Inhalt

An einem heißen Sommertag wird eine bestialisch zugerichtete Frau am Straßenrand in Elkwood aufgegriffen. Claire Lambert hat unvorstellbares erlebt und entkommt als Einzige einem Martyrium ungeahnten Ausmaßes. Ihre Freunde sind tot. Aber deren Schatten lassen sie nicht los, ihre Geister verfolgen sie bis in ihre Träume …
Ein ehemaliger, an PTBS erkrankter Soldat findet, nach der Rückkehr aus dem Irak, heraus, dass sein Bruder unter den Opfern in Elkwood ist. Er sinnt auf Rache.
Eine Kellnerin, die von ihrem, sie misshandelnden, Freund nicht los kommt, erhält unerwarteten Besuch aus der Vergangenheit, der einzigen wirklich glücklichen Zeit in ihrem Leben. Sie muss endlich kämpfen.

Drei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, wissen, dass es nur eine Möglichkeit gibt, um ihrer eigenen Hölle zu entfliehen: Sie müssen zurück nach Elkwood …

Kealan Patrick Burke – KIN

Kritik

Dieses Buch ist unglaublich. Eine Self-publishing Perle, wie man sie nur selten findet.

Von der ersten Seite an taucht man, überwältigt von den sprachgewaltigen Bildern, die der Autor zeichnet, in die Story ein und kommt nicht mehr davon los. Fast wie in einem Film ziehen die düsteren, beängstigend Bilder vor dem geistigen Auge am Leser vorbei. Kealan Patrick Burke schreibt hier mit einer solchen Intensität, dass man die Hitze fast fühlen kann, dass die Schmerzen und das Leid von Claire fast körperlich zu spüren sind und die Angst fast greifbar wird. Das alles, ohne sich in ekelerregenden Details völlig zu verlieren. Nichts desto trotz ist diese Geschichte grausam, brutal, schonungslos, zum Teil wirklich abartig und absolut nichts für schwache Nerven. In fast jedem Schreibkurs lernt man als erstes, dass man möglichst auf (zu ungewöhnliche) Vergleiche verzichten soll, dass zu viele Adjektive Gift für eine gute Geschichte sind, aber dem möchte ich hier ausdrücklich widersprechen. Der Stil des Autors lebt geradezu von eben jenen Vergleichen und Adjektivketten.

„Again she pushed, and again she was withheld. This time the barbs pierced her skin. Troubled, she took a half-step back, the black wire thrumming like a guitar string strummed by the breeze. A single drop of her blood welled from the iron tip of a barb and hung, suspended in time, refusing the sun, before it plummeted and colored crimson a finger of grass.“(Pos. 108) 

Die Charaktere selbst, die sehr zahlreich ausfallen, wirken lebendig und „echt“, auch wenn ich sie jetzt nicht als alltäglich bezeichnen würde. Die Biographien unterscheiden sich zum Teil – bedingt durch die Geschichte – deutlich von der Norm. Trotzdem fällt es einem leicht die Handlungen und Beweggründe nachzuvollziehen.

Der wirklich interessante Aspekt des Buches ist aber nicht die physische Brutalität, sondern vor allem die psychische Gewalt, die hier sehr eindrucksvoll geschildert wird. Dadurch hebt sich das Buch von der Masse der Splatter-Literatur ab. Diese Geschichte hat wirklich Tiefgang, geht unter die Haut und stellt einen mehr als einmal vor die bange Frage: „Was wäre wenn?“.

„The third kind of silence was, when you were surrounded by people, all of them staring without seeming to breathe, none of them moving or saying a word because what they had to say was written in their eyes, and that message was not good. This was the worst kind of silence, the most dangerous kind. This was the one luke found himself faced with when he finally made it home. (Pos. 312)

Die Kapitel sind relativ kurz gehalten, die Perspektive wechselt zwischen den verschiedenen Personen und Erzählsträngen, ohne zu verwirren. Das erhöht die vorhandene Grundspannung nochmal und man kann das Buch respektive den E-book Reader kaum aus der Hand legen. Von der ersten bis zur letzten Seite ein spannungsgeladener Pageturner, den man nicht so leicht verdaut.

Bisher gibt es das Buch nur auf Englisch, aber mit normalem Internet-Schulenglisch kommt man hier eigentlich gut durch. Gelegentlich ist der Griff zum Wörterbuch nötig,  im Großen und Ganzen ist es gut und relativ leicht zu lesen, trotz der außergewöhnlich wortreichen Sprache.

Fazit

„KIN“ ist eine großartige Hardcore-Thriller-Horror-Story, eine überzeugende Geschichte, die nicht nur brutale Gewalt beschreibt, sondern vor allem durch psychologischen Tiefgang besticht. Die Charaktere erscheinen, trotz der zum Teil ungewöhnlichen Biographien, sehr wirklich, das Setting ist eindrucksvoll ge- und beschrieben. Fast wie in einem Film. Aber Vorsicht: Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven, absolut nichts für den geneigten Krimi-Leser und wer Sebastian Fitzek brutal findet, der sollte hiervon die Finger lassen. Wer dieses Buch kauft, der sollte das im vollen Bewusstsein tun, dass das hier keine kuschelige Romanze mit ein bisschen Mord und kein softer Feierabend-Thriller ist. Diese Geschichte ist harter Tobak: Kannibalismus inbegriffen – krank, abartig, grausam aber verdammt gut!

Das Englisch ist gut verständlich und auch für den ungeübten Leser, ohne all zu häufigen Griff zum Wörterbuch, zu meistern.

5/5 Sternen

Wer lieber Deutsch liest, den Autor aber trotzdem kennen lernen will dem empfehle ich: „Der Herr der Moore“. Sein Debüt ist gerade bei Voodoo Press erschienen und die Chancen stehen gut, dass auch KIN bald einen Weg auf den Deutschen Markt finden wird.
Und alle, die KIN bereits kennen dürfen sich freuen: Es wird eine Fortsetzung geben!

Übrigens: Kealan Patrick Burke gibt es auch bei Facebook: Kealan Patrick Burke Fanpage

Kealan Patrick Burke – KIN 
erschienen, 2012 als Kindle-Edition
274 Seiten (Printausgabe)
3,29 € /9,29€ (E-book/Taschenbuch)
ASIN: B006TMA9ZE
ISBN: 978-1479110490