Inhalt:

Die Antiquitätenhändlerin Lilly erhält eines Tages ein merkwürdiges Geschenk: ein alter Mann überreicht ihr kommentarlos eine alt, wunderschöne Geige auf der eine Rose eingebrannt ist. Von dem Instrument fasziniert versucht Lilly das Geheimnis der Violine zu lüften. Sie reist zu ihrer ältesten und besten Freundin nach England und kommt – Stück für Stück – der Geschichte der  brillanten Geigerin Rose Galloway auf die Spur. Es beginnt eine Suche nach der Wahrheit, die Lillys eigenes Leben für immer verändern wird.

Kritik:

„Der Mondscheingarten“ ist ein wirklich schöner, kurzweiliger Roman aus der Feder von Corina Bomann, einer meiner Lieblingsautorinnen, seit mir vor einiger Zeit  „Clockwork Spiders“ in die Hände gefallen ist.  Mit ihrem Roman „Die Schmetterlingsinsel“ konnte sie mich restlos begeistern und so waren meine Erwartungen an das Folgebuch recht hoch. Eigentlich hätte ich hier auch das Hörbuch rezensieren sollen, allerdings kann ich mit der Stimme der Sprecherin nicht wirklich etwas anfangen. Ihre Interpretation des Buches und der Personen  hat  mir überhaupt keine Lust gemacht weiterzuhören, daher habe ich mich entschlossen den Roman lieber zu lesen. Für mich als bekennender Hörbuchfan eine schwere, aber gute Entscheidung.

Obwohl ich das Buch schon vor Monaten, zur Zeit einer relativ unüberwindbaren Leseflaute gelesen habe, war ich schnell in der Story eingetaucht und habe an Lillys Seite versucht das Geheimnis um die Rosen-Geige zu lüften.  Anfangs fesselten mich gerade die Szene im Heute, während ich den Teil der Geschichte, der sich mit dem Leben und Wirken der Rose Galloway beschäftigte, eher als Unterbrechung empfand. Das änderte sich aber im Laufe der Geschichte – irgendwann wirkte der Handlungsstrang in der Gegenwart merkwürdig platt, während ich den Geschichten aus der Vergangenheit entgegenfieberte und unbedingt wissen wollte, wie es weiter ging, wie die einzelnen Elemente der Erzählung zusammenhingen und was genau nun das Geheimnis der Geige ausmachte.  Das lag vor allem daran, dass die Figur der Rose immer lebendiger, bildlicher und dreidimensionaler wurde, wohingegen die anfangs wunderschön gezeichnete Lilly immer mehr verblasste und für den Fortgang der Geschichte eigentlich kaum noch nötig gewesen wäre.  Die obligatorische Liebesgeschichte hat aber zumindest noch für ein bisschen Pep und Kribbeln gesorgt und mich letztlich wieder mit Lillys Geschichte versöhnt.  Das Ende hingegen hat mich dann irgendwie richtiggehend enttäuscht. Da wurde – in meinen Augen – viel zu dick aufgetragen und diese übermäßig konstruierten Zusammenhänge waren für mich völlig unnötig. Da wäre weniger viel, viel mehr gewesen und das ist wirklich sehr schade um eine ansonsten schöne Story.

Trotz dieser Kritik habe ich das Buch sehr gern gelesen, was vor allem daran liegt, dass ich den Schreibstil der Autorin sehr angenehm finde. Ihre Bücher lassen sich locker leicht lesen, man muss keine Sätze doppelt und dreifach überfliegen, um sie zu entschachteln und die bildlichen Beschreibungen tragen dazu bei, dass man die  Buchwelt als sehr lebhaftes Kopfkino vor Augen hat. Im großen und ganzen sind die Figuren liebenswert sympathisch und die Tatsache, dass Lillys Part im Laufe der Handlung abnimmt stört nicht so sehr, da zum Ausgleich ja der zweite Handlungsbogen immer größeren Raum einnimmt und den Leser bei der Stange hält.

Fazit:

„Der Mondscheingarten“ ist eine, in weiten Teilen, wirklich zauberhafte und spannende Geschichte über das Geheimnis einer ungewöhnlichen Violine. Leider konnte mich das Buch nicht auf die selbe Weise berühren wie der Vorgänger „Die Schmetterlingsinsel“ , die Figuren und ihre Geschichten haben mich nicht auf die selbe Weise erreicht und wirkten zum Teil zu platt und unbelebt. Vor allem das Ende war für meine Begriffe einfach zu kitschig und zu konstruiert. Da wäre weniger mehr gewesen. Trotzdem ist „Der Mondscheingarten“ eine schöne, gefühlvolle Unterhaltung und eine Geschichte in der man sich beim Lesen ganz leicht verlieren kann, auch wenn die ganz großen Emotionen fehlen.

4/5 Sternen

Corina Bomann – Der Mondscheingarten
erschienen, 2013 im Ullstein Verlag
528 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)
ISBN 978-3548285269