Inhalt

Eva Rossbach, reiche Erbin eines großen Unternehmens, hat unheimliche Alpträume. Sie erwacht, eingesperrt in einem Sarg, panisch vor Angst, mit dem sicheren Gefühl sterben zu müssen, nur um kurz darauf wieder mit seltsamen Verletzungen in ihrem Bett zu liegen. Traum oder Wirklichkeit? Eva kann es nicht unterscheiden und sie kann sich weder erinnern wie sie in den Sarg hinein noch wie sie wieder heraus gekommen ist.

Zur gleichen Zeit tötet ein Irrer in Köln scheinbar wahllos Frauen auf genau diese Art und Weise: Er sperrt sie in einen Sarg, verklebt ihnen Mund und Augen und lässt sie qualvoll ersticken.

Kommissar Menkhoff  und seine Kollegin Reithöfer müssen dem Täter das Handwerk legen, aber ihnen fehlt jede Spur. Alles scheint sich auf Eva zu konzentrieren und in ihrem Umfeld aus Lügen, Intrigen und Hass wirkt jeder verdächtig. Wer ist der kaltblütige Mörder und was will er von Eva Rossbach?

Der Sarg: Psychothriller

Kritik

„Der Sarg“ ist eine, von der ersten Seite an fesselnde uns spannende Story, mit  überzeugendem, gut umgesetzten Plot, der einem kaum Zeit zum atmen lässt. Der Leser wird lange Zeit im Dunkeln gelassen und es dauert, bis man das Netz aus Informationsfäden entwirren und die Zusammenhänge erkennen kann. Geschickt gemacht.

Hart und schonungslos greift Arno Strobel hier die sehr grausame aber auch absolut aktuelle Thematik der Kindesmisshandlung auf. Obwohl er darauf verzichtet sich in ekelhaften Details zu verlieren und die Gewalttaten in der Regel nur andeutet, ist das Buch manchmal nur schwer zu ertragen. Ich bin wirklich hart gesottene Leserin, aber mir wurde stellenweise schlecht, was aber auch daran liegen kann, dass ich selbst eine Tochter in dem, im Buch beschriebenen Alter habe. Aber die Geschichte ist sehr vielschichtig – Sie greift nicht nur den tatsächlichen und rechtlichen, sondern vor allem den psychologischen Aspekt dieses Tabuthemas auf und zeigt ganz deutlich wie zerbrechlich und kostbar eine Kinderseele ist.

Nach einem durchaus irritierenden Prolog wirft der Autor den Leser erstmal in den tristen Polizeialltag. Die letzten Seiten, um sich nochmal zu sammeln und zu überlegen ob man jetzt wirklich Zeit hat dieses Buch zu lesen. Denn, wenn man einmal anfängt, kann man es kaum noch aus der Hand legen. Es wirkt fast, als würden Autor und Leser in diesem kurzen Abschnitt gemeinsam Atem holen, um dann durch eine spannende und gut recherchierte Geschichte zu preschen.

Den Ermittler Bernd Menkoff kennt man als Strobel Leser schon aus „Das Wesen“. Zwar weist er noch einige Wesenszüge aus dem vorherigen Buch auf, hat sich aber natürlich weiter entwickelt – etwas aufbrausend ist er immer noch, aber gerade das macht ihn überzeugend und menschlich. Ihm zur Seite steht seine Kollegin Jutta Reithöfer, die auf mich teilweise etwas zu kalt, zu distanziert wirkt – ab etwa der Hälfte des Buches wird aber deutlich, dass das oft nur aufgesetzt ist und sie eine durchaus warmherzige und vor allem sehr emotionale Person ist. Ihr ruhige Art wirkt sich mitunter sehr positiv auf den hitzigen Kommissar aus.

Auch die zwischenmenschlichen Beziehung zwischen Menkhoff und Kollegen bzw. der Alltag im Büro kommen im Buch zur Sprache, bleiben aber weit hinter der Geschichte zurück und bilden so einen gelungen Rahmen zum eigentlichen Fall. Schade ist nur, das man über seine direkte Partnerin so wenig erfährt. Sie ist ein interessanter Charakter, den ich gerne näher kennen gelernt hätte (und noch kennen lernen wollen würde). Allgemein wirken die Dialoge der Ermittler untereinander zum Teil etwas hölzern und sehr gestellt, als wäre nachträglich noch einiges aus den Gesprächen gekürzt worden. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch (jedenfalls in meinem Fall nicht).

Fazit:

„Der Sarg“ ist das vierte Buch von Arno Strobel, das im Fischer Verlag erscheint und zugleich auch sein Bestes. Auch wenn mich sowohl „Das Skript“ als auch „Das Wesen“, der Roman aus dem man den Ermittler des aktuellen Buches bereits kennt, schon sehr begeistert haben, legt Arno Strobel hier nochmal eine Schippe drauf. Düster, beängstigend, brutal – ein Spiel mit der Psyche und dazu ein brandaktuelles Thema, das keinen kalt lässt. Eine hoch brisante Mischung vereint in einem komplexen Thriller. Ein absolutes Muss für Strobel Fans. Einsteigern empfehle ich „Das Wesen“ als vorherige Lektüre. Es ist aber nicht zwingend notwendig. Absolute Leseempfehlung von mir.

5/5 Sternen

Arno Strobel – Der Sarg
erschienen, Januar 2013 im Fischer Verlag
384 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-596-19102-4