Heute gibt es mal wieder eine Premiere auf meinem Blog: Die erste „Nicht-Rezension“ zu einem  Buch. Warum und was das bedeutet, dass erfahrt ihr im Text!

Trotzdem ein bisschen Inhalt:

Lou ist 26, lebt in einer Kleinstadt bei ihren Eltern, hat einen Job als Kellnerin, den sie liebt und einen Freund, den sie eigentlich nicht liebt. Als sie entlassen wird, steht ihre Welt und vor allem die Finanzen der Familie erstmal Kopf. Kurzentschlossen nimmt sie eine Stelle als Pflegehilfe bei einem schwer kranken Mann an, nicht ahnend, dass das ihr Leben für immer verändern wird.

Will ist ein lebenslustiger, agiler, erfolgreicher junger Mann – jedenfalls war er das, bis zu seinem Unfall. Seitdem ist er an den Rollstuhl gefesselt,  schwer depressiv und vegetiert mehr, als das er lebt. Noch ahnt er nicht, dass Lou sein Leben völlig auf den Kopf stellen wird …

Ein ganzes halbes Jahr

Eigentlich käme hier die Kritik:

Liebe LeserInnen, ihr wisst, dass ich gerne und viele Rezensionen schreibe. Dieses Buch jedoch kann und will ich nicht rezensieren – jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn. Warum? Weil es nicht geht: Jeder Satz, jedes Wort würde den Zauber des Lesens zerstören, jede Analyse der Sprache oder der Figuren wäre eine Kastration der Kraft und der Tiefe dieser Geschichte.
Jedes Wort über meine Emotionen beim Lesen wäre ein Wort zuviel, dass vielleicht einem anderen die Möglichkeit nehmen würde das Buch selbst zu erleben.

Vor allem aber hätte mich der Hintergedanke an eine Rezension davon abgehalten, das Buch wirklich zu genießen, die Geschichte in mich aufzusaugen und tief in die Welt von Will und Lou einzutauchen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht eine Sekunde auch nur einen Gedanken daran verschwendet habe, was ich im Anschluss an die Lektüre schreiben könnte. Das ist mir bisher auch noch nie passiert.

„Ich stand mitten im Raum, die Hände in die Taschen gebohrt und wusste nicht, was ich tun sollte. Will Traynor starrte weiter aus dem Fenster, als wäre ich nicht da.
„Möchte Sie, dass ich Ihnen einen Tee mache?“, fragte ich schließlich, als das Schweigen unerträglich wurde.
„Ah stimmt. Das Mädchen das seinen Lebensunterhalt mit Teekochen verdient. Ich habe mich schon gefragt, wie lange es dauern würde, bis sie mir ihre Talente beweisen wollen. Nein. Nein danke“.
„Dann vielleicht einen Kaffee?“
„Ich habe derzeit keinen Bedarf an warmen Getränken, Miss Clark.“
„Sie können mich Lou nennen.“
„Macht das irgendwas besser?“ (Seite 55)

„Ein ganzes halbes Jahr“ ist mit Abstand die bewegendste, ergreifendste, überwältigendste (Liebes)Geschichte, die ich je gelesen habe. Mitten aus dem Leben – mitten ins Leben, mitten ins Herz. Ein Buch, dass nicht nur tiefe Emotionen weckt, sondern auch lange und nachhaltig zum Nachdenken anregt. Ein Buch, über das man aber definitiv mit jemandem Reden muss! Sucht euch also einen Freund, eine Freundin die mit euch gemeinsam liest. Ihr werdet es brauchen.

Ich will dieses Buch nicht analysieren, zerpflücken, in seinen Bestandteile zerlegen. Ich will es als ganzes genießen und auch so in Erinnerung behalten. Vielleicht ist auch manchmal die beste Kritik an einem Buch, dass man gar keine Kritik schreiben kann, wer weiß?

[Lou]“Ich mag keine Filme mit Untertiteln“ 
„Da könnten sie genauso gut sagen, sie mögen keine Filme mit Schauspielern. Machen sie sich nicht lächerlich. Was gefällt ihnen denn nicht daran? Die Tatsache, dass sie gleichzeitig lesen und den Film schauen müssen?“ (Seite 96)

Eines aber weiß ich sicher: Ich werde die Geschichte, ich werde Lou und Will, ich werde dieses Gefühl beim Lesen für immer in meinem Herzen tragen und ich kann euch nur wünschen, dass ihr diesem Buch die Chance gebt euer Herz zu erobern, auch wenn ihr „sowas“ eigentlich gar nicht lest.

Sowas wie das Fazit:

„Ein ganzes halbes Jahr“ ist eine Geschichte die bewegt, zum Nachdenken anregt und aufwühlt. Das Buch besticht, neben der wirklich zu Herzen gehenden Story,  durch ein äußerst lebensnahes Setting und absolut glaubhafte Haupt- und Nebenfiguren, die in jeder Sekunde echt und natürlich wirken. Ein Buch, dass dich zum Lachen bringt und zu Tränen rührt, eine Geschichte die dich gefangen nimmt und nie wieder los lässt.  Und noch während ich diese Zeilen schreibe wird mir klar, dass ich die Stimmung des Buches kaum in Worte fassen kann- es bleibt euch also nichts anderes übrig, als die Erfahrung selbst zu machen, denn mir fehlen die Worte. Und das kommt – mit Verlaub – nicht all zu oft vor😉. Von mir gibt es ganz klar nicht nur eine Leseempfehlung, sondern schon fast einen Lesebefehl!

Will und Lou sind die überragend authentischen, liebenswürdigen Figuren einer ergreifenden Geschichte,  die für immer einen Platz in meinem Herzen haben werden.

„Es geht mir gut. Ich will einfach […] Ich will einfach noch nicht hineingehen. Ich will einfach hier sitzen und nicht daran denken …“ Er schluckte. Sogar im Halbdunkel wirkte dieses Schlucken mühsam. „Ich will einfach … ein Mann sein, der mit einem Mädchen im roten Kleid im Konzert war. Dieser Mann will ich einfach noch ein paar Minuten länger sein.“ (Seite 238)

 5/5 Sternen 

Jojo Moyes – Ein ganzes halbes Jahr
erschienen, März 2013 im Rowohlt Verlag
512 Seiten
14,99 € (Klappenbroschur)
ISBN: 978-3499267031