Inhalt

Sie erwachen an einem unbekannten Ort, nackt und ohne Erinnerung an ihr Leben oder daran wie sie an diesen Ort gekommen sind. Sie wissen nur noch ihre Namen. Sieben Jugendliche, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, treffen sich in einer unwirklichen Welt. Alles was sie haben ist ein Brief, der ihnen sagt, dass sie durch sieben Welten gehen müssen, um an jeweiligen Ende durch ein Portal in eine neue Welt zu gelangen. Der Haken: Es gibt immer ein Portal zu wenig und sie können nur überleben, wenn sie zusammen halten, denn sie sind nicht alleine. Etwas jagt sie unerbittlich: Die eigene Angst …

Rainer Wekwerth – Das Labyrinth erwacht

Kritik

Im Großen und Ganzen ein starkes Buch. Zu Beginn geht es dem Leser wie den Charakteren: Er ist verwirrt, orientierungslos und findet sich plötzlich in einer unbekannten Welt wieder, deren Existenz er sich nicht erklären kann. Genausowenig wie er weiß, warum er sich dort befindet oder wie er dort hingekommen ist. Zusammen mit den Jugendlichen Jeb, Jenna, Léon, Kathy, Mary, Tian und Mischa macht ersich auf die Reise durch das unwirkliche Gelände, gejagt von namenlosen Schatten, getrieben von Schreien und panischer Angst und dem dringenden Wunsch zu überleben.

Und diese Charaktere haben es in sich. Sieben sehr unterschiedliche Jugendliche, die durch einen unerklärlichen Umstand zusammen in einem tödlichen Abenteuer landen. Zum einen sorgt diese Mischung aus Konkurrenz und aufeinander angewiesen sein für ausgeprägte Spannungen innerhalb der Gruppe, zum anderen natürlich auch für eine ganz eigene Dynamik, da jede Figur ihren Platz finden, die Jugendlichen sich kennen lernen und natürlich auch der Leser sich langsam an die Charaktere herantasten muss. Besonders schwierig gestaltet sich das auch dadurch, dass die sieben Teenager nichts von ihrer Vergangenheit zu wissen scheinen. Erst allmählich tauchen Erinnerungsfetzen an ein vorheriges Leben auf – tragische, traurige, unglückliche Erinnerungen und schnell wird klar, dass jeder aus der Gruppe sein Päckchen zu tragen, vielleicht sogar eine undefinierte Schuld auf sich geladen hat. Gerade durch das Fehlen einer eindeutigen Biographie ist es schwierig die Figuren einzuschätzen. Einerseits verhalten sie sich wie unreife,pubertierende Teenager, andererseits agieren sie besonnen und erwachsen, fast schon zu souverän. Eigentlich gerät niemand in Panik, obwohl die Situation, ohne Erinnerungen an einem unbekannten Ort aufzuwachen, doch eigentlich schon äußerst beängstigend sein muss. Hin und wieder wirken sie fast zu „perfekt“, zu klug. Sie machen mir einfach zu wenige Fehler.

Gelungen hingegen finde ich, dass eigentlich keine Figur als rein „gut“ oder „böse“ definiert werden kann. Natürlich gibt es Sympathieträger bzw. deren Gegenpart, aber man ist sich schnell im Klaren, dass unter der jeweiligen Oberfläche ein düsteres Geheimnis lauert und sich weit mehr verbirgt als auf den ersten Blick zu erkennen ist.

Beim Lesen springt man ständig zwischen den einzelnen Figuren hin und her, erlebt die Geschichte mal aus der einen, mal aus der anderen Perspektive – dadurch gewinnt man einen sehr allumfassenden Überblick über die Dynamik innerhalb der Gruppe, weiß also mehr als die Protagonisten. Das führt hin und wieder dazu, dass man das Gefühl hat „zuviel“ zu wissen und das Agieren einer Figur erstmal als unlogisch empfindet.

Der Roman ist gut zu lesen, wenn auch sehr umgangsprachlich geschrieben. Für ein Jugendbuch aber absolut in Ordnung, auch wenn es meinen persönlichen Geschmack nicht unbedingt trifft. Es fällt einem nach den ersten Seiten sehr leicht sich im „Labyrinth“ zu verlieren. Nur gelegentlich sprechen die Figuren etwas zu gestelzt und aufgesetzt für ihr Alter, das man übrigens sehr schwer schätzen kann, weil ihre Erfahrungen fast zu viel scheinen für das geringe Alter.

Was aber absolut über allem steht ist das große, dicke Fragezeichen im Kopf des Leser: Was ist das für eine Welt? Warum sind die Jugendlichen dort? Wer hat sich dieses perfide Spiel ausgedacht?  …
In „Das Labyrinth erwacht“, beginnt eine Trilogie um ein perfides Spiel mit dem Leben von sieben Jugendlichen, die einem mehr oder weniger ans Herz wachsen, von denen man aber weiß, dass man sich von ihnen wird verabschieden müssen. Und ich glaube, das wird mir im zweiten Teil nicht leicht fallen.

Fazit

„Das Labyrinth erwacht“ ist ein spannender und vielversprechender Auftakt einer – wie es scheint – außergewöhnlichen Trilogie. Der Plot gefällt mir sehr gut, auch wenn die Story an sich wirklich grausam ist. Allein das Wissen darum, dass man sich von den Figuren der Reihe nach wird verabschieden müssen, ist bedrückend. Diese Charaktere, die mir vor allem aufgrund ihres individuellen Wesens und ihrer noch nicht ganz offensichtlichen Biographien gefallen, sind im wahrsten Sinne des Wortes Figuren in einem perfiden Spiel, dessen Hintergründe noch absolut im Dunkeln liegen. Hin und wieder erschienen mir die Jugendlichen aber zu „erwachsen“, zu „ruhig“, für die Situation in der sie sich befinden und zu klug in ihrem Handeln für das geringe Alter (obwohl es ein Jugendroman ist)!
Auch ist mir noch nicht ganz klar, warum das Buch als „Thriller“ klassifiziert wird, wenn es doch bisher eher an einen Fantasy Roman im weitläufigen Sinn erinnert.

Zu Beginn des Buches musste ich u.A. an „The Cube“ denken und natürlich steckt in der Story viel altbekanntes – es ist nichts Neues, dass eine Gruppe von Leuten bunt zusammengewürfelt wird, gemeinsam los zieht und/oder am Ende immer einer zu viel ist, – aber es ist gut verpackt und darauf kommt es schließlich an.

Ich freue mich sehr auf Teil zwei und ich hoffe, dass zumindest ein paar der Fragen beantwortet werden, die mir im Kopf herum spuken. Und ich hoffe, dass von den Charakteren, die mir so ans Herz gewachsen sind, keiner mehr gehen muss.

4/5 Sternen

Rainer Wekwerth – Das Labyrinth erwacht
erschienen, 2013 im Arena Verlag
406 Seiten
16,99 € (Hardcover)
ISBN: 978-3-401-06788-9