Inhalt



Nick und Amy sind ein Traumpaar, seit drei Jahren verheiratet und glücklich. Dann verlieren sie fast zeitgleich ihren Job und müssen umziehen. Da Nicks Mutter todkrank ist, ziehen sie in seine Heimatstadt nach Missouri. Nick verwirklicht sich dort einen Traum, in dem er mit seiner Schwester eine Bar eröffnet, Amy brilliert als etwas übereifrige, aber einsame Hausfrau, bis sie an ihrem fünften Hochzeitstag spurlos verschwindet …

Kritik

Was einem sofort auffällt ist der Stil der Autorin – irgendwie blumig und verschnörkelt, fast verspielt. Eine Art zu schreiben, die man bei einem Thriller eher nicht erwarten würde. Aber gerade der Stil hat mich sofort gepackt und neugierig gemacht.

Die Geschichte selbst ist in zwei Handlungssträngen aufgebaut – einerseits die Gegenwart, aus Nicks Perspektive, sein Leben und Erleben nach dem Verschwinden seiner Frau und andererseits die Tagebucheinträge seiner Frau Amy, ab dem Tag an dem sich die beiden kennen gelernt haben.

Dabei schafft es Gillian Flynn, dass sie beide Figuren herrlich authentisch darstellt, ihre Macken und Fehler zum Teil auf fast liebenswürdige Weise beschreibt und das Eheleben aus verschiedenen Perspektiven glaubhaft beleuchtet. Vor allem mit Amy konnte ich mich von Anfang an sehr gut identifizieren, da ihre Art die Welt zu sehen sich mit meiner in vielen Bereichen überschneidet. Erschreckend realistisch, erschreckend echt, erschreckend menschlich.

Obwohl sowohl Nick als auch Amy ihre Situationen beschreiben, stellen sich beide als perfekte Partner dar – der verständnisvolle und rücksichtsvolle Nick, die perfekte Frau Amy. Die Selbstwahrnehmung der beiden Protagonisten scheint sehr verzehrt. Aber gerade dieses überpositive Selbstbild schafft eine absolut realistische, glaubhafte Atmosphäre, wodurch ein Sog entsteht, dem man sich kaum entziehen kann. Die Beziehung der beiden ähnelt einer tickenden Zeitbombe und man wartet nur darauf, dass sie explodiert. Geschickt fängt die Autorin nicht nur die Stimmung der Protagonisten, sondern auch die des Umfelds ein, schreibt und beschreibt, welche Auswirkungen ein solcher Vorfall auf das Leben aller Menschen hat, die in irgendeiner Form daran beteiligt sind – egal ob direkt, indirekt oder durch eigene Initiative. Unglaublich treffend zeigt sie vor allem den moralischen Verfall der Gesellschaft und die Macht der Medien.

Die Geschichte packt einen, man will unbedingt wissen was mit Amy passiert ist, die Spannung bleibt während der gesamten Geschichte konstant erhalten , selbst dann, wenn man schon erahnen kann, wie die Geschichte endet. 

Viele Leser haben sich über das Ende beschwert, ich für meinen Teil finde es absolut passend für diese Geschichte. So und nicht anders muss es bei diesem Buch sein.

Fazit



„Gone Girl“ ist ein brillanter Thriller mit Tiefgang, aber auch hier zeigt sich wieder, dass Geschichten, die nicht der Norm entsprechen bei vielen Lesern auf Unverständnis und Ablehnung stoßen. Ich für meine Teil wurde von diesem Buch großartig unterhalten, war gefangen in der Welt von Nick und „Amazing Amy“ und dem Kleinstadtmief . Nur manchmal, da wäre ich am liebsten ins Buch gesprungen um die Beiden zu schütteln und wach zu rütteln.

Spannend, elektrisierend, nervenaufreibend, fesselnd, perfide und so klug erzählt. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. 

Wer intelligent konstruierte Thriller zu schätzen weiß, der wird dieses Buch lieben. Wer sich aber lieber auf die immer gleiche Weise unterhalten lässt, der sollte die Finger von „Gone Girl“ lassen, denn diese Buch passt definitiv nicht in gängige Thriller-Schubladen. Leser, denen „Danach“ von Koethi Zan gefallen hat, durften begeistert sein.

Gillian Flynn – Gone Girl
erschienen, 2013 im Fischer Verlag
576 Seiten
16,99 € (Klappenbroschur)
ISBN 978-3-502-10222-9