tuerchen21Na ihr Lieben,

habt ihr euch schon gewundert, warum es dieses Jahr so gar keinen Kalender hier gibt? Nun, die Gründe sind vielfältig, aber so ganz ohne ging es dann doch nicht. Die liebe Tintenelfe vom Tintenhain hat einen Bloggeradventskalender ausgerufen und da ich die Idee schön fand, zumindest ein Türchen zu gestalten, habe ich schnell „HIER“ geschrien und bin nun mit von der Partie.

Aber was versteckt sich nun hinter dem heutigen Türchen, so ganz kurz vor Weihnachten? Ein Buch, viele Bücher oder vielleicht gar kein Buch? Zu allererst könnt ihr hier meine persönlichen Gedanken zum Thema Weihnachten entdecken.

Was bedeutet eigentlich Weihnachten?

Die letzten Tage hatte ich ziemlich viel Zeit über dieses Thema nachzudenken. Weihnachten, das Fest der Liebe – oder eher das Fest des schlechten Gewissens? Hat man nicht manchmal das Gefühl, dass versucht wird irgendwelche Fehler und Fehltritte des vergangenes Jahres dadurch zu kompensieren, dass man ein möglichst großes Weihnachtsgeschenk kauft? Ist es nicht mittlerweile so, dass man sich fast gezwungen fühlt jeden in seinem Umfeld mit Geschenken zu überhäufen, damit man sich nicht schuldig fühlt? In Fernsehen, im Radio, in der Zeitung, auf großen Werbetafeln: Überall wird es propagiert. Kauft! Kauft! Kauft! Möglichst groß, möglichst viel, möglichst teuer. Ertappt man sich nicht manchmal selbst bei dem Gedanken, alle anderen mit dem eigenen Geschenk übertrumpfen zu wollen. Hat dieser Advent eigentlich noch mit Besinnlichkeit, mit Andacht, mit zur Ruhe kommen zu tun, wenn man die komplette Vorweihnachtszeit damit verbringt alles für den einen Tag zu richten? Es dann nicht mal für sich selbst zu planen und zu organisieren, sondern für die Außenwirkung. Überall dröhnt mehr oder weniger – meist weniger – stimmungsvolle Musik aus den Lautsprechern, man hastet über Christkindlmärkte, schleppt sich von Kaufhaus zu Kaufhaus oder durchforstet das große A nach Ideen, eilt an aufwendig dekorierten Schaufenstern vorbei und hat doch eigentlich gar keine Zeit irgend eines dieser Dinge zu genießen, die Weihnachten einmal ausgemacht haben.

Wie schön war es doch als Kind über einen Markt zu spazieren, Christbaumkugeln und hangeschnitze Krippenfiguren zu bestaunen, sich vom Duft nach Punsch, Bratwürstchen und gebrannten Mandeln einlullen zu lassen, unbedarft die kleinen und großen Wunder zu erleben, die gerade in der Vorweihnachtszeit geschehen. Was gab es schöneres als gemeinsam mit den Eltern zu basteln, mit der Mutter Plätzchen zu backen, am Adventssonntag die Kerzen anzuzünden, morgens voller Freude zum Adentskalender zu stürmen, um das nächste Türchen zu öffnen … Wie groß war die Freude, wenn an Heiligabend die Tür zum Wohnzimmer aufging und der festlich geschmückte, von zahllosen Kerzen hell erleuchtete Baum endlich vor einem stand? Wie aufregend war es in den nächtlichen Himmel zu starren, in der Hoffnung zumindest einen kurzen Blick auf das vorbeifliegende Christkind zu erhaschen? Wie schön war Weihnachten!

Weihnachten – Schreinachen?

Und jetzt? Jetzt ist der Zauber verflogen, Weihnachten bedeutet Stress, Arbeit, Geld ausgeben. Weihnachten hat seine Schönheit, sein Gefühl, seine Magie verloren und übrig geblieben ist kalte Rationalität. Egal wie sehr man versucht sich dagegen zu wehren. Man hat nicht so viel Zeit für Familie, Freunde und Kinder wie man gerne hätte, man ist ja zu sehr eingespannt in den Alltag und darin die Erwartungen zu erfüllen, die Werbung und Medien uns einreden: Perfekte Wohnung, perfektes Essen, perfekte Planung, perfekte Geschenke.

Kaum eine Zeit im Jahr in der man so gereizt ist wie vor Weihnachten. Das liegt unter anderem auch an dem unerträglichen Gebettel von allen Seiten: Spendet hier, spendet dort. Als gäbe es nur vier Wochen im Jahr die Möglichkeiten anderen zu helfen, als wären die restlichen elf Monate dafür nicht  geeignet. Der viel gepriesene Geist der Weihnacht, der jeden Geldbeutel öffnet, weil man geschickt mit dem schlechten Gewissen der Menschen spielt: Seht nur wie gut es euch geht, ihr könnt ja so viel kaufen, ihr tut es auch noch. Und wenn du 200 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben kannst, dann sind doch auch noch 20 Euro für Hilfsbedürftige drin. Also los, öffnet die Herzen – und noch besser – öffnet eure Geldbeutel und tut Gutes. Als gäbe es – im Zweifel – keine andere Möglichkeit zu helfen als durch Spendengelder von denen die Hälfte  sowieso nie bei den Bedürftigen ankommt, weil zu viele Organisationen zuerst die eigenen Taschen füllen wollen.

Und dann die Menschen in den Kaufhäusern, Buchhandlungen, Spielwarenläden dieser westlichen Welt: alles haben wollen, am besten auf den letzten Drücker und dann natürlich sofort. Da ist es egal, dass die Einzelhändler und Postboten ohnehin schon Sonderschichten schieben, um ihre Arbeit irgendwie zu schaffen. Da ist es egal, dass es doch eigentlich viel schöner ist, wenn man die Geschenke selbst einpacken würde. Es ist bequemer, wenn man das andere machen lässt. Und günstiger meistens auch noch, da heutzutage erwartet wird, dass der Einpackservice im Preis inbegriffen ist, selbst wenn man kaum 5 Euro investiert hat.

Und dann natürlich der Weihnachtsabend selbst: Erzwungene Familienidylle die nicht selten darin endet, dass sich alle an die Gurgel gehen, die gesamten Ärgernisse der letzten Jahre auf den Tisch holen und sich gegenseitig so richtig fertig machen. Kann man denn auch erwarten, dass sich Menschen plötzlich mögen und glückselig gemeinsam feiern, wenn sie sich sonst das ganze Jahr nichts zu sagen haben? Muss man das erwarten? Ist Weihnachten nicht eigentlich das Fest der Liebe, das Fest, dass man mit denen Menschen verbringen sollte die einem viel bedeuten? Nicht immer ist das Wort „Familie“ gleichbedeutend mit „Zuneigung“. Natürlich ist das traurig, aber was soll die Heuchelei? Was hat man denn davon, wenn man Menschen Gefühle vorspielt, sie einmal im Jahr erzwungenermaßen mit Geschenken oder Geld abspeist, aber sonst das ganze Jahr keine Lust hat Zeit mit ihnen zu verbringen.

Das Fest der Liebe

Ich selbst habe mich dieses Jahr in genau dieser Spirale wiedergefunden, bis mein Körper mir ein deutliches Zeichen gesetzt hat. Ich habe versucht es allen Recht zu machen, alles zu erledigen, mir immer mehr Arbeit aufgehalst und mich selbst darüber vergessen.

Und jetzt? Nun, meine Plätzchen habe ich gebacken und das hat mir riesig Spaß gemacht, also werde ich das auch weiterhin tun. Ich habe Weihnachtskarten geschrieben, Kleinigkeiten an Freunde geschickt – auch das hat gut getan, und auch das werde ich im nächsten Jahr nicht aufgeben, weil es schön ist anderen eine Freude zu machen. Aber ich werde aufhören perfekt sein zu wollen und statt dessen lieber wieder ein bisschen Ruhe einkehren lassen. Ruhe, damit ich wieder Zeit habe für die Wunder der Weihnacht, für gemütliche Nachmittage mit  Familie und  Freunden, für einen stressfreien Bummel über einen der vielen schönen Christkindlmärkte.

Am allermeisten freue ich mich jetzt auf ein Weihnachten mit meiner Familie. Wir gehören nämlich Gott sei Dank nicht zu denen, die sich nur zu Weihnachten gezwungenermaßen ertragen müssen. Wir verbringen auch unabhängig von Geburts- und Feiertagen viel Zeit miteinander. Früher habe ich Weihnachten mit meinen Eltern gefeiert, da gab es an heilig Abend immer Nachmittags den Gang in die Kirche, Würstchen zum Abendessen und dann die Bescherung. Später, als ich älter wurde und mit meiner Mutter in die neue alte Heimat gezogen bin, haben wir Weihnachten abwechselnd bei uns, bei meiner Tante oder den Großeltern gefeiert, damit jeder mal Gastgeber spielen durfte. Seit meine Tochter auf der Welt ist gibt es eine neue Tradition: Die ganze Familie, also jedenfalls der harte Kern der immer zusammen hält, trifft sich bei den Großeltern. Wir reden, wir lachen, wir spielen Spiele. Abends gibt es Fischsalat, Lachsröllchen auf Ruccola, Lachsforelle auf Toast. Dazu ein Glas Sekt oder Weißwein. Nach dem Essen werden Weihnachtslieder gesungen und dann dürfen die Geschenke ausgepackt werden. Danach ist Zeit selbst gebackene Plätzchen zu essen, Sekt oder Bier (oder Alkoholfreies) zu trinken, zu reden, mit den neuen Sachen zu spielen und zu quatschen, bis spät in die Nacht.

Ja, wir streiten auch. Meistens. Vor allem an Weihnachten. Und grundsätzlich über die selben Themen. Aber irgendwie ist das schon ganz ok so. Wir bräuchten diese Themen ja nur zu vermeiden, dann wären die Konfliktherde schnell beseitigt. Aber mal ehrlich, wenn es da nur Liebe und Friede, Freude, Eierkuchen gäbe, dann wäre Weihnachten doch irgendwie langweilig.😉

Ein kleines Geschenk für euch

Tja, und nun. Wie läuft das an Weihnachten bei euch ab? Verratet mir doch einmal eure Weihnachtstraditionen, eure Gedanken zu Weihnachten oder erzählt mir von eurem schönsten Weihnachtsfest und gewinnt mit etwas Glück ein zauberhafte Geschichte aus der Feder einer talentierten Jungautorin. „Mondscheinküsse halten länger“ von Carolin Wahl. Schreibt mir einfach bis 26.12.2013  einen Kommentar unter diesen Beitrag. Den Gewinner lose ich unter allen Einsendungen aus. Es gibt diesmal auch Überraschungsbuch-Trostpreise.😉

Carolin Wahl - Mondscheinküsse halten länger

Carolin Wahl – Mondscheinküsse halten länger

Und morgen öffnet sich das 22. Türchen in der Weltenschmiede. Viel Spaß!

Teilnahmebedingungen: Wie immer darf jeder mitmachen, der mir eine Anschrift in Deutschland nennen kann.🙂 Da es sich hier um ein Jugendbuch handelt sind diesmal auch minderjährige Teilnehmer erlaubt.