Inhalt

Eine alte Frau bedeckt die Leiche eines Mädchens. Warum tut sie das? Sie weiß, wer der Mörder ist, aber sie wird ihn nicht verraten.
Kurz darauf verschwindet Lisa Theis, ein junges Mädchen. Alles deutet darauf hin, dass sie ausgerissen ist, aber ihre Mutter will nicht daran glauben. Der kleine Bruder Sam hat einen Verdacht, aber niemand hört ihm zu.
Der ehemalige Polizist Alex Lindner vermutet sofort Parallelen zu einem Fall, der ihn drei Jahre zuvor den Job gekostet hat. Der damalige Mörder wurde nie gefasst, aber Alex weiß, dass er ihn diesmal stoppen muss. Kann er das Mädchen retten?

Die Mädchenwiese: Thriller

Kritik:

Zunächst war ich bei diesem Thriller eher skeptisch. Man kennt das ja – je mehr ein Buch gelobt wird, desto weniger steckt drin. Gott sei Dank gibt es Ausnahmen von dieser Regel und „Die Mädchenwiese“ gehört dazu.

Martin Krist erzählt seinen Roman in kurzen Abschnitten, aus vielen verschiedenen Perspektiven. Das klingt zunächst einmal verwirrend, ist es aber nicht. Im Wechsel erlebt man die aktuellen Ereignisse aus der Sicht der Mutter, des ehemaligen Ermittlers Alex, des verschwundenen Mädchens und deren Bruder. Dabei wird die Geschichte im Prinzip sehr chronologisch erzählt, so dass die Erzählperspektive innerhalb eines Kapitels wechselt, d.h. die Handlung wird fortgesetzt, während die Sichtweise zwischen den verschiedenen Charakteren wechselt oder man teilweise ein und die selbe Situation aus der Sicht der unterschiedlichen Personen erlebt. Teilweise Beschreibt der Autor den selben Zeitabschnitt aus der Sicht unterschiedlicher Charaktere an verschiedenen Orten. Durch diese kurzen Abschnitte und die vielen Wechsel gewinnt der Roman an Tempo, so dass man quasi durch die Seiten fliegt und  einen sehr umfassenden Einblick in das Seelenleben der Protagonisten erhält.
Unterbrochen wird die aktuelle Geschichte durch eine Erzählung aus der Ich- Perspektive und man hat sehr schnell den Verdacht, dass der Ich-Erzähler weiß wer der Mörder ist und warum er tötet.

Genau diese Erzähltechnik führt aber auch dazu, dass die Figuren relativ lang  fremd und eindimensional wirken, und erst im Laufe der Geschichte zunehmend an Tiefe gewinnen. Einen klassischen Sympathieträger gibt es nicht, aber wohl für jeden eine Figur mit der er sich gut identifizieren kann. Vor allem Laura Theis, die Mutter von Sam und Lisa, fand ich überzeugend und menschlich dargestellt.

Gerade zu Beginn fragt man sich natürlich, wie die ganzen Erzählstränge am Ende zusammengeführt werden sollen, auch wenn sich sehr schnell ein erster Verdacht im Bezug auf die Zusammenhänge einstellt. Dieser war dann am Ende sogar richtig. Trotzdem ist es ein schön durchdachter, wenn auch etwas realitätsferner Plot (für mich kein Nachteil) und eine Geschichte die nicht ganz dem klassischen Thriller entspricht, da es im Prinzip keinen leitenden Ermitteler gibt, der die Sache am Ende aufklärt.

„Die Mädchenwiese“ ist eingängig geschrieben, der Stil des Autors wirkt natürlich und gefällt mir gut. Bildhafte Beschreibungen geben dem Leser einen guten Einblick in die Szenerie des Romans, ohne all zu ausschweifend zu sein oder sich in überflüssigen Details zu verlieren. Auch die Dialoge haben mich zum großen Teil überzeugt. Bis auf die – für mich sehr lästige – Angewohnheit der Charaktere, den Gegenüber nicht ausreden zu lassen. Allen voran der Onkel des vermissten Mädchens, der als leitender Ermittler in dem Fall durchaus mal zuhören hätte sollen, statt ständig allen ins Wort zu fallen, nur um nicht von seiner Meinung abweichen zu müssen.

Fazit

„Die Mädchenwiese“ ist ein wirklich spannender Thriller, der sich von der Masse abhebt – allein schon durch die Art des Erzählens, aber auch durch das Fehlen eines heldenhaften Ermittlers. Die Figuren gewinnen im Laufe der Handlung an Tiefe, obwohl sie zu beginn noch sehr flach wirken und es gibt für fast jeden Leser einen Charakter, mit dem er sich besonders gut identifizieren kann.  Der Plot ist zwar ein wenig realitätsfern, aber gut durchdacht: Ein gut gehütetes Geheimnis, das Stück für Stück ans Licht kommt, eine tragische Geschichte, die tiefe Emotionen weckt und ein Mörder, bei dem nichts so ist, wie es scheint.

Einzig die wirklich lästige Angewohnt einiger Charaktere niemals zuzuhören und anderen ständig ins Wort zu fallen schmälert den Spaß beim lesen. Hin und wieder musste ich das Buch deshalb etwas genervt aus der Hand legen. Dafür gibt es einen Stern Abzug, aber trotzdem eine Leseempfehlung von mir.

4/5 Sternen

Martin Krist – Die Mädchenwiese
erschienen, August 2012 im Ullstein Verlag
416 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3548283531

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