Inhalt:

Liv und Mia Silber haben einen großen Traum: Sie wünschen sich ein richtiges Zuhause. Ihre getrennt lebenden Eltern machen ihnen aber seit Jahren einen Strich durch die Rechnung, denn deren Berufe erforden, dass sie oft umziehen. In London soll aber nun alles anders werden. Die Mutter hat endlich ihre Professur in Oxford und sogar ein richtiges Haus gemietet. Voller Vorfreude erreichen die beiden Mädchen England aber dort kommt dann doch wieder alles ein bisschen anders als geplant. Liv und Mia bekommen nicht nur eine neue Heimat, sondern auch gleich eine neue Familie dazu. Und zu allem Überfluss scheint der Stiefbruder in merkwürdige Machenschaften verwickelt zu sein. Seine Versuche Liv von allem fernzuhalten, wecken aber erst Recht ihre Neugier und ehe sie sich versieht, wird sie in einen Strudel aus Ereignissen gezogen. Als sie die Wahrheit erkennt, ist es noch lange nicht vorbei …

Kritik:

Vorweg: Ja, „Silber – das erste Buch der Träume“ ist ein Jugendbuch. Wer hier einen All-Age Schmöker oder gar Fantasy für Erwachsene erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Das erste Indiz sind natürlich die jugendlichen Protagonisten, aber spätestens beim leichten, flapsigen Schreibstil sollte es dem Leser dämmern. Trotzdem, oder gerade wegen der lockeren Art und dem trockenen Humor, nimmt einen dieses Buch von der ersten Seite gefangen und saugt einen Tief in die erstaunliche Welt der Träume und das Leben der Olivia „Liv“ Silber.
Sie ist ein sympathisches, witziges Mädchen, das einem sofort ans Herz wächst. Und ihre kleine Schwester Mia ist weit davon entfernt ein lästiges Anhängsel zu sein, wie man es sonst oft in dieser Art Roman vorfindet. Nur die etwas exzentrische Mutter ist für meine Begriffe manchmal einen Tick zu übertrieben dargestellt – nicht übertrieben streng oder nervig, wie man das in einem Buch für junge Leser erwarten dürfte, sondern eher das genaue Gegenteil. Eher zu freizügig, zu offen, zu sorglos für einen Erziehungsberechtigten in der heutigen Zeit. Das mindert aber den Spaß am Lesen in keiner Weise, denn die Gefühle und Intentionen der Protagonisten werden so lebendig erzählt, dass man sich bald als Teil der Geschichte fühlt. Dazu tragen auch die überzeugenden und spritzigen Dialoge bei, die gerne die Lachmuskeln strapazieren. Sogar die klischeehafte High-School Queen, die unsere Protagonistin in den Wahnsinn treiben will, wirkt hier einfach wie ein kleiner, notwendiger Gag zwischendurch. Ohne die Figur würde etwas fehlen.

Innerhalb weniger Stunden haben ich das Buch regelrecht gefressen, weil ich es kaum aus der Hand legen konnte und jede freie Minute genutzt hatte, um ein paar Seiten zu lesen und um zu erfahren wie es weiter geht. Lediglich das Ende war fast ein wenig enttäuschend, weil es mir einen Tick zu schnell ging – man war gerade noch mitten im Geschehen und schon war das Buch vorbei. Da hätten ein paar Seiten mehr nicht geschadet, z.B. bei der Beschreibung des Balles (das verrät nun nicht zuviel denke ich).

Alles in allem ist die Geschichte aber innovativ erzählt und macht wirklich Lust auf mehr. Man möchte gerne wissen wie es mit Liv und ihren Freunden weiter geht, wie sie mit ihrer Aufgabe zurecht kommen und wie sie ihre Alltagsprobleme bewältigen werden. Denn, nicht nur die Träume, auch das reale Leben der Protagonisten und ihre kleinen und großen Probleme des Älterwerdens spielen eine zentrale Rolle in diesem Roman. Gerade die Verknüpfung der Elemente ist Kerstin Gier in meinen Augen sehr gut gelungen.

Fast vergessen: Witzige Unterbrechungen der Story findet man im  Tittle-Tattle Blog, einer Art Regenbogenpresse über die Frognal Academy, wo in regelmäßigen Abständen Gerüchte und Klatsch über die Schüler verbreitet werden und die Suche nach dem geheimnisvollen Autor des Blogs. Ich bin gespannt ob Mia am Ende das Geheimnis um Secrecy lüften kann. Ich bin jedenfalls schon fleißig am rätseln.

Fazit:

„Silber – das erste Buch der Träume“ ist ein erstklassiges Jugendbuch – mit der richtigen Mischung aus Romantik, Abenteuer, Problemen mit den Eltern und den Herausforderungen des Älterwerdens. Neben einer spannenden Handlung überzeugt der Roman durch authentische, liebenswerte Figuren und viel Witz. Kerstin Gier erzählt hier sehr charmant die Geschichte einer Heranwachsenden, deren reale Welt mit dem übernatürlich kollidiert. Von mir gibt es eine fast uneingeschränkte Leseempfehlung – hier kann man als Buchliebhabher gar nichts falsch machen, sofern man bereit ist sich auf ein Jugendbuch einzulassen und keine hohe Literatur erwartet.

5/5 Sternen

Kerstin Gier: Silber – Das erste Buch der Träume
erschienen, 2013 im Fischer Verlag
408 Seiten
18,99 € Hardcover
ISBN: 978-3-8414-2105-0

Mit bestem Dank an „Blogg dein Buch“ und den Fischer FJB für das Rezensionsexemplar. Und sorry, dass die Rezi diesmal wirklich viel zu lange gebraucht hat. Kaufen könnte ihr das Buch z.B. HIER