Inhalt

Ascension ist eine normale Kleinstadt in Maine. Schon immer ranken sich Legenden von drei Geistern, die im Wald hausen sollen, um die Stadt. Nachdem ein Mädchen der örtlichen Highschool versucht hat sich umzubringen, tauchen plötzlich drei Mädchen in der Stadt auf. Bald schon keimt der Verdacht auf, dass diese Geistergeschichten nicht nur Geschichten sind. Die drei Mädchen sinnen auf Rache, denn Fehler werden nicht geduldet.  Ihre Wahl fällt auf Chase und Emily.

Emily ist verliebt in Zach. Dumm nur, dass er der Freund ihrer besten Freundin Gabby ist. Auch Zach scheint sich für Em zu interessieren. Sie weiß, dass sie sich nicht auf ihn einlassen sollte, aber sie ist gegen ihre Gefühle machtlos …
Chase gehört zur selben, angesagten Clique, wie Zach, Em und Gabby, aber er weiß, dass sich sein Glück jederzeit wenden kann. Denn er ist nicht reich, sondern nur als guter Footballspieler geduldet und er hat ein dunkles Geheimnis …

Im Herzen die Rache

Kritik

Bei diesem Buch war ich mal wieder ein bisschen zwiegespalten. Einerseits eine wirklich tolle Geschichte, eine schöne Idee, basierend auf dem Mythos der griechischen Furien.  Eine sehr gelungene Übertragung eines antiken Mythos in die Moderne. Andererseits gibt es bei der Umsetzung aber doch einige Kritikpunkte.

Sehr störend fand ich, dass die Figuren allesamt aus einem amerikanischen Teeniefilm entsprungen sein könnten: Die beliebte Clique besteht im Prinzip nur aus den Reichen und Schönen, bis auf den obligatorischen Außenseiter. Die Mädchen gehen am liebsten Shoppen, die Jungs leben für Football und alle stehen auf Parties. Bis auf Em und Chase, die beiden Hauptcharaktere sowie JD (Ems bestem Freund) wirken die Figuren sehr eindimensional und blass. Es dauert eine Weile, bis man sich vorstellen kann, warum ein Mädchen wie Emily freiwillig eine Freundin wie Gabby hat. Zudem widersprechen manche der Figuren in ihrem Handeln ganz drastisch der Charakterisierung, allen voran die drei Racheengel. Ich habe versucht mir diese Diskrepanz durch deren Fähigkeiten zu erklären, andere zu manipulieren, aber das hätte auch besser herausgestellt werden können.

Das Buch selbst ist in einer sehr einfachen, aber größtenteils angenehm zu lesenden Sprache geschrieben. Die Beschreibungen der winterlichen Kleinstadtwelt gefallen mir gut und zaubern eine ganz einzigartige Atmosphäre. Zeitweise ist die Autorin etwas zu sehr bemüht „cool“ und „jugendlich“ zu schreiben, vor allem bei Textnachrichten oder Dialogen. Da wäre weniger wahrscheinlich mehr gewesen. Im großen und ganzen überzeugt der Schreibstil.

Dennoch zieht einen die Geschichte relativ schnell in ihren Bann und ist keine Sekunde langweilig, sondern im Gegenteil sehr fesselnd und faszinierend. Der Prolog ist rätselhaft und stellt einen erstmal vor die große Frage nach dem Warum. Der Kontrast zwischen dem versuchten Suizid und dem darauf folgenden heiteren Teenager Leben ist exorbitant. Und im Gegensatz zu den anderen Figuren ist Emily Winters ein wundervoller Charakter. Sie ist liebenswert, offen, freundlich, clever, manchmal vielleicht ein bisschen naiv (aber das ist in ihrem Alter völlig Ok) und so herrlich realistisch verliebt, dass ich fast selbst Schmetterlinge im Bauch hatte. Man kann sich wunderbar in sie hineinversetzen und die Geschichte an ihrer Seite miterleben und sie verstehen.
Auch Chase ist deutlich besser gelungen als seine männlichen Kollegen und nicht ganz so eindimensional, auch wenn er mir nicht ganz so gut gefällt wie Em. Mit seinen Denk- und Handlungsweisen komme ich manchmal überhaupt nicht klar.

„Und dann sprang sie. Sie flog. Im freien Fall.
Plötzlich begriff sie, dass sie es nicht rückgängig machen konnte.
Ihr Lunge wurde zu einem winzigen Etwas zusammengepresst. Sie konnte nicht mehr atmen. Um sie herum wehte ein eisiger Wind. Eine schreckliche Angst durchfuhr ihren Körper.
Sie griff ins Nichts. Und schrie.“ (Seite 7) 

Lange  war ich mir bei der Bewertung des Buches nicht ganz sicher, da es mir zwar einerseits wirklich gut gefallen hat, andererseits aber auch einige Kritikpunkte beim Lesen auftauchten. Dann kam das Ende. Und das reißt vieles raus. Ein wirklich gigantischer Abschluss für diesen ersten Teil, der sehr viel Lust auf mehr macht. Großartig gelungen.

Besonders erwähnen möchte ich hier das Cover, das ich sehr gelungen finde: Die Mischung aus Vintage Design, gefährlich wirkender Frau im unschuldigen Weiß und dem leicht romantischen Touch ist wirklich wunderschön und ein echter Hingucker. Deutlich besser gelungen als das amerikanische Original, (sowohl Hardcover als auch Paperback) dass mich persönlich, auch vom Titel (Fury) her, nicht zum Kauf animiert hätte. Obwohl die bisherigen amerikanischen Titel durchaus vermuten lassen, dass es da einen Zusammenhang gibt: Der zweite Teil der Reihe heißt „Envy“, der dritte „Eternity“ und ich bin gespannt wie sie übersetzt werden. (http://www.thefuryseries.com/)

Fazit

Der Anfang von „Im Herzen die Rache“ ist etwas holprig. Die Figuren wollen nicht Recht, die Sprache ist etwas hölzern und zu gewollt jugendlich, den ersten Szenen fehlt noch ein bisschen Farbe und Lebendigkeit. Aber das ändert sich relativ schnell und schon bald ist man tief in die Geschichte eingetaucht und muss nur noch gelegentlich über manche Handlungen bzw. Aussagen den Kopf schütteln. Das fulminante Ende macht diese kleinen Ärgernisse aber wieder wett und lässt einen in gespannter Erwartung auf den zweiten Teil zurück. Bisher eine gelungen Adaption des antiken Mythos der Furien. Im Gesamteindruck ein wirklich gutes, fesselndes Jugendbuch, das ich gerne empfehle. Nicht nur für Jugendliche.

4/5 Sternen

Vielen Dank an eine edle Spenderin für dieses Rezensionsexemplar🙂

Elizabeth Miles – Im Herzen die Rache
erschienen, Januar 2013 im Loewe Verlag
384 Seiten
17,95 € (Hardcover)
ISBN: 978-3-7855-7377-8