Hallo ihr Lieben,

Heute ist wieder einer der Tage, an denen ich vor meiner Rezension ein paar Worte an euch Leser richten möchte.  Vor kurzem hat es mir eine meiner Festplatten zerlegt und im Zuge dessen sind leider ein paar Rezensionen verloren gegangen. Fleißig wie ich bin, habe ich natürlich sofort (jedenfalls relativ zeitnah) angefangen die Rezensionen zu rekonstruieren. Schließlich hatte ich ja das Meiste noch im Kopf. Wie es der Zufall will, war ich ZU engagiert und habe nun eine Rezension doppelt. Erst habe ich überlegt, dass ich mir die „bessere“ aussuche und veröffentliche und die andere einfach im Papierkorb verschwinden lasse, oder beide Versionen zu einer zusammenschustere. Dann aber ist mir gerade aufgefallen, dass es doch eigentlich sehr spannend ist,  zu sehen, wie sich so eine Rezension verändert, wenn man sie zwei mal schreibt – einmal direkt nach der Lektüre des Buches und einmal ein paar Wochen später, nach dem Lesen diverser anderer Geschichten. Ich  habe mich also entschlossen ein kleines Experiment zu starten und hoffe, dass ihr mich dabei unterstützt.  Ich poste euch hier, in einem Beitrag, beide Besprechungen zum Buch und ihr dürft mir bitte a) sagen, welche für euch hilfreicher war und evtl. auch warum und b) einen Tipp abgeben, welche Rezension das Original ist, und welche die Fälschung. Na dann, Ring frei im Rezensionbattle – Vero gegen sich selbst😉

Rezension 1:

Inhalt

Peter Grant, frisch gebackener Constable, sieht sich schon sein Dasein im Polizeidienst am Schreibtisch fristen, als er zufällig an einem Tatort einen außergewöhnlichen Zeugen trifft: einen Geist. Doch damit nicht genug. Plötzlich wird ihm ein Posten in einer geheimen Sonderabteilung der MET angeboten, er soll Zauberlehrling werden und sich mit Vampiren und anderen merkwürdigen Erscheinungen herumschlagen. Plötzlich gerät sein, sonst so geordnetes, Leben gehörig ins Wanken und er befindet sich unversehens auf der Jagd nach einem gefährlichen Wiedergänger, muss einen Streit zwischen Gottheiten schlichten und nebenbei alles über Magie lernen. Und außerdem ist da ja auch noch der Papierkram …

Kritik

In einigen Kritiken wurden Vergleiche zwischen der Reihe um Peter Grant und Harry Potter sowie Special Agent Pendergast gezogen. Und ich muss zugeben: So ganz abwegig ist das nicht. Peter Grant erinnert wirklich an eine ältere Ausgabe von HP, die leider nicht das Glück hatte Gleis 9 ¾ zu finden und in Hogwarts zu studieren. Und sein Chef und Meister – Nightingale – hat einige Charakterzüge von AXL Pendergast. Jedenfalls im Prinzip.
Aber natürlich gibt es auch sehr deutliche Unterschiede: Zum einen die Tastache, dass es sich hierbei weder um ein Jugendbuch, noch um einen MysteryThriller handelt und zum anderen ist auch die Magie und deren Erscheinungsform eine völlig andere. Sie ist wesentlich komplexer.

Und hier kommen wir auch schon zu meinem größten Kritikpunkt. Es war teilweise unglaublich schwer die Magie und ihren Wirkungskreis einzuschätzen. Es gibt keinen Zauberstab und auch keine klassischen Zaubersprüche, statt dessen recht komplizierte Verzweigungen und Verkettungen. Einerseits hatte man das Gefühl, dass mit Magie alles möglich wäre und andererseits schien es so, als hätte Magie fast gar keine Kraft, sofern sie nicht von den bösen Mächten eingesetzt wird.

Der Zweite Punkt, der mir hin und wieder den Spaß am Lesen genommen hat, war, dass man sich nur sehr schwer orientieren konnte – zu viele Straßennamen, zu wenig wirkliche Orientierungspunkte, die man auch als Nicht-Londoner geografisch im Kopf hätte. Hier hätte eine kleine, stilisierte Karte auf der ersten oder letzten Seite nicht geschadet. Manchmal hab ich einfach nur den Kopf geschüttelt, die Beschreibung der diversen Straßen und Abzweigungen überflogen und hinterher orientierungslos einfach weiter gelesen und gehofft, dass es keine große Rolle spielt wo man gerade ist. Tut es Gott sei dank auch nicht und vielleicht liegt es nur an meinem mangelnden räumlichen Vorstellungsvermögen, dass ich mir vorkam wie ein Blinder in einem Labyrinth.

Trotzdem hat mich dieses Buch sehr gut unterhalten. Der typische englische, rabenschwarze Humor der hier zum Tragen kommt ist genau mein Ding. Ich habe teilweise Tränen gelacht. der trockene Stil, Peters leicht tölpelhafte Art, sind einfach zum niederknien.

Fazit

„Die Flüsse von London“ ist ein gelungener Auftakt einer mystischen Krimireihe, um einen Constable und Zauberlehrling. Auch, wenn ich mit der Einordnung der Magie und vor allem mit der räumlichen Vorstellung Londons so meine Probleme hatte, hat mich die Geschichte gepackt. Die Figuren sind herrlich skurril und der trockene Humor trifft genau meinen Nerv. Ich habe mich köstlich amüsiert und war froh, dass ich direkt mit Band 2 weiter machen konnte, nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte.

4/5 Sternen 

Rezension 2

Inhalt

Peter Grant, frisch gebackener Constable des Londoner MET, sieht sich schon sein Dasein als Schreibtisch-Bulle in der CPU fristen, als er aus versehen über einen Geist stolpert. Ein Geist, der zufällig auch noch der einzige Zeuge eines grausamen Verbrechens ist. Peters ungeahnte Fähigkeit macht schneller die Runde als ihm lieb ist und er findet sich ebenso plötzlich wie unerwartet als Angehöriger einer Spezialeinheit wieder. Seine bis dato – fast – heile Welt steht Kopf und zu allem Überfluss muss er neben seiner Tätigkeit als Polizist auch noch Zaubern lernen, den Frieden zwischen Vater und Mutter Themse wiederherstellen und einen gemeingefährlichen Verbrecher fangen, der alles andere als normal ist.

Kritik

Irgendwo habe ich gehört, bzw. gelesen, dass die Reihe um Peter Grant irgendwie eine Mischung aus Harry Potter und Special Agent Pendergast sein soll. Und so ganz falsch ist der Vergleich nicht. Bereits nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl einen Erwachsenen Harry zu treffen, der leider nicht das Glück hatte nach Hogwarts berufen worden zu sein. Peter ist ähnlich unsicher, teilweise ein bisschen tollpatschig, verdammt verträumt und viel zu leicht ablenkbar, vor allem vom weiblichen Geschlecht. Peters Meister und Vorgesetzter, Thomas Nightingale, hingegen hat durchaus ein paar Charakterzüge des ehrwürdigen AXL Pendergast – allen voran mangelnden Respekt vor Regeln und Gesetzen sowie die Eigenheit in seiner ganz eigenen Welt zu leben, die man erst Stück für Stück erahnen kann.

Aber natürlich ist „Die Flüsse von London“ alles andere als ein Abklatsch dieser beiden weltberühmten Buchserien. Das fängt schon damit an, dass es sich hier nicht um ein Jugendbuch handelt, in dem die Ausübung und das Erlernen der Magie den größten Stellenwert einnimmt. Die Ermittlungsarbeit steht klar im Vordergrund – wenn auch mit recht eigenwilligen Methoden. Der Fall an sich ist lang nicht so komplex und verschachtelt wie ein typischer Pendergast-Fall und außerdem ist die Sprache des Autors deutlich hochwertiger, als der trashige Kult von Douglas Preston und Lincoln Child. (Nicht falsch verstehen, ich liebe diese Serie – aber wenn man ganz ehrlich ist, dann sind die Bücher einfach Mist, in jeder Hinsicht).

Zudem ist die magische Welt deutlich komplexer und zwar stellenweise so Komplex, dass man als Leser kaum mitkommt. Das ist auch einer der wenigen Kritikpunkte die ich habe. Man kann kaum einschätzen welchen Stellenwert die Magie im Leben eigentlich einnimmt, was sie denn überhaupt alles kann und wie sie sich denn eigentlich auswirkt. Für mich war es sehr enttäuschend, dass die Magie im Buch eigentlich schon fast einen eher geringen Stellenwert einnimmt, während die göttlichen oder gottähnlichen Wesen eindeutig dominieren. Und hier kommen wir gleich zum zweiten Problem: Es ist teilweise nicht ganz einfach die Struktur der Flüsse zu durchschauen, geschweige denn sich bei den Beschreibungen der Stadt und des Umlands zurecht zu finden. Hier hätte eine kleine, stilisierte Karte von London und Umgebung, in der zumindest die wichtigsten Orte und Flüsse bzw. Quellen eingezeichnet sind, wahre Wunder bewirkt, was das Verständnis für die Zusammenhänge betrifft. Und das, obwohl die Beschreibung Londons, der Häuser und Straßen, der Personen und Geschehnisse sehr bildlich ist und beim Lesen fast ein (Zeichentrick-) Film vor dem geistigen Auge vorbeizieht. Die räumliche Einordnung fiel, bei aller Präzision, schwer.

Wirklich völlig auf meiner Wellenlänge, lag der Autor aber im Bezug auf seinen trockenen Humor, den teilweise beißenden Sarkasmus und die triefende Ironie. Ich liebe solche Bücher, wenn sie gut geschrieben sind und das ist hier definitiv der Fall. Trotz einiger Stellen an denen wenig passiert und Peter hauptsächlich nachdenkt, Theorien spinnt oder eindrucksvolle Beschreibungen über misslungene Bauvorhaben in der Londoner Innenstadt liefert, war mir beim Lesen keine Sekunde langweilig und ich habe die Geschichte um Peter, Lesley und Nightingale geradezu verschlungen.

Fazit

Obwohl ich manchmal meine Schwierigkeiten hatte den Stellenwert der Magie einzuschätzen, oder die Orte und Flüsse räumlich einzuordnen, hat mich der Roman sehr gut unterhalten. Der trockene Humor des Autors ist wunderbar kompatibel mit meinem Verständnis von Witz, die Figuren sind zwar wenig authentisch, dafür aber sehr liebenswert gezeichnet und man kann herrlich mit Peter Grant mitfiebern, auf seiner Jagd nach dem Ursprung des Übels. „Die Flüsse von London“ ist hervorragende Unterhaltung für zwischendurch und der Beginn der Reihe macht definitiv Lust auf mehr.

4/5 Sternen  

Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London
erschienen, 2012 im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv)
478 Seiten
9,95€ (Taschenbuch)
ISBN 978-3-423-21341-7