Inhalt

München 1865: Ein bedeutendes, unsagbar kraftvolles magisches Manuskript wurde gestohlen. Agent Delacroix wird, gemeinsam mit den beiden bayrischen Offizieren von Orven und Görenczy ausgesandt um das wertvolle Dokument zurück zu holen. Aber nicht nur die im königlichen Auftrag agierende Gruppe ist hinter dem Schriftstück her. Auch andere Mächte – magisch und menschlich – versuchen an das Papier zu kommen und deren Ziele sind weit weniger nobel als die der Agenten.

Corrisande Jarrencourt, ein junges Mädchen aus gutem Haus das nach München gereist ist, um einen standesgemäßen, gut situierten Ehemann zu finden, gerät ungewollt zwischen die Fronten und wird in einen Kampf gezogen, der über das Wohl oder Verderben der Menschheit entscheiden kann.

Ju Honisch – Das Obsidianherz

Kritik

Was für ein Buch – spannend, gut durchdacht, fantasievoll ausgearbeitet. „Obsidianherz“ ist der Debüt Roman der Autorin und im Prinzip die „Vorgeschichte“ zu „Salzträume“. Daher würde ich allen geneigten Lesern empfehlen mit diesem Buch zu beginnen, da man sich einen Teil der Spannung nimmt, wenn man um die finale Konstellation der Figuren schon weiß. (Wie in meinem Fall)

Geschadet hat die falsche Reihenfolge aber trotzdem nicht wirklich, höchstens zu Beginn ein bisschen, da die ein oder andere Figur im Nachfolgeband natürlich schon eine gewisse Entwicklung durchgemacht hat und man sich hier erstmal an das andere Verhalten gewöhnen muss. Der Plot ist aber derart spannend und vielschichtig, dass man – trotz des Wissens um das Ende – kaum zu Atem kommt. Die einzelnen Erzählstränge, deren Zusammenhänge man am Anfang zum Teil nicht mal erahnen kann, verbinden sich zum Ende zu einer eindrucksvollen, gut durchdachten Geschichte.

Die Charaktere, die man in diesem Buch kennen lernen darf, sind vielleicht ein wenig überzeichnet, manchmal fast klischeehaft – fast ausnahmslos schöne, reiche Menschen – aber trotzdem nicht langweilig und  alles eigenständige Persönlichkeiten. Genau das macht den gewissen Reiz aus. Schließlich bewegen sich die Protagonisten ausnahmslos in der Oberschicht, auch wenn nicht alle ein Teil davon sind. Zudem ist es wirklich spannend die charakterliche Entwicklung mitzuerleben, die fast alle Figuren im Laufe der Geschichte erfahren. Gerade zu Beginn empfand ich z.B. Corrisande als unglaublich nervig, zickig und affektiert, oder Cerise als oberflächlich und gefühlskalt – wie von der Autorin wohl beabsichtigt.

Generell nehmen die Gefühle und Gedanken, also die Innensicht der Figuren, einen großen Raum in der Story ein. Das hat den sehr positiven Effekt, dass man jeden einzelnen Charakter sehr gut kennen lernt, dass man sein Handeln verstehen und nachvollziehen sowie die jeweilige emotionale Entwicklung einer Figur miterleben kann.  Entgegen der Erwartung ist das auch bei dieser Vielzahl an Figuren nicht  langweilig, sondern interessant, obwohl die Geschichte dadurch gelegentlich an Fahrt verliert. Es ist manchmal eine Art erholsame Atempause, vor dem nächsten Spektakel.

Dem lebhaften und bildreichen Schreibstil der Autorin ist es zu verdanken, dass man innerhalb weniger Seiten tief in die Geschichte eingetaucht ist und es auch kaum vermag sich daraus zu lösen. Ich weiß wirklich nicht wie Ju Honisch es schafft, aber sie schreibt so eindringlich, so lebendig, so gefühlvoll, dass ich fast das Gefühl hatte Teil der Geschichte zu sein. Es ist – trotz der 800 Seiten – so gut wie unmöglich das Buch aus der Hand zu legen. Ich liebe diesen flüssigen und eingängigen, zum Teil sehr mystischen, aber immer mit einer Prise Humor gewürzten Schreibstil einfach.

Zudem ist auch dieser Roman im Bezug auf historische Tatsachen sehr gut recherchiert. Oder hättet ihr gewusst, dass es 1865 schon so etwas wie „Sonnenbrillen“ gegeben hat?

Fazit

Ju Honisch ist eine wahre, bisher leider noch weitgehend unentdeckte Perle der urban Fantasy Literatur. Sie schreibt unwahrscheinlich gefühlvoll und eingängig, haucht ihren Charakteren individuelles Leben ein und schafft es, trotz der Fülle an agierenden Figuren, jeder einzelnen Tiefe zu verleihen. Jeder einzelne Erzählstrang ist gut ausgearbeitet und der Plot überzeugt voll und ganz. „Das Obsidianherz“ hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen und mich regelrecht an sich gefesselt. Eine spannende, gut durchdachte Story, kombiniert mit Humor und viel Gefühl. Genau das richtige also für kalte Winterabende.

Einziges Manko: Das Buch war zu kurz😉 Eine der wenigen Geschichten, die auch nach 800 Seiten nicht langweilig wird. Ju Honisch kreiert in ihren Büchern ein Universum, aus dem man einfach nicht mehr auftauchen will. Ich habe es direkt bedauert, als die letzte Seite gelesen war. Der Vorteil: Es gibt aus der Reihe noch drei weitere Bände und Teil fünf wird wahrscheinlich Ende des Jahres erscheinen.

Und ich glaube Delacroix würde ich sehr, sehr gerne mal persönlich begegnen. Oder Graf Arpad😉

5/5 Sternen

Ju Honisch – Das Obsidianherz
erschienen, 2008 im Verlag Feder&Schwert
816 Seiten
16,95 € (Taschenbuch, auch als E-book erhältlich)
ISBN: 978-3-86762-028-4