Inhalt:

Rashen de Andiel, einst ein gefürchteter Dämon, wird nach einem Fehltritt degradiert und fristet nun ein Dasein am Ende der dämonischen Nahrungskette: als Oishine. Als der Wunschdämon Rashen eines Tages von der kessen Claire gebannt wird, und damit für fast 23 Tage an ihrer Seite bleiben muss, ahnt er nicht, dass sich sein Leben für immer verändern wird. Denn Claire hat die wichtigste Regel beim beschwören eines Dämons nicht eingehalten und Rashen sieht nun aus wie ihr toter Verlobter. Klar, dass das Probleme gibt. Aber nicht nur seine Bannerin, sondern auch ein wild-gewordener Zauberlehrling sorgt für Schwierigkeiten.

Kritk:

„Rashen“ ist ein wirklich süßes, unterhaltsames Debüt einer jungen Autorin mit viel Potential für ganz große Geschichten.

Die Charaktere sind allesamt schön gezeichnet, selbst die Nebenfiguren bleiben im Gedächtnis und erzeugen vor dem geistige Auge ein eigenes Bild. Mir persönlich erscheint Rashen aber irgendwie zu menschlich für einen bösen Ex-Dämon, während ich Claire im Gegensatz fast zu tough finde. Trotzdem muss man Rashen einfach lieben, er ist was besonderes.  Claire kann ich wahrscheinlich nur nicht ausstehen, weil ich gerne an ihrer Stelle wäre😉  Zudem sind die beiden Protagonisten relativ frei von Klischees. Ich zumindest bin bisher in der Literatur noch nicht über all zu viele gut aussehende Dämonen und strippende Studentinnen gestolpert, die dann auch noch ein gutes Team abgeben.

Der Roman ist  angenehm und eingängig geschrieben. Die Autorin beweist definitiv Talent, nicht nur sprachlich, sondern auch in der Erzähltechnik. Die Geschichte ist interessant aufgebaut, die wechselnden Perspektiven und eingestreute Rückblicke sorgen dafür, dass man als Leser ein all-umfassendes Bild bekommt ohne, dass Zuviel erzählt werden muss. Schöne gezeichnete Bilder, detailreiche Beschreibungen und wirklich, wirklich gelungene Dialoge, die zu den Charakteren passen und ein angenehm großer Wortschatz runden die sprachliche Leistung ab. Auch der leicht sarkastische Tonfall in dem eigentlich ein Großteil der Handlung erzählt wird, vor allem aber die Dialoge, passt hier wunderbar zur Geschichte.

Auch der Plot der Story überzeugt, da sich dieser Roman von den sonst üblichen Dämonen Geschichten abhebt. Endlich kein „Irgendwer will die Welt zerstören“ Ding, sondern eine völlig  strukturiere Dämonenwelt, die im Einklang mit dem menschlichen Dasein steht – jedenfalls aus Sicht der Dämonen.  Nachvollziehbare Motive und logische Zusammenhänge ergeben ein überzeugendes Ganzes.

Ein bisschen verwundert hat es mich anfangs, dass keine der Figuren im Buch ein Problem damit zu haben scheint, dass Rashen ein Dämon ist, aber im Prinzip ist das nun nicht weiter verwunderlich. Würde man mir sowas erzählen, würde ich es wahrscheinlich auch nicht glauben, denken es sei ein blöder Scherz und einfach mitspielen.

Ich habe die Geschichte wirklich gern gelesen und ungern zur Seite gelegt. Vor allem zum Ende hin wird es dann richtig spannend, obwohl man als Leser die Zusammenhänge erahnen kann bleibt eine kleine Überraschung nicht aus. Das Ende ist vielleicht einen Tick zu kitschig, aber es lässt viel Raum für eine mögliche Fortsetzung – und da kann sich alles wieder ändern.

Aber das Lektorat hat für meine Begriffe sehr nachlässig gearbeitet hat. Angefangen bei Logikfehlern, bis hin zu recht ungewöhnlichen Wortkonstruktionen  (z.B. die samtartige Stimme, relativ zu Beginn) und diversen Grammatik Fehlern, die von einem Lektor gesehen werden müssen.
Aber auch inhaltlich wäre noch was drin gewesen. So geht z.B. der mögliche Konflikt dadurch, dass Rashen das Aussehen von James, Claires ehemaligem Verlobten, angenommen hat, völlig unter. Das ist sehr Schade, da diese kleine Nebenstory sicherlich an mancher Stelle noch für ein bisschen Pepp gesorgt hätte.  Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum ich solche Dinge nicht dem Autor anlaste, bzw. nicht der Autorin allein? Ganz einfach: Weil der Autor irgendwann einfach „betriebsblind“ ist, gerade was kleinere Wortfehler betrifft, weil es sich hier um eine junge Autorin handelt, der die nötige Erfahrung (auch im Umgang mit dem Lektor) fehlt  und weil das Lektorat  auch dafür da ist, das Potential einer Geschichte – in Zusammenarbeit mit dem Autor –  zu entfalten. Und das ist hier in meinen Augen nicht unbedingt geschehen. Potential wurde eher verschenkt.

Übrigens: Sex und Erotik nehmen in der Story einen ziemlich großen Raum ein. Mir gefällt das, vor allem wenn diese Szenen, so wie hier, nicht plump oder abgedroschen, sondern sinnlich ge- und beschrieben sind. Aber keine Sorge: Das ist kein Shades of Grey Abklatsch, sondern wirklich prickelnde Erotik, statt dümmlichem und affektiertem Getue.

Fazit:

„Rashen – Einmal Hölle und zurück“ ist ein gutes, zeitweise zuckersüßes, manchmal auch bittersaueres Debüt einer vielversprechenden Jungautorin. Obwohl mir Protagonist Rashen gelegentlich zu „menschlich“, zu „nett“ erschien und ich im Gegenzug seine Zwangspartnerin Claire etwas zu tough fand, habe ich die Geschichte sehr, sehr gerne gelesen und mich köstlich amüsiert. Vor allem über die witzigen und spritzigen Dialoge.
Definitv ein unterhaltsamer und gut geschriebener Roman, wenn man von den gelegentlichen Totalausfällen des Lektorats einmal absieht. Ich habe wirklich selten eine so hingeschluderte Arbeit gesehen bzw. gelesen.

Nichts desto trotz kann ich jedem, der auf der Suche nach witziger Unterhaltung zum abschalten ist, dieses Buch empfehlen, sofern man von erotischen Szenen nicht abgeschreckt wird.

Ich würde gerne eine Fortsetzung der Geschichte lesen, denn vielleicht wird mir Claire ja doch noch irgendwann sympathisch – dann aber bitte mit einem etwas motivierten Lektor, oder ganz ohne😉

Bisher gibt es Rashen nur als E-book, aber auf allen gängigen Plattformen und für alle Reader.

Kleiner Nachtrag: Ich will hier niemanden persönlich angreifen (auch nicht den hier zuständigen Lektor), sondern einfach meinen Unmut über gängige Sparmaßnahmen äußern. Es ist ja nicht das erste Buch, bei dem mir Schlampigkeiten auffallen. Und dabei rede ich nicht vom – mittlerweile – Standard, dass Namen vertauscht werden, Wörter doppelt stehen oder fehlen. Und für mich als Leser ist die Entwicklung ärgerlich! Ich würde mir qualitativ hochwertige Arbeit wünschen, statt Masse! Klar, ich weiß, dass nicht immer alles so leicht ist, dass vieles einfach eine Kosten-Nutzen Rechnung ist, aber manchmal muss man seinem Ärger einfach Luft machen!

4/5 Sternen

Michaela B. Wahl – Rashen: Einmal Hölle und zurück
erschienen, 2013 im Droemer-Knaur Verlag
300 Seiten
4,99 € (bisher nur als E-book)
ISBN: 978-3-426-43069-9