… mein Abend mit Stephen King.  

Stephen King , der Meister des Horrors, und ich

Stephen King , der Meister des Horrors, und ich

Viele von euch werden es ja nun mittlerweile mitbekommen haben: Ich durfte tatsächlich und wahrhaftig, den einen und einzigen Stephen King treffen. Nicht nur aus der Ferne bewundern, wie das bei Lesungen großer Stars der Literaturszene so üblich ist, sondern ihm auf Augenhöhe begegnen, ihm die Hand schütteln und ihn erleben.

Seit Wochen habe ich mich auf den 19.11. 2013 gefreut: Stephen King kommt erstmals (ok, so ganz stimmt das nicht, er war ja tags zuvor schon in Ramstein) nach Deutschland, um hier zu lesen und dann auch noch nach München. Ganz klar, dass ich bei diesem Event dabei sein musste. Zusammen mit vielen anderen King Fans habe ich mich auf die Karten zur Lesung gestürzt und einfach nur dem Abend entgegen gefiebert. Und dann passierte das, was eigentlich nicht passieren kann: Der Heyne Verlag verloste Karten für ein Meet & Greet mit dem Meister des Horrors und ich gewann eine der Karten. Ganz ehrlich, so ganz begriffen habe ich das immer noch nicht, selbst jetzt – fast 24 Stunden später – stehe ich noch ziemlich neben mir. Man kann sich vorstellen, dass das Warten auf den ersehnen Tag mit jeder Minute länger wurde.

Aber endlich, endlich war er soweit. Ich würde nicht behaupten, dass ich an diesem Tag nervös gewesen bin. „Nervös“ beschrieb meinen Zustand noch nicht mal im Ansatz – überdreht, mit den Nerven am Ende und völlig gaga. Das trifft es schon eher. Manch einer mag das das jetzt überzogen nennen, aber es ist wie es ist. Ich habe den ganzen Tag regelrecht gezittert, kaum ein Handgriff hat gesessen und wenn ich für jedes Ding, dass ich auf den Boden fallen lassen habe ein bisschen Geld bekommen hätte, dann könnte ich wahrscheinlich vier Wochen unbezahlten Urlaub nehmen.😉

Da ich in der Nacht von Montag auf Dienstag ständig geträumt habe, dass ich zu spät zur Lesung komme, bin ich am Dienstag dann natürlich besonders früh los gefahren, so dass ich am Ende fast eine Stunde zu früh da war. Die Fahrt in der Tram erspare ich euch jetzt: Nur so viel: die Leute um mich herum sind wohl ein bisschen wahnsinnig geworden, weil ich einfach keine Sekunde still sitzen konnte.

Das Meet & Greet

Stephen King signiert mein Buch <3

Stephen King signiert mein Buch❤

Kurz vor 19 Uhr betrat ich – zusammen mit einigen anderen glücklichen Gewinnern – den Circus Krone durch den VIP Eingang. Dort wurde natürlich streng kontrolliert, Gästelistenabgleich inkl. Ausweiskontrolle. Im Foyer des Zirkusgebäudes bekamen wir dann unsere Ehrengast- Karten mit Zugangsberechtigung zu den vordersten Manegeplätzen und ein Namensschild, dass uns als Ehrengäste auswies. Allein das ist schon echt ein geniales Gefühl. Anschließend wurden wir von einer Mitarbeiterin des Heyne Verlags in den Backstage Bereich geführt. Dort wurden wir mit Getränken, leckeren Schnittchen (von denen ich leider vor Aufregung keines herunter gebracht habe, aber sie sahen echt gut aus) und einem Exemplar von „Doctor Sleep“ begrüßt.

Gemeinsam mit vielen anderen Menschen warteten wir Meet & Greet Teilnehmer an Stehtischen verteilt auf Stephen King. Zu meiner großen Freude (als wäre ein M & G mit dem König nicht genug) habe ich dort auch noch Wulf Dorn und Oliver Pötzsch getroffen und natürlich die Wartezeit für nette Gespräche mit vielen der Anwesenden genützt. Gespannte Erwartung lag in der Luft, immer wieder wanderten die Blicke der Gäste zu der Tür, durch die der Autor kommen sollte.

Dann endlich war es soweit: Stephen King betrat den Raum, leger im ausgebleichten T-shirt und Schlabberjeans. Auf unseren Begrüßungsapplaus reagierte er prompt mit einem kleinen Scherz und dann reichte er tatsächlich jedem Anwesenden zur Begrüßung die Hand. Es war richtig genial zu sehen, wie eine Welle glücklich grinsender Gesichter seinen Weg durch die Anwesenden begleitete. Und es war irgendwie allen Teilnehmern unmöglich das glückselige Lächeln aus dem Gesicht zu bekommen. Man hatte das Gefühl, dass jeder im Raum urplötzlich 10, 20 oder 30 Jahre jünger geworden ist – je nachdem wann man Stephen King verfallen ist. Ich jedenfalls fühlte mich wie ein kleines Mädchen dem jegliche Sprachfähigkeit abhanden gekommen ist. Wer mich kennt weiß, dass ich nicht auf den Mund gefallen bin, aber in diesen ersten Sekunden war es mir nicht möglich irgendetwas sinnvolles von mir zu geben. Das nette, fast väterliche Lächeln des Meisters nahm mir dann aber doch die Scheu und ich schaffte es immerhin ein „Pleasure to meet you“ zu stammeln. Klasse Vero – gleich so eloquent!

Bild 6

Denis Scheck im Gespräch mit Stephen King

Nach dieser großzügigen Begrüßungsrunde durften wir unsere Bücher signieren lassen – pro Person ein Buch. Nun, diejenigen unter euch, die wissen wie ich an meine Karte gekommen bin, die wissen auch, dass die liebe Jenny dafür leider von der Veranstaltung ausgeschlossen worden ist. Da wir nun – nach Aussage des Verlags – jeder nur ein Buch signieren lassen durften, habe ich beschlossen auf mein Exemplar zu verzichten und statt dessen für Jenny eine Signatur zu holen. Quasi als kleiner Trost für die herbe Enttäuschung. Zu diesem Zeitpunkt habe ich, Gott sei Dank, meine Sprachfähigkeit wieder gefunden und Stephen King erklärt für wen er das Buch signieren soll. Und scheinbar hat ihm meine Aktion gefallen: er hat nicht nur für Jenny eine ganz besondere Widmung ins Buch geschrieben, sondern auch ohne zu zögern mein eigenes Exemplar signiert! Und sich dann auch noch die Zeit genommen für Fotos zu posieren. Ja, er hatte schon recht: I am a lucky bastard! Spätestens ab diesem Moment schwebte ich in völlig anderen Sphären, weswegen auch meine Aufmerksamkeit bei der Lesung später ein bisschen gelitten hat.

Aber wie soll ich euch, die ihr ihn nicht erleben konntet – weder persönlich, noch auf der Bühne – diesen Mann, diesen Stephen King, diesen Menschen nun beschreiben? Er ist von durchschnittlicher Größe, trägt ausgewaschene Kleidung, das graue Haar ist leicht zersaust, seine Haltung gebeugt. Die Gesichtszüge entgleisen ihm manchmal, er besitzt wenig Mimik, er hinkt beim gehen und ist alles andere als schön. Er ist kein Mensch, den man eines zweiten Blickes würdigen würde, wenn er nicht Stephen King wäre. Das ist das, was man sieht, was auf den Fotos zu erkennen ist. In wie weit seine Haltung, die fehlende Mimik etc. nun dem schweren Unfall oder dem Alkoholmissbrauch zuzuschreiben sind, das wage ich nicht zu beurteilen. Es trägt sicherlich beides in hohem Maße zu seiner Erscheinung bei.

Aber dann ist da auch noch diese andere Seite, das was man nicht sehen, aber sehr wohl fühlen kann. Diese unglaubliche Kraft und Stärke die von ihm aus geht, die Art wie er mit einem spricht, die Art, mit der er seinen Fans zuhört, seine Schlagfertigkeit, der Witz, diese wirklich unerwartete Herzlichkeit, mit der er auf einen zugeht. Dieses WOW Gefühl und vor allem seine Normalität. Keine Starallüren, nichts.

Nein, Stephen King ist nicht schön, er ist unglaublich schön auf seine ganz ureigene Art, von der ich nicht geglaubt hätte sie je entdecken zu dürfen. Ich bin restlos begeistert und ich glaube meine Rezension zu Doctor Sleep wird eine sehr, sehr persönliche Sache. Beeindruckt hat mich auch seine Stärke im Bezug auf den Umgang mit seiner Krankheit – er spricht ganz offen über seine Abhängigkeit, über die Wege aus der Sucht (Doctor Sleep ist wohl seine Art diesen Weg zu verarbeiten) und ich bewundere ihn dafür, dass er die Stärke besessen hat, um Hilfe zu bitten, bevor es zu spät war. Ich bewundere ihn auch für seine Stärke zu diesen Fehlern zu stehen, sie nicht zu verharmlosen oder schönzureden und gleichzeitig niemanden zu belehren.

Die Lesung

Zur Lesung selbst möchte ich diesmal nur ein paar wenige Worte verlieren. Zum einen, weil an allen Ecken und Enden schon darüber berichtet wird, zum anderen weil es die ganze Sache auch Online zu sehen bzw. zu hören gibt. (z.B. Hier und Hier und Hier)

Der großartige David Nathan interpretiert eine Szene aus Doctor Sleep

Der großartige David Nathan interpretiert eine Szene aus Doctor Sleep

Erwähnenmuss ich aber natürlich Denis Scheck, der diesen Abend – bis auf einen kleinen Aussetzer – wirklich sehr souverän moderiert hat. Eine tolle Leistung ist vor allem die Übersetzung von Stephen Kings Antworten im Laufe des Interviews. Zum anderen ist da David Nathan, dessen Lesung einfach – gewohnt – großartig vorgetragen war. Wer nicht weiß, wer dieser geniale Sprecher ist, der möge sich doch einfach mal Doctor Sleep als Hörbuch zulegen. Gänsehaut garantiert. Stephen King jedenfalls hat es sichtlich genossen.

Und last but not least: Stephen King selbst. Schlagfertig, witzig, authentisch präsentierte sich der eigentlich publikumsscheue Bestsellerautor vor dem Münchner Publikum. Etwa 2500 Menschen lachten mit ihm, hingen an seinen Lippen und konnten kaum genug kriegen, von diesem charismatischen Mann. Vor allem seine Ehrlichkeit wirkte erfrischend, auch wenn er behauptete, dass man einem Autor nie glauben dürfe, was er sagt, weil er Lügen würde, sobald er den Mund aufmacht. Außerdem lobte er den Circus Krone als „schönsten Ort an dem er je gewesen ist“. „This is the god damn most beautiful place I’ve been“. Und obwohl man ihm ja eine gewisse Abneigung für moderne Techniken nachsagt, las er vom Ipad, das natürlich auch prompt nicht tat, was es sollte. Sein „Fucking Ipad“ mitten in einer beklemmenden Sterbeszene sorge für ungewollte Lacher. Wusstest ihr übrigens, dass Walt Disney die grusligsten Filme macht – da können Horrorgrößen wie Freddy Krüger und Co einpacken.

Am Ende gab es dann Standig Ovations für den King of Horror und man hatte das Gefühl, dass ihm die Tränen kamen ob so viel Emotionen, Freude und Begeisterung für seine Person. Er hat hier eindrucksvoll bewiesen, dass er den Rummel um seine Person wirklich nicht begreifen kann und genau das macht ihn nochmal so sympathisch.

An Deutschland faszinieren ihn übrigens Deutsches Essen, Schlösser und Autobahnen und da hatte Denis Scheck wohl recht, als er meinte, dass Stephen King da in Bayern im richtigen Bundesland angekommen ist. In diesem Sinne bleibt mir nur noch zu sagen: Kommen Sie bald wieder Mr. King! Und nur keine Scheu, weil Sie unsere Sprache nicht sprechen. Man versteht Ihr Amerikanisch ausgezeichnet!

Stephen King lauscht David Nathan.

Stephen King lauscht David Nathan.

Was bleibt mir jetzt noch zu sagen, außer danke? Ich werde diesen Tag sicher nie vergessen. Es macht die Welt nicht besser, es löst auch keine Probleme, aber mich persönlich hat das alles tief berührt. Danke Welt, dass ich das erleben durfte. Und wenn ich mal wieder zweifeln sollte, an meinem Leben, dann erinnert mich bitte an diesen Tag! Ich danke auch Stephen King dafür, dass er sich auf den weiten Weg nach Deutschland gemacht hat. Ich danke dem Team vom Krimifestival – Sabine und Andi, ihr seid großartig! – und dem Heyne Verlag für die Organisation. Und ich danke meiner persönlichen Glücksfee für dieses Erlebnis.

Fazit des Tages: Wenn ich gestern in den kleinen Laden „Needful Things“ gestolpert wäre, ich hätte nichts gefunden, was sich zu kaufen gelohnt hätte …  Das Dauergrinsen ist immer noch im Gesicht und während ich diese Zeilen getippt habe, konnte ich den gestrigen Abend endlich ein bisschen verarbeiten und begreifbar machen.

und für mich

und für mich

Signatur für Jenny

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