Inhalt

Johannes Cabal wurde verhaftet, nachdem er versucht hat das Buch „Principia Necromantica“ zu stehlen. Er rechnet schon mit seiner Hinrichtung, als er plötzlich von einem hohen Staatsbeamten, dem Comte Marechal, aufgesucht wird. Dieser bittet ihn den kürzlich verstorben Kaiser Antrobus II von Mirkarvien wieder zum Leben zu erwecken, damit er eine letzte Rede halten könne. Im Gegenzug sollen Cabal die Freiheit und sein Leben geschenkt werden. Der Totenbeschwörer tut was man von ihm verlangt hat, jedenfalls fast. Und wie sich herausstellt, hatte auch der Comte andere Pläne als die Freilassung des Nekromanten. Plötzlich befindet sich Cabal auf der Flucht, nicht ahnend, dass er sich eindeutig den falschen Weg ausgesucht hat um zu entkommen und gerät damit vom Regen in die Traufe. Eine abenteuerliche, furiose Reise beginnt …

Kritik

Vorweg: Der Autor bleibt sich treu. „Totenbeschwörer“ lebt, genau wie „Seelenfänger“, von einer ordentlich Portion Sarkasmus, gemischt mit viel Ironie und einer großen Prise schwarzem Humor. Hin und wieder grenzt es fast (ok, eigentlich nicht nur angrenzen) an Zynismus. Und genau diese Mischung trägt den Leser dann auch durch die Geschichte.

Denn, im Gegensatz zum ersten Teil der Trilogie, gibt es hier einige Längen die man überbrücken muss, bis es wirklich spannend wird. Der Anfang liest sich noch sehr gut, man startet ohne großes Vorgeplänkel mitten in der Geschichte, genauer gesagt im Verlies, zusammen mit Cabal kurz vor seiner Hinrichtung. Aber spätestens nach seiner Flucht aus dem Palast ist dann erstmal die Luft raus. Gott sei Dank nicht für Lange. Man trifft nämlich, sehr unerwartet, eine Figur aus Band 1 wieder und diese Kombination gibt dem Roman dann, nach einigen Seiten, wieder den nötigen Pep. Es knistert sozusagen ganz gewaltig.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass „Totenbeschwörer“ ein bisschen an einen altmodischen Krimi erinnert – ganz im Stil von Agatha Christies „Miss Marple“, gemischt mit „Hercule Poirot“ und eine Prise von Sir Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes“, natürlich mit dem nötigen Knalleffekt bei der Auflösung!

Auch das sprachliche Niveau bleibt hoch, wenngleich sehr angenehm zu lesen und die Art des Erzählens passt wunderbar zur Geschichte und zu dem ‚fantastischen“ Universum in dem die Trilogie spielt. Vor allem aber passt die Sprache wunderbar zum Protagonisten Johannes Cabal.

Cabal selbst hat sich nach seinen Erlebnissen im ersten Band durchaus weiter entwickelt, er ist nachdenklicher geworden, weniger gewissenlos, einen Tick menschlicher, was wohl daran liegt, dass er wieder eine Seele hat. Nichts desto trotz bleibt er herrlich unsympathisch Arrogant und Überheblich in fast jeder Situation. Und sobald man einmal auf die Idee kommen könnte, dass in seinem Wesen ein Funken Herzlichkeit stecken könnte, belehrt er den Leser eines Besseren. Ich mag ihn, trotz oder gerade wegen seiner Art. Ein Unsympath vor dem Herren (oder dem Teufel?) den man irgendwie gern haben muss. Auch wenn er hier manchmal etwas zu naiv und einfältig wirkt, verglichen mit seinen Intellekt. Wobei das hauptsächlich bei zwischenmenschlichen Beziehungen der Fall ist und die sind ja – wie man weiß – so gar nicht sein Metier.

Außerdem erfährt man wieder ein bisschen mehr darüber, was ihn antreibt und warum er seinem makabren Beruf nachgeht.

Fazit

„Totenbeschwörer“ ist ein Tick schwächer als sein Vorgänger „Seelenfänger“, passt aber wunderbar zum Tenor der Trilogie. Der selbe Humor, die selben skurrilen Charaktere, eine fast schon aberwitzige Geschichte und ein überaus gelungener, wenngleich extrem unsympathischer Protagonist, den man einfach mögen muss. Cabal wird hier sogar ein bisschen menschlicher und scheint doch so etwas wie ein Gewissen zu haben. Eine schöne und logische Weiterentwicklung der Figur. Sprachlich bleibt auch dieser Roman auf hohem Niveau, der Autor spielt gekonnt mit Worten und der Sprache.

Diesmal bedient sich Jonathan L. Howard aber nicht nur an Elementen aus Fantasy, Horror und Steampunk, sondern lässt auch noch eine gehörige Portion Kriminalroman einfließen. Alles in allem eine gelungene Mischung aus Spannung, Humor und witzigen Charakteren. Ich freue mich schon auf den dritten Teil der Trilogie und ich fürchte ich werde es bedauern, wenn die Geschichte rum ist. Aber vielleicht gibt es ja noch Hoffnung auf einen vierten Teil. Wäre ja nicht der das Erste mal.

4,5/5 Sternen

Jonathan L. Howard – Totenbeschwörer
erschienen, 2012 im Goldmann Verlag
414 Seiten
12,00 € (Broschur)
ISBN: 978-3-442-47034-1