Inhalt

Im beschaulichen Vogelsberg geschieht mal wiedereinmal unerhörtes: Henning Bröhmann erörtert gerade Melinas schulische Versäumnisse mit der Rektorin des Gymnasiums, als auf diese ein Anschlag verübt wird – ein Stein wird durchs Fenster geworfen. Fast sofort nimmt der Staatsdiener die Verfolgung auf, mangels Kondition bleibt dem Kommissar aber nichts anderes übrig als dem Täter bei der Flucht zuzusehen. Dieser Vorfall bleibt aber nicht der Einzige. Bröhmann und Team ermitteln wieder.
Und als wäre das noch nicht genug des Guten, muss sich Henning auch noch mit dem neuen Freund seiner Tochter herumschlagen – AA – und immer noch mit Wolle und Molly aus dem Schlumpfloch, da Laurin ein weiteres Jahr im Kindergarten zubringen muss. Zu allem Überfluss heftet sich ein angehender Autor an seine Fersen um für seinen „Driller“ zu recherchieren, seine Gefühle fahren Achterbahn und dann überschlagen sich die Ereignisse …

Kritik

Wieder einmal entführt uns Dietrich Faber in die die Welt des Henning Bröhmann. Zwischen Hundesabber und Teenagerproblemen ermittelt der obereifrige Kommissar auch diesmal wieder in einem höchst brisanten Fall. Es passiert schließlich nicht alle Tage, dass ein Anschlag auf die Direktorin des Gymnasiums in Nidda verübt und er Zeuge dieses Vorfalls wird. Was klein beginnt entwickelt sich dann aber doch noch zu einem sehr spannenden Fall.

Das die Ermittlung hinter seinen privaten Problemen zurückstecken muss ist klar und natürlich gibt es von Letzterem nicht zu knapp.

Neben den Depressionen seiner Frau, Melinas Wutanfällen, Laurins rückständiger Entwicklung und der Flatulenz seines Hundes Berlusconi, muss er auch noch mit dem neuen Freund der Tochter fertig werden. Und zu allem Überfluss setzt ihm sein Vater – Kriminaloberat AD – einen befreundeten Journalisten vor die Nase, der gerne im echten Polizeialltag Inspirationen für seinen „Driller“ suchen möchte. Außerdem weckt eine Lehrerin seiner Tochter sein Interesse – in ganz und gar nicht beruflicher Hinsicht.

Wer den ersten Teil der Reihe gelesen hat weiß, wovon ich spreche, wenn ich sage, dass die Charaktere einfach großartig getroffen sind- mitten aus dem Leben gegriffen und trotz aller Komik überragend authentisch. Man erkennt nicht nur sich selbst, sondern vor allem die unliebsamen Nachbarn, Kollegen und Verwandten sofort wieder. Manche Figur ist einfach herrlich unsympathisch und nervenaufreibend lästig. Allen vorn Öko Wolle und seine Frau Molly. Aber auch Teichner steht ganz oben auf der Liste der unbeliebtesten Kollegen. Bröhmann mag ich gerne, weil er trotz seiner Fehler und dem fehlenden Enthusiasmus bei der Arbeit ein wirklich liebevoller Vater sein kann und Melina ist eine überzeugende Jugendliche – ein bisschen so, wie wir wohl alle mal waren oder noch sind. Einerseits störrisch, auf der Suche nach sich selbst und immer damit beschäftigt möglichst erwachsen und reif zu wirken. Auf der anderen Seite unsicher und trotz aller aufgesetzten Coolness manchmal noch ein kleines Kind.

Und dann ist ja noch Manfred, der Autor in Spe, dessen ’nervenaufreibenden‘ Thriller man quasi live bei der Entstehung miterleben darf. Ein so derart gigantisch schlechtes Buch im Buch, dass man kaum weiß ob man weinen oder lachen soll. Herrlich!

Sprachlich glänzt der Autor auch hier wieder. Natürlich muss man den Sarkamus und den teilweise recht eigenen Humor mögen, aber wer gerne mal herzlich lacht – und das nicht nur über Banalitäten, sondern durchaus auch auf hohem Niveau-, sollte zu diesem Buch bzw. Hörbuch greifen. Wie schon der Vorgänger ist auch „Der Tod macht Schule“ zum größten Teil aus Henning Bröhmanns Perspektive in der“ich Form“ geschrieben. Gelegentlich wird der Handlungsstrang von Mails seiner Tochter Melina an ihre beste Freundin unterbrochen. Damit bleibt das im ersten Teil vorgestellte Konzept der wechselnden Perspektiven erhalten, auch wenn dort die zweite Rolle von seiner Frau Franziska eingenommen wurde.

Was die Bücher des Autors – und auch dieses hier – aber zu etwas ganz besonderem macht ist die Hörbuchfassung: Dietrich Faber liest seine Bücher selbst und das sehr gekonnt. Sowohl das Sprechtempo, das man als „gemäßigt“ bezeichnen kann, als auch die stimmlichen Interpretationen seiner Charaktere, passen perfekt zur Geschichte. Man hat nicht die Interpretaion eines Sprechers, sondern erfährt wie der Autor selbst seine Figuren gedacht hat. Hinzu kommt, als besonderes Schmankerl, die hessische Einfärbung und im Dialekt gesprochene Dialoge. Dadurch wirkt die Geschichte noch lebensnaher. Wiedererkennungswert aller Figuren garantiert.

Fazit

Eheprobleme, pubertierende Mädchen, unmotivierte Schüler und ein spannender Fall, in dessen Zentrum die Direktorin des örtlichen Gymnasiums steht. Sehr unterhaltsam, sprachlich auf eher gehobenem Niveau und mit tiefgründigem Humor, zerrt Dietrich Faber den Hörer (oder Leser) durch die eigentlich recht belanglose Welt des Henning Bröhmann.
Es macht auf jedem Fall Spaß den gelungenen Interpretationen ebenso gelungener und überzeugend authentischer (meistens jedenfalls) Charaktere zu lauschen. Dietrich Faber transportiert bei diesem Hörbuch die Message seiner Geschichte nicht nur durch das Geschriebene, sondern in großen Teilen auch durch die Stimmlage und das Einfangen der Atmosphäre im gesprochen Wort. Auch das zweite Buch aus der Reihe – dem hoffentlich bald ein drittes Folgen wird – ist ein absoluter Volltreffer!

5/5 Sternen 

Dietrich Faber – Der Tod macht Schule
Buch: erschienen. 2012 im Rowohlt Verlag
288 Seiten
13,95 € (Broschur)
ISBN: 978-3-86252-025-1

Audio: Gelesen von: Dietrich Faber,
erschienen bei Randomhouse Audio
19,99 € / 6 CDs / ungekürzte Lesung
ISBN: 978-3-8371-1806-3