Inhalt

Da es sich hier um den dritten und letzten Teil einer Trilogie handelt verzichte ich darauf den Inhalt zusammenzufassen. Grob gesagt geht es natürlich immer noch um Méto und seine Freunde aus dem Haus, um ihr Leben und die Gründe, die dazu führten, dass sie alle im Haus und auf der Insel gelandet waren.  Für einen kurzen Einstieg in die Thematik empfehle ich meinen Artikel über die ersten beiden Hörbücher.

https://dreigroschenpoesie.wordpress.com/2012/11/12/rezension-yves-grevet-meto-das-haus-und-die-insel-horbuch/

Kritik

Eigentlich weiß ich gar nicht mehr so genau, was ich sagen soll. Schon die ersten Beiden Teile der Reihe  (vor allem aber der Zweite) haben mich begeistert. Nicht nur die Sprecherleistung von Rainer Strecker, sondern gerade die atmosphärisch dichte Geschichte und die düstere, dystopische Grundstimmung der Romane ist genau nach meinem Geschmack.

Trotzdem setzt der Autor in „Méto – Die Welt“ nochmal einen drauf. Die geschilderte Gewalt, allen voran die psychische, ist teilweise kaum zu ertragen, der offen zur Schau gestellte Sadismus fast grenzwertig – auch für hartgesottene Leser – und die perfiden Spielchen machen einen rasend. Eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Aber nicht nur im Haus, sondern eben auch (oder vor allem?) in der Welt tun sich Abgründe auf, die man als Leser so in keiner Weise erwartet hätte. Eine Überraschung, eine unerwartete Wendung jagt die Nächste, bis man nach etwa der Hälfte langsam die Zusammenhänge begreift und die Strukturen durchschauen kann. Und dann wird es natürlich nochmal spannend, ob es zu einem Happy End kommt und man stellt sich mehr als einmal die Frage, was denn eigentlich überhaupt ein „gutes“ Ende wäre.

Es gab ein paar Punkte an denen ich mir dachte: „Wieso wurde das nicht schon früher erwähnt?“, oder die in irgend einer Form unlogisch wirkten, aber das waren eher flüchtige Momente, die dem Gesamtkonstrukt hier nicht schaden können. (Kann ja auch durchaus an der gekürzten Hörbuchfassung liegen)

Besonders erwähnenswert finde ich auch, dass „Méto“ in vielerlei Hinsicht dem gängigen Dystopie-Schema widerspricht. Es gibt nicht wirklich den einen unfehlbaren Helden und zu meiner großen Erleichterung fehlt die obligatorische handlungstragende Lovestory mit dramatischem auf und ab der Gefühle. Liebe ist schön, aber sie muss nicht in jedem Buch stecken, auch wenn es in letzter Zeit manchmal den Anschein hat, dass eine Geschichte ohne Romanze nicht funktionieren darf.

Die Charaktere selbst – allen voran natürlich Méto – erfahren im Laufe der drei Bücher eine Wandlung, entwickeln sich weiter und überzeugen so im letzten Teil durch Reife und neu gewonnene Emotionen. Wobei natürlich auch die Gegenseite hier nicht vernachlässigt wird, die Gruppe derer, die sich weigern das Gesamtbild zu sehen, die fanatisch an den gewohnten Strukturen festhalten wollen.

 „Wir alle wissen, dass der nächste Tag das sein wird, was wir aus ihm machen. Und wir alle wollen das Beste!“

Wieder einmal bin ich von Rainer Streckers Leistung sehr angetan. Seine ruhige, tiefe Stimme trägt die Geschichte und die Atmosphäre sehr gut, sorgt über die gesamte Länge der Hörbücher dafür, dass man völlig in der Geschichte versinken kann.  Die einzelnen Charaktere werden individuell dargestellt, mit hohem Wiedererkennungswert, obwohl sich ihre Interpretationen eigentlich nur um Nuancen entscheiden. Strecker verzichtet zu meiner Freude auch diesmal auf Übermodulation bzw. auf affektierte Veränderung der Stimme. Sicherlich ist es großartig, wenn ein Sprecher die Kunst der Stimmveränderung beherrscht, aber misslungene Versuche nerven, genau wie übermäßiges ins Mikro schnaufen. Beides findet man hier nicht.

Obwohl ich sonst eher kein Fan gekürzter Lesungen bin, weil man immer das Gefühl hat, dass ein wichtiger Teil der Geschichte fehlt, ist das hier nicht der Fall – eigentlich denke ich, dass alles wichtige gesagt wurde. Am Ende sind die großen Fragen geklärt, die in Band 1 und 2 aufgeworfen wurden und bis auf ein paar Kleinigkeiten – die hier aber absolut überzeugend nicht erklärt werden können – werden alle Zusammenhänge offen gelegt.

Trotzdem würde ich mir eine vollständige Lesung – so es die je geben wird – nicht entgehen lassen, sofern der selbe Sprecher dafür verpflichtet werden kann. Manche Themen werden etwas oberflächlich abgehandelt und ich denke, dass sie im Buch mehr Tiefe haben.

Fazit

Eine komplex strukturierte Handlung, außergewöhnliche Figuren und ein überzeugendes, sehr beängstigendes Setting sorgen für grandiose und faszinierende Unterhaltung. „Méto – Die Welt“ ist der krönende Abschluss einer überaus fesselnden und spannenden Dystopie. Nicht nur für Jugendliche. Gerade die gut durchdachten, beängstigend realistischen Hintergründe der Story lassen dem erwachsenen Leser die Haare zu Berge stehen und sorgen dafür, dass man nach  (und während) dem Hören nicht nur kurz über die Geschichte nachdenken muss, sondern relativ lang über die Möglichkeit des geschilderten Szenarios grübelt. Rainer Strecker wurde hier als Sprecher sehr passend gewählt, seine Stimme ist nicht nur angenehm zu hören, sondern passt auch hervorragend zum Buch.

Abschließend kann ich sagen: Hört oder lest die Geschichte. Yves Grevet hat hier ein überragendes Werk geschaffen, eine Welt, wie sie Gott sei Dank nicht existiert, die aber jederzeit Wirklichkeit werden könnte.

5/5 Sternen

Mein Dank gilt dem „Der Audioverlag„, der es mir ermöglich hat alle Teile als Testhörer zu genießen!

Yves-Grevet – Die Welt

Der Audio Verlag, März 2013
Sprecher: Rainer Strecker
4 CDs, Laufzeit ca. 300 min
16,99 €
ISBN 978-3-86231-236-8