mich musterten als käme ich von einem anderen Stern, als ich laut lachend in der Straßenbahn saß und mir gelegentlich ein Lachtränchen aus dem Augenwinkel wischen musste. Aber was genau macht dieses Buch nun so besonders? Zum einen sind natürlich die extrem kurzen Kapitel perfekt für Unterwegs geeignet, oder eben, wenn man mal wieder nicht so viel Zeit zum Lesen hat. Kleine, kurze Episoden aus dem Lebend es Horst E. – egal ob Unterwegs, Zuhause, im Kino oder bei Freunden, mit und ohne Familie. Er plaudert munter, erzählt „Geschichten die das Leben schrieb“, befasst sich mit den klassischen Problemen des Alltags und kommentiert das ganz charmant mit seinem dezenten, aber doch treffender Humor. Eben nicht die Platte „Lachen bitte jetzt“ Keule, sondern Witz mit Niveau.  Und schon die erste Geschichte trifft mitten ins Herz. Wer gelegentlich mit dem Zug fährt, der kennt die „Arbeitstiere“, die dort nichts anderes tun als telefonieren und auf die Tasten des Laptops einzuhacken. Ganz ehrlich: Ich bin versucht die Eversche Methode bei Gelegenheit auszuprobieren …

Nachdem ich als mein persönliches Horst Evers Debüt mit solcher Begeistertung absolviert hatte war klar, dass ich Nachschub brauche. Und prompt – an dieser Stelle mein persönlicher Dank an eine liebe Freundin – flatterte mir ganz unerwartet „Wäre ich du, würde ich mich lieben“ ins Haus. Die Freude war groß und das Buch landete sofort im Bad, neben der Toilette. Nein, jetzt bitte keine entsetzen Blicke und Aufschreie, aber bei mir ist noch nicht einmal das Badezimmer bücherlos und die kurzen Kapitel dieses Buches eigenen sich nunmal perfekt für Badezimmerlektüre. Findet mein Besuch übrigens auch. Das Buch selbst ist natürlich ganz und gar nicht für die Tonne und absolut kein Griff ins Klo, sondern genauso unterhaltsam, erheiternd, „motivierend“, wie der Vorgänger. Durch eine breite Palette an Themen schreibt sich der Autor direkt ins Herz. Nein, man kann das nicht wirklich erklären, man muss es einfach lesen und genießen. Schmunzeln, lachen, weinen und danach geht es einem viel, viel besser, wenn man nicht gerade wieder eine jener Geschichten erwischt in denen man sich selbst erkennt und unweigerlich ertappt fühlt. 😉

Nun bin ich also Horst Evers Fan. Aber auch Fußballfan und da war es dann ja schon irgendwie naheliegend, dass auch sein aktuellstes Werk „Vom Mentalen her quasi Weltmeister“, das beide Themengebiete so wunderbar in sich vereint, in meiner Sammlung nicht fehlen darf. Tut es auch nicht. Und ich habe mich auch hier köstlich amüsiert – Vorurteile und Klischees sämtlicher Nationen geschickt verpackt und humorvoll aufbereitet, gepaar mit tatsächlichen Fakten Rund ums Thema Fußball. Für jeden Fan ein muss.

A propos Fußball, es geht dann jetzt auch los. Daher muss ich hier Schluss machen. Aber: Wenn ihr mal was zum Schmunzel braucht und clever unterhalten werden wollt, dann schaut euch den Horst Evers etwas genauer an. Er kann auch Krimi 😀

Horst Evers – Für Eile fehlt mir die Zeit
erchienen, 2011 im Rowohlt Verlag
224 Seiten
14,95 € (Hardcover)
ISBN 978-3-87134-682-8

Horst Evers – Wäre ich du, würde ich mich lieben
erschienen, 2013 im Rowohlt Verlag
224 Seiten
14,95 € (Hardcover)
ISBN 978-3-87134-762-7

Horst Evers – Vom Mentalen her quasi Weltmeister
erschienen, 2014 im Rowohlt Verlag
272 Seiten
14,95 € (Hardcover)
ISBN 978-3-87134-776-4

Kurze Zusammenfassung (in eigenen Worten)

Michelle Penn ist jung und einsam, denn nachdem ihr Ehemann, der Soldat Harry, gefallen ist, hat sie sich in ihrer Trauer zu Hause eingeigelt und scheut den Kontakt zu ihrer Umwelt. Solange, bis sie eines Tages ein Ereignis aus dieser Lethargie reißt.

Ihre Freundin Juanita ermöglicht Michelle einen einmonatigen Aufenthalt in der Familien-Finca auf Mallorca. Die schöne Frau wird von Männern umworben und lässt sich in dem fremden Land auf eine Affäre ein.

In der Finca gehen derweil unheimliche Dinge vor sich, u.a. entwickelt der Anrufbeantworter ein Eigenleben und Feuerzeuge vermehren sich wie von Geisterhand.

Und als Juanita auch noch spurlos verschwindet, spitzen sich die Ereignisse zu…

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achtung buch: bittere sünde von liselotte roll

Hier findet ihr eine – ausgelagerte – Gastrezension zu einem Titel, der mich persönlich gar nicht ansprechen konnte ,bei der Rezensentin aber für viel Begeisterung gesorgt hat. Da sieht man es wieder einmal wie verschieden die Geschmäcker sind.

An dieser Stelle danke ich der lieben Julia ganz herzlich für die Rezension! 🙂

Ruby's Cinnamon Dreams

bittere-suende-072017664

Magnus Kalo, Polizist, lebt mit seiner Frau Linn und seinen beiden Töchtern Moa und Elin glücklich zusammen, auch wenn sein Beruf das Familienleben phasenweise stark überschattet. Wie auch an diesem Morgen, an dem er zur Dienststelle muss, obwohl die Kids krank sind. Dort erwartet ihn jedoch auch nichts Schönes: Ein Mann, Erik Berggren wurde auf brutalste Weise ermordet und vor seinem Tod noch mit kochendem Wasser im Genitalbereich verstümmelt. Er lebte ein einsames Leben und hatte weder Freund noch Feind. Um trotzdem einige Informationen über ihn zu bekommen, beschließt Magnus Eriks Mutter im Pflegeheim aufzusuchen. Diese leidet jedoch unter Alzheimer und wird ihm nicht viel sagen können. Er versucht es trotzdem, besucht die alte Dame und findet auch sie schwer verstümmelt im Genitalbereich vor. Scheinbar war er gerade noch rechtzeitig gekommen, um zu verhindern, dass der Täter sein grausames Werk beenden konnte. Zwei Anschläge auf Mitglieder einer Familie. Was hat…

Ursprünglichen Post anzeigen 369 weitere Wörter

Alles Neu macht der … April: Drei auf einen Streich

Öfter mal was Neues!

Quasi fast pünktlich zum neuen Monat und zum Frühlingsanfang (gebt es zu, ich bin nur ein paar Tage zu spät dran), stelle ich euch heute eine neue Kategorie auf meinem Blog vor: „Drei auf einen Streich“.  Und ja, ich bin mir sicher, dass schon irgendwer irgendwo auf die selbe Idee gekommen ist, aber da ich nicht weiß wer und wann und wo, so hoffe ich, dass sich heute ausnahmsweise mal niemand auf den Schlips getreten fühlt. 😉

Bevor ich mit der neuen Idee durchstarte, möchte ich euch kurz erklären, was ich damit eigentlich meine. Im Prinzip ist das ganz einfach: Ich lese einfach zu viele Bücher und manchmal ist es gar nicht so einfach eine Rezension zu einem Buch zu verfassen – entweder weil es eigentlich zuviel zu sagen gibt oder zu wenig oder weil es sich einfach anbietet manche Bücher gemeinsam zu besprechen … wie dem auch sei. Bei meiner neuen Kategorie werde ich thematisch ähnliche Bücher vorstellen, bei Bedarf ein bisschen was zum Thema an sich sagen und mir damit die Möglichkeit geben einfach mehr Raum für Bücher zu schaffen – hoffentlich auch in eurem Interesse. Beginnen möchte ich mit einem nicht ganz einfachen Thema das mir sehr am Herzen liegt.

Thema: Gewalt an Schulen

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Gewalt an Schulen ist ein großes, ein ernstes Thema, das uns alle angeht. Damit meine ich aber nicht allein die körperliche, sondern vor allem die psychische Gewalt. Trotz aller Brisanz und dem Wissen um die Folgen solchen Handelns, ist es leider auch ein Thema, das immer noch zu wenig und oft falsch thematisiert wird.
Natürlich, es wird nach jedem schlimmeren Vorfall – Suizid, Amoklauf, etc. – darüber in den Medien berichtet, es werden Schuldige gesucht und der schwarze Peter im Kreis gereicht: Ballerspiele, überfürsorgliche oder vernachlässigende Eltern und das ominöse Mobbing. Gerade letzter Punkt kommt aber meistens viel zu kurz. Denn, seien wir Mal ehrlich – es dürfte eigentlich jedem halbwegs vernünftigen Menschen klar sein, dass weder die Ballerspiele, noch die Eltern, noch das Mobbing allein der Auslöser sind, sondern das viele Faktoren zusammenspielen und es DEN Schuldigen einfach nicht gibt.
Natürlich wird in den Schulen darüber geredet. Es heißt:  Mobbing ist böse, man darf niemanden ausschließen, weil das gemein ist und Gewalt ist keine Lösung. Und dann? Glaubt irgendjemand, dass das wirklich hilft?
Es bringt nichts solche Themen nur theoretisch anzuschneiden. Man muss – vor allem bei akuten Fällen – Schüler und Eltern konkret ansprechen, Lösungen suchen, einen Weg finden. Hinsehen muss die Devise lauten: Hinsehen, nicht wegsehen. (Ich habe mir sagen lassen, dass aktuell an Schulen viel zum Thema gemacht wird, dass es spezielle Tage zur Stärkung der Gemeinschaft etc. gibt. Ich kann hier nur aus persönlicher Erfahrung sprechen und sagen: Zu meiner Zeit war das nicht der Fall, da wurde lieber weggesehen und im Zweifel war das Opfer selbst schuld an seiner Situation.)
Vor allem aber muss man jenen Unterdrückern die Folgen ihres Handelns klar machen, ihnen aufzeigen was sie ihren Opfern antun. Denn manch einer handelt nicht aus Bosheit, sondern aus purer Unwissenheit. Die Masse schweigt aus Angst selbst selbst zum Opfer zu werden. Dabei wäre es doch so einfach Stellung zu beziehen und sich gemeinsam stark zu machen. Literatur war schon immer eine Möglichkeit um Menschen einen Gegenstand, eine Sache näher zu bringen, die sie sonst vielleicht nicht begreifen oder erkennen können.
Drei unterschiedliche Bücher zum Thema „Gewalt an Schulen“ habe ich in letzter Zeit gelesen, drei Bücher die sich vor allem mit den Konsequenzen der Gewalt auseinandersetzen. Drei lesenswerte Bücher, die ein wichtiges Thema behandeln und sich stark damit auseinandersetzen, die aber alle ihre Stärken und Schwächen haben.

Drei Bücher – ein Thema

Der Tag wird kommen

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Hans-Petter hat es nicht leicht: Andreas, der Rowdy der Schule, hat ihn auf der Abschussliste und macht ihm das Leben zur Hölle. Demütigungen und Prügel gehören zum Alltag. Seinen Eltern leben getrennt und seiner Mutter will er sich nicht anvertrauen, aus Angst alles noch schlimmer zu machen. Die Freizeit verbringt er am Liebsten allein am Computer. Aber tief in seinem inneren weiß er, dass seine Zeit noch kommen wird. Irgendwann wird er es allen zeigen und bis dahin muss er nur überleben.

Kritik
Die Bewertung dieses Buches ist nicht einfach: Einerseits eine großartiges Idee, eine in weiten Teilen interessante und vor allem unerwartete Umsetzung eines brisanten Themas und andererseits ein derart unsympathischer Protagonist, dass man das Verhalten seiner Mitschüler fast nachvollziehen kann. Gerade für ein Buch, das ein Opfer von Gewalt als Hauptfigur hat, wäre es aber doch von Vorteil, wenn man sich in den Charakter hineinversetzen könnte. Aber Hans-Petter wirkt eingebildet, so von sich selbst überzeugt, dass es einen nur wundern kann, dass er sich überhaupt derart unterdrücken lässt, statt sich zu wehren. Zudem hält er sich für überaus klug, ist angeblich sogar hochbegabt, verhält sich aber eigentlich wie ein riesiger Idiot – und das ist nun wirklich nicht nur dem Alter geschuldet.
Schade ist auch, dass die Geschichte hauptsächlich außerhalb der Schule spielt und so Hans-Petters Qualen kaum zum Ausdruck kommen. Vielleicht hätte ein etwas tieferer Einblick in seinen Schulalltag es vermocht mehr Sympathien zu wecken. Hin und wieder schafft es die Autorin dann aber doch dem Leser ein wenig Einblick in sein Seelenleben zur gewähren und ihn in einem anderen, traurigen, tragischen Licht erscheinen zu lassen, was nicht nur gut, sondern sehr nötig war um die Geschichte zu tragen.
Trotzdem habe ich das Buch gerne und sehr schnell gelesen, da es – trotz dieses wirklich schwer zu verstehenden Protagonisten – sehr eingängig geschrieben ist und sich leicht weglesen lässt. Außerdem ist die Umsetzung des Themas, die Handlung des Buches so faszinierend, dass man gar nicht anders kann als herauszufinden, was dahinter steckt. Das Ende hingegen lässt einen nachdenklich, sprachlos, wütend und seltsam unbefriedigt zurück. Und das schadet dem Buch nicht – im Gegenteil. Gerade das macht seinen Reiz aus. Die große Frage nach dem „Was wäre wenn?“

„Den Schulhof zu überqueren, ist immer gefährlich. […] Ich wähle den kürzesten Weg, quer durch das dichteste Gewühl. Versuche, mich schnell zwischen den Cliquen durchzuschlängeln, ohne aufzufallen. 
Ich bin mittlerweile ein bisschen paranoid. Wenn irgendwo gelacht wird, versuche ich herauszufinden ob sie über mich lachen.“ (Seite 50)

Fazit
Eine etwas andere Art sich dem Thema „Mobbing“ zu nähern. Auch wenn einem der Protagonist über weite Teile der Geschichte seltsam fremd, wenn nicht gar unsympathisch, erscheint, ist es ein Buch, das man lesen sollte. Die Herangehensweise ist ungewöhnlich und die Kernfrage des Romans eine sehr wichtige, die sich im Nachhinein wohl jeder stellt und jeder für sich selbst beantworten muss. Ein Buch, das nachdenklich zurück lässt, wenn auch auf ganz andere Weise als man das vor dem Lesen erwartet.

Und mein ernst gemeinter Rat: Lest den Klappentext nicht. Ich weiß nicht WER den verfasst hat, aber mit dem Buch hat er so gut wie gar nichts tun.

Es wird keine Helden geben

IMG_7106Inhalt
Du erlebst einen Amoklauf an deiner Schule, du siehst deine Mitschüler sterben, du siehst deinen Freund sterben, du blickst in den Lauf der Waffe als der Schütze vor dir steht. Du kennst ihn und du hast ihn nie gemocht. Du blickst dem Tod ins Auge und dann ertônt ein Schuss. Du siehst auch den Amokläufer sterben. Doch damit ist es nicht vorbei. Damit fängt alles erst an … Denn am Ende bleibt nichts außer der Frage: Bist du schuld?
Kritik
Kurze, fast abgehackte Sätze ziehen den Leser schnell und umkompliziert in die Story. Der Anfang ist spannend, rasant und absolut schockierend und auch das Seelenleben der Protagonistin Miriam ist auf den ersten Seiten, vor allem in der ersten Zeit nach dem Amoklauf wunderbar dargestellt. Das junge Alter der Autorin trägt natürlich dazu bei, dass sie das Gefühlsleben der Teenager und den Alltag gut einfangen kann.
Aber nach einer Weile flacht die Spannung ab, es wird zuviel wiederholt, die immer gleichen Gefühle der Protagonistin werden immer wieder durchgekaut, sie versinkt in ihrem Selbstmitleid, statt den Blick auch mal auf andere  zu richten. Sie erwartet, dass jeder sie und ihre Situation versteht, aber sie ist nicht bereit irgendwem etwas zurückzugeben. Im gesamten ist die Aufarbeitung dieser Ausnahmesituation gut gemacht, die Suche zurück in ein normales Leben, aber man hätte doch den Part der Miriam durchaus etwas reduzieren können und statt dessen z.B. auf den Alltag vor dem Vorfall näher eingehen können.
Auch auf Matis, das Opfer und späterer Täter, wird kaum ein Blick gelenkt. Es werden zwar ein paar Situationen geschildert in denen Matis gehänselt wird, aber im Prinzip wird dieser Punkt kaum beachtet. Verglichen mit der sich im Selbstmitleid suhlenden, durch Egoismus gekennzeichneten Miriam geht er völlig unter. Schade, dass gerade der Schüler, der schon zu Lebzeiten keine Beachtung gefunden hat, auch nach seinem Tod so wenig Aufmerksamkeit bekommt.
„Am Ende machen sich diejenigen Vorwürfe, die immer versucht haben gut und richtig zu handeln, und die, die gemein und egoistisch waren, leben bis zur letzten Sekunde glücklich.“ (Seite 137)
Fazit
„Es wird keine Helden geben“ ist insgesamt ein überzeugendes Debüt einer talentierten Jungautorin und ein Buch, das mich berührt hat. Eine sehr harte, sehr wahre Geschichte, die sich aber einen Tick zu wenig mit dem Amokläufer und dem Auslöser der Tat beschäftigt und zu sehr mit dem Seelenleben der Protagonistin, und zwar nicht mit der Aufarbeitung ihrer Schuld, wie man es hoffen könnte, sondern vor allem mit ihrem Selbstmitleid. Trotzdem ein bewegendes Buch, in dem viel Wahrheit steckt und das man lesen sollte.

Rüdiger Bertram – Die Liga der Guten

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Jan, Mats und Andy sind Freund, aber nicht weil sie sich unbedingt mögen, sondern weil sie -als die Kleinsten der Jahrgangsstufe – gemobbt und verprügelt werden und die Chance geringer ist, zum Ziel des Spotts zu werden, wenn noch zwei andere potentielle Opfer in der Nähe sind. Bis zu jener Ohrfeige, jenem schicksalhaften Tag als Jan sich entschließt, nicht mehr alles hinzunehmen, sondern aufzustehen und zu rebellieren.

Kritik
Rüdiger Bertram ist mit diesem Buch eine grandiose Geschichte gelungen. Eine Konsequente Umsetzung der Idee: „Was passiert, wenn ein unterdrückter Schüler nicht mehr das Opfer sein will, wenn er ein Ideal hat und das kompromisslos und ohne Rücksicht auf Verluste verfolgt?“. Eindringlich erzählt er aus der Sicht des Schülers Mats von jener Ohrfeige, von Jans Verhalten danach, von der Gründung der „Liga der Guten“ und allem was dann passiert. Er erzählt davon ,was geschieht, wenn der Unterdrückte plötzlich mächtig wird. Er erzählt von Gefühlen, von Liebe und Freundschaft, von der Angst ausgeschlossen zu werden und davon, was man bereit ist zu tun, um dazuzugehören.

Aber er schildert auch sehr authentisch die Situation auf dem Schulhof, wenn Schüler und Lehrer wegsehen, während die größeren Schüler auf den kleineren herumtrampeln. Wenn im Prinzip alle nur froh sind, dass sie selbst nicht zu den Opfern zählen, sondern – wenn schon nicht im Mittelpunkt stehend – doch zumindest in Ruhe gelassen werden. Vor allem die Täter-Opfer Beziehungen werden hier etwas deutlicher aufgezeigt, die Gründe, warum einer auf der sozialen Leiter der Schulordnung ganz unten, ein anderer ganz oben stehen kann und die traurige Wahrheit, dass eben die meisten einfach nur wegsehen, statt einzugreifen obwohl sie selbst nicht aktiv an der psychischen und physischen Gewalt gegen andere beteiligt sind, machen sie  sie sich schuldig.

„Einen Roman, den ich mir ausgeliehen hatte und in dem es auch um einen Jungen ging, für den der Sportunterricht eine einzige Qual ist, weil er immer als Letzter in eine Mannschaft gewählt wird. Das ist ja schon in ganz vielen Büchern beschrieben worden. Dazu brauche ich gar nichts mehr zu sagen, denn entweder man kennt das Gefühl, weil es einem in jeder lausigen Sportstunde ganz genauso er- geht, oder man kennt es nicht. Dann kapiert man auch nicht, wie übel sich das anfühlt – auch wenn einem das anschließende Spiel völlig am Arsch vorbeigeht.“ (Seite 18) 

Fazit
Ein großartiges Buch, dass zumindest am Anfang das Gefühlsleben eines Mobbing-Opfers in den Vordergrund stellt und auch im Verlauf der Geschichte immer wieder das mangelnde Selbstbewusstsein eines solchen Kindes thematisiert. Mir wurden nur ein paar Klischees zuviel bedient, so stammt z.B. die Opfer aus schwierigen Familienverhältnissen, während der Schlägertyp ein Sohn aus reichem Haus ist, der Vater Anwalt, also wohl ein Junge, der noch nie gelernt hat die Konsequenzen seines Handelns zu tragen, da Papi normalerweise alles regelt. Sicherlich ist das – neben den sozial am schwächsten gestellten Mitgliedern der Gesellschaft – eine zur Unterdrückung anderer prädestinierte Gruppe, aber im großen und ganzen sind es doch oft auch gerade die unauffälligen Schüler, die andere demütigen. Solche, denen man das gar nicht zutrauen würde. Aber egal wie man es dreht und wendet: Am Ende bleibt die Frage „Was ist gut und was ist böse?“ und die Erkenntnis, dass es darauf keine einfache Antwort gibt.

Gesamtfazit

In allen drei Büchern sind die Folgen des Mobbings gut und durchdacht dargestellt, die Gewalt selbst aber kommt zu kurz. Jemand der gemobbt wurde begreift auch nach und mit wenigen Sätzen wie sich die Opfer fühlen müssen, weil er es selbst oft genug erlebt hat. Aber jemand der andere quält, der kann diese Gefühle nicht nachvollziehen. Den werden ein paar, wenn auch wahre und gut gewählte Sätze, nicht berühren können. Bleibt zu hoffen, dass die anschaulich beschriebenen Folgen den ein oder anderen zum Umdenken oder nachdenken bringen, wenn man ihm vor der Lektüre der Bücher klar macht, was er da tut. Alles in allem drei Bücher deren Schwächen ich aufzeigen wollte, die aber dennoch lesenswert sind und jedes auf seine Weise zum Nachdenken und Innehalten anregt. Vor allem darüber, wie wir unseren Mitmenschen oft begegnen und wie wir ihnen eigentlich begegnen sollten.

Natürlich gibt es noch viel, viel mehr Bücher zu diesem Thema und das ein oder andere steht auch noch auf meiner persönlichen Leseliste (ein Dank hier an Arndt von Literatwo, der mich immer wieder auf wunderbare Bücher aufmerksam macht)

Nina Vogt-Østli – Der Tag wird kommen
erschienen, 2014 im Coppenrath Verlag
240 Seiten
14,95 € (Hardcover)
ISBN 978-3-649-61386-2

Anna Seidl – Es wird keine Helden geben
erschienen, 2014 im Oetinger Verlag
252 Seiten
14,95 € (Hardcover)
ISBN 978-3-789-14746-3

Rüdiger Bertram – Die Liga der Guten
erschienen, 2013 im Rowohlt Verlag
208 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)
ISBN  978-3-499-21506-3

Äh … hä?

Wie das auf Buchmessen eben so ist, man trifft Menschen und Autoren und Verleger (ja, diese Formulierung ist Absicht^^), man quatscht und tratscht und kommt auf die großartigsten, absurdesten, dämlichsten Ideen, z.B. wenn der Herr Autor sich dezent gereizt äußert, weil man das längst gelesene Buch – welches man gar nicht rezensieren wollte – noch nicht rezensiert hat. Oder wenn man einfach gemütlich bei einem Bier, Wein, Wasser, Cola, … zusammensitzt. Oder. Egal. Jedenfalls habe ich versprochen „Katzendämmerung“ auf angemessene Weise zu besprechen und das werde ich nun auch tun: Weiterlesen

[Rezension] Gillian Flynn – Gone Girl

Inhalt



Nick und Amy sind ein Traumpaar, seit drei Jahren verheiratet und glücklich. Dann verlieren sie fast zeitgleich ihren Job und müssen umziehen. Da Nicks Mutter todkrank ist, ziehen sie in seine Heimatstadt nach Missouri. Nick verwirklicht sich dort einen Traum, in dem er mit seiner Schwester eine Bar eröffnet, Amy brilliert als etwas übereifrige, aber einsame Hausfrau, bis sie an ihrem fünften Hochzeitstag spurlos verschwindet …

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Inhalt

Henning Bröhmann verschlägt es – samt Familie und Hunden – in die Großstadt, nach Berlin. Eigentlich wollte er nur den Besuch der Beerdigung des ehemaligen Kollegen seines Vaters mit einem günstigen Familienurlaub verbinden, aber da schlägt das Schicksal auch schon wieder zu. Am Grab fallen Schüsse, ein Mann wird getötet. Und während Henning noch versucht das erlebte zu verarbeiten, verschwindet sein Vater spurlos. Zusammen mit Kollege Markus ermittelt er quasi fieberhaft und lässt sich nur gelegentlich durch Fußballturniere, Frauen oder Hunde ablenken. Und eben die sterben dann auch plötzlich, die Hunde.

[Hörbuch-Rezension] Colleen Hoover – Weil ich Layken liebe

Inhalt

Die 18-jährige Layken zieht mit ihrer Familie von Texas nach Michigan, um den Tod des Vaters zu überwinden. Gleich am ersten Tag in der neuen Umgebung freunden sie und ihr kleiner Bruder sich mit den Nachbarn an. Will übt eine unergündliche Anziehungskrauft auf Layken aus und die beiden verlieben sich ineinander. Aber dann stellt sich ihnen das Schicksal auf grausame Weise in den Weg.

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