Eine neue Lesung und eine neue Location

Clipboard02Man kennt das ja bereits von mir: Wenn in meiner Nähe Lesungen sind, dann muss ich hin und leider kann ich nicht halb so oft, wie ich gerne wollen würde. Nichts desto trotz hat es diesen Monat zwei Mal geklappt, sogar  an zwei Tagen hintereinander und den Anfang hat Zoë  Beck gemacht, die aus ihrem aktuellen und „letzten“ Thriller „Das zerbrochene Fenster“ gelesen hat. Das Buch kannte ich zwar schon, aber das macht ja nix. Moment mal, werdet ihr euch jetzt fragen: Letzter Thriller? Na, lest selbst …

Veranstaltungsort war diesmal die gemütliche, leicht chaotische aber umso heimeligere Buchhandlung „Buch&Bohne“ in der Münchner Innenstadt, direkt gegenüber der Agentur für Arbeit, fast ein bisschen versteckt zwischen den hohen Häusern. Dieser Laden ist im übrigen perfekt, wenn man einfach mal in Ruhe in Büchern schmöckern und dabei einen Kaffee trinken will, bevor man sich für eine neue Lektüre entscheidet. Die Inhaberin und ihr Gatte sind liebenswert, hilfsbereit und selbst mit Kind ist man hier gern gesehen! In der kleinen Kinderbuchecke steht extra ein Korb mit Büchern zum Anfassen für die Kleinsten! Tolle Sache!

Im Dunkel ist gut munkeln

Jetzt aber zum eigentlichen Grund des Besuchs: die Lesung. Wer Thriller liest, der kennt auch Zoë Beck und wer ihre Bücher kennt, der kann sich doch irgendwie sehr gut vorstellen, dass die Frau mit dem freundlichen Lächeln und den roten Haaren genau solche Bücher schreibt – ihre offene, humorvolle Art mach sie auf den ersten Blick sympathisch und ein bisschen was davon findet man auch in ihren Büchern wieder. Wenn auch nicht unbedingt beim Täter.

Bei der Lesung

Bei der Lesung – das Licht war eine echte Herausforderung …

Zu Beginn der ausverkauften Veranstaltung plauderte Zoë ein bisschen aus dem Nähkästchen, über Menülesungen, falsches Essen und nicht funktionierende Technik. Für einen Allergiker sind gewisse Lebensmittel einfach nicht das Gelbe von Ei und für eine relativ kleine Frau sind Mikrophone in großer Höhe auch eher suboptimal. Gott sei Dank hatten wir solche Probleme nicht – unser Buchhändler war hervorragend vorbereitet und so konnte es pünktlich los gehen. Zoë Beck deutete noch an, dass es etwas zu beerdigen geben würde. Da waren wir natürlich gespannt.

Nach dem ersten Teil der Lesung, bei dem wir Cedric kennen lernen durften, erzählte uns Zoë noch ein bisschen was über ihre Recherchereisen nach Schottland und darüber, wie sie eigentlich auf die Idee des Settings gekommen ist. Ihre Anekdote über Schotten im Schnee (Großstadtschotten aus Edinburgh), die schon bei knapp 7 cm den Notstand ausrufen und mit Langlaufskien durch die Stadt touren, kam zwar nicht bei allen Gästen gut an, sorgte aber doch bei 99% der Anwesenden für Erheiterung. Und mal ehrlich,wer findet die Vorstellung von Schottinnen in Gummistiefeln mit Spikes, die sich vor dem Betreten des Ladens und beim Verlassen in lange Schlange reihen, um ihre Spikes ab- bzw. anzuschnallen, nicht komisch? Bei 7 cm Schnee. Als Bayer!

Im zweiten Lesungsteil begegneten wir einer anderen, wichtigen Figur des Buches: Pippa. Die Frau, die in Tagebucheinträgen von der Suche nach ihrem Freund berichtet und zu wissen glaubt, dass er der Mörder ist. Sie hat einen recht außgewöhnlichen Beruf: Klavierstimmerin. Das kommt aber nicht von ungefähr. Zoë selbst spielt seit vielen Jahren Klavier und als sie den Charakter der Philippa (Pippa) entworfen hat, war sie auf der Suche nach einem passenden Beruf, einer handwerklichen Tätigkeit die mit viel Gefühl verbunden ist. Als sie ihre eigene Klavierstimmerin bei ihrere Arbeit beobachtet hat, schien ihr der Beruf geradzu passend und die Recherche hierzu hat ihr viele schöne und interessante Stunden beschert.

„Gäbe es keine Deadline, hätte ich noch nie ein Buch geschrieben“

Übrigens mag Zoë die Charaktere Cedric und Pippa besonders gerne. Warum aber gerade der exzentrische Cedric und wie ist sie auf ihn gekommen? Das ist eigentlich recht offensichtlich, wenn man die Antwort kennt. Verhaltensauffälligkeiten aller Art sind im Alltag all gegenwärtig. Die Meisten fallen den Mitmenschen aber kaum auf, denn der Betroffene nützt einfache Vermeidungsstrategien und legt sich, wenn möglich, glaubhafte Ausreden zu, um nicht aufzufallen. Und mal ehrlich? Wer wundert sich schon, wenn der sportliche Kollege lieber die Treppen als den Aufzug benützt? Aber es gibt eben auch viele Phobien oder Zwangsstörungen die sich nicht einfach in den Alltag integrieren lassen. Selbst dann mag es der Umwelt noch nicht wirklich ins Auge fallen, die betroffene Person erlebt es aber ständig. Manchmal fällt es den Mitmenschen vielleicht sogar auf, aber sie sehen weg. Und genau darauf möchte Zoë mit ihrer Figur aufmerksam machen. Vielleicht ist Cedric auch so etwas wie ein Spiegel der Welt? Wer kann schon von sich behaupten, dass er keine irgendwie unnatürliche Angst hat. So etwas muss ja nicht immer gleich das gesamte Leben einschränken.

IMG_4330nNatürlich haben die Bücher nicht nur Charaktere, sondern auch einen Handlungsort. Im Falle von Zoë Beck und ihrer „inoffiziellen Reihe“ ist es Schottland. Das liegt zum einen daran, dass Zoë ein großer Fan Großbritanniens ist, sie reist also sehr gerne dort hin um für ihre Romane zu recherchieren und es ist nie verkehrt, das angenehme mit dem nützlichen zu verbinden. Zudem passt Schottland als Handlungsort sehr gut, da viele ihrer Bücher auch gesellschaftliche Fragen aufgreifen und diese sich dort besser erzählen lassen, z.B. die Kluft zwischen Arm und Reich die in „Das alte Kind“ eine große Rolle spielt. Sicherlich gibt es auch in Deutschland Armut, gerade unter Kindern, aber die Schotten, vor allem in Edinburgh sind deutlich stärker betroffen. Ghettos wie sie (auch in „Der Frühe Tod“)  beschrieben werden gibt es in Deutschland nicht mal in den schlimmsten Gegenden. Und auch die Mentalität ihrer Figuren lässt sich besser auf der Insel verorten, als auf dem europäischen Festland.

Wie schon vorher erwähnt wurde, liebt Zoë es zu recherchieren. Google ist dabei mittlerweile ihr bester Freund, aber auch Fachbücher, Gespräche mit Experten und Betroffenen – für „Das zerbrochene Fenster“ sprach sie mit vielen Menschen, deren Angehörige vermisst werden – gehören dazu. Das man dabei viel Zeit investiert kann sich jeder Internetnutzer problemlos vorstellen. Der typische „Nur kurz .. oh eine Stunde rum“ Effekt dürfte uns allen bekannt sein. Nur gut, dass es Deadlines für die Fertigstellung von Manuskripten gibt, sonst würden wir wohl ewig auf ein neues Buch von Zoë Beck warten müssen und dann wäre „Das zerbrochene Fenster“ vielleicht wirklich der letzte Thriller

Aufatmen

Aber Gott sei Dank müssen wir das nicht und ist es das nicht! Im Dezember erscheint ihr neuer Roman, der diesmal in London spielt, im Heyne Verlag. Mit „Brixton Hill“ verabschiedet sich die Autorin auch von ihren bisher bekannten Charakteren Ben und Cedric und dem alten Verlag Bastei Lübbe. Und die Beerdigung? Neuer Verlag, neue Geschichten, neue Schrift. Da ist es für das alte Design natürlich Zeit zu gehen. Die Cover und der Schriftzug des Bastei Lübbe Verlages werden somit zu Grabe getragen. Auf zu neuen Ufern!

Im Anschluss an die Lesung saßen wir in kleiner Runde noch gemütlich bei einem Glas Wein zusammen und haben den Abend ausklingen lassen. Vielen Dank an Zoë Beck, das Team des Krimifestivals München und die Buchhandlung Buch & Bohne für diesen schönen Abend, die gelungene Lesung und das stimmungsvolle Ambiente. Ich komme gerne wieder!

Bei einem Glas Wein!

Bei einem Glas Wein!