Inhalt

Hannah und ihre Familie fliehen vor einem körperlosen Schrecken, der ihre Familie seit Generationen verfolgt: Jakab, der Mörder mit den 1000 Gesichtern. Eine Kreatur die Alpträumen entsprungen scheint. Doch sie ist keine Sagengestalt, sondern sehr real, grausam und unerbittlich. Um ihre Tochter Leah zu retten muss sie den Bann brechen der auf ihrer Familie lastet, aber sie ist auf sich allein gestellt. Sie kann niemandem trauen, vor allem nicht den Menschen, die sie am Meisten liebt … 

Kritik 

 Von der ersten Seite an hat mich dieses Buch in seinen Bann gezogen. Ein wirklich passender Titel, denn obwohl das Buch über 500 Seiten hat war es nach zwei Abenden ausgelesen. Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen und nur die Vernunft hat mich dazu bewogen doch noch Schlafen zu gehen. 

Und dabei entwickelt sich die Geschichte nach einem anfänglichen Paukenschlag eigentlich sehr gemächlich. Nach etwa einem Drittel des Buches hat man zwar viele Fragen, aber wenig Antworten, es passiert im Prinzip gar nicht so viel, außer dass man die einzelnen Figuren und deren Leben kennenlernt und dennoch ist da der Drang weiterzulesen. Auf drei Zeitebenen wird die Geschichte um Hannahs Familie erzählt und mit jedem neuen Hinweis auf die Wahrheit stößt man auf neue Zweifel. Eine Geschichte, die mich fast restlos begeistert zurück lässt. Bis auf das Ende – die Brutalität und den Irrsinn beim Finale hätte es nicht gebraucht. Da wäre es deutlich besser – und auch passender zum restlichen Erzählstil – gewesen auf manches zu verzichten, auch wenn ich den Einsatz dieser Mittel zum Teil sogar begreife – ich glaube man hätte es auch anders auflösen können, weniger übertrieben.

Stephen L. Jones schreibt sehr eingängig und leicht, so dass man geradezu über die Seiten fliegt. Einzig die vielen – ich glaube ungarischen – fremdsprachlichen Ausdrücke, die in kursiver Schrift in den Text eingestreut werden, erschweren das Lesen und stören den Fluss ein wenig. Zum Einen, weil man einfach nicht weiß wie man sie aussprechen bzw. lesen soll. (Mein Ungarisch ist jedenfalls sehr eingeschränkt) Zum anderen, weil man die Bedeutung der Worte zwar erahnen kann, eine genaue Übersetzung an manchen Stellen aber einfach schön gewesen wäre. Hier hätte ich mir wirklich ein Glossar gewünscht, dass die Begriffe noch Mal erklärt und eventuell eine Lautschrift dazu, um die Aussprache zu üben. So bleibt einem nämlich leider nichts anderes übrig, als die ganzen Stellen zu überfliegen und die Wörter eigentlich größtenteils zu ignorieren, was ihre Verwendung irgendwie überflüssig macht. 

Die Charaktere des Romans hier gefallen mir gut, auch wenn man natürlich viele typische Charakterisierungen findet: Eine starke, finanziell gut situierte Frau, die für das Wohl ihres Kindes kämpft, ein väterlicher Freund, geheimnisumwitterte Fremde, nächtige Gegner … Trotzdem machen sie Spaß, man liest gerne über sich und erlebt ihre Geschichte. 

Besonders beeindruckt hat mich aber die Charakterisierung des Bösen. Vielschichtig, vieldimensional, nicht nur beschränkt auf Taten, sondern vor allem bezogen auf Beweggründe und Motivationen. Nicht nur ein grausamer Mörder, den man trotz allem nicht einfach abstempeln und ruhigen Gewissens hassen kann. Das Böse hat viele Gesichter und hier werden einige davon gezeigt. 

 Fazit

„Der Bann“ von Stephen L. Jones ist ein tolles, spannendes aber vor allem erstaunlich bewegendes Buch, bis auf den Showdown – für meine Begriffe war es einfach zu brutal, zu übertrieben und hat eigentlich nicht in den Tenor der restlichen Geschichte gepasst, auch wenn ich durchaus nachvollziehen kann, warum dieses Ende gewählt wurde. Schade für die ansonsten großartige Geschichte.  

Aber aufgepasst. Das Buch läuft als Thriller und das ist meiner Meinung nach sehr irreführend. Wer hier einen klassischen Thriller erwartet und mit mystischen Elementen nichts anfangen kann, der sollte besser die Finger davon lassen, sonst endet der Kauf in einer herben Enttäuschung. Hier steht zwar Thriller drauf, aber es ist definitiv Mysterythriller drin. Wer damit aber keine Probleme hat und gerne Geschichten liest, die ein bisschen über den Horizont des Vorstellbaren hinaus gehen, der sollte hier zugreifen. Und keine Sorge – die Geschichte ist von Fantasy weit, weit entfernt. Der Thrill kommt garantiert nicht zu kurz. 

Stephen L. Jones – Der Bann
erschienen, 2013 im Rowohlt Verlag 
528 Seiten
9,99 @ (Taschenbuch)
auch als E-book erhältlich 
ISBN 978-3-499-23314-2