Inhalt:

In Schottland herrscht Ausnahmezustand: Schnee und Kälte sorgen für ungewohnt chaotische Verhältnissen. Während des Schneesturms wird die Leiche einer Frau gefunden – die Witwe des kürzlich verstorbenen Lord Darney. Ihr Stiefsohn Cedric gerät ins Visier der Polizei, da er mit der Witwe im Streit um das Erbe des Vaters lag. Kurze Zeit später taucht eine Frau bei der Polizei auf und behauptet, dass ihr Freund der Mörder wäre. Allerdings stellt sich heraus, dass dieser Freund seit 7 Jahren als vermisst gilt und offiziell für Tod erklärt werden soll. Versucht die Frau nur dies zu verhindern oder hat sie tatsächlich Informationen, die für die Polizei von wert sein können? Als die Beamten das überprüfen wollen ist die Frau spurlos verschwunden …

Kritik:

Das Buch beginnt sehr spannend, mit dem Tagebucheintrag einer gewissen Philippa Murray und springt dann in der Handlung zum Auffinden des Mordopfers. Der Einstieg weckt sofort das Bedürfnis des Lesers herauszufinden, worum es geht und das die vergangene Handlung aus dem Tagebuch mit den aktuellen Ereignissen verknüpft.

Die beiden Erzählstränge, bestehend aus den Tagebucheinträgen sowie der Schilderung aktueller Ereignisse, ziehen sich durch das ganze Buch und zeigen somit die Geschichte von zwei Seiten auf. Man entdeckt die Hintergründe des Mordes sowie die Zusammenhänge der einzelnen Charaktere Stück für Stück und nähert sich von zwei Seiten der Wahrheit an: aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit.

Prinzipiell mag ich diese Struktur sehr gerne, weil es normalerweise einen tiefen Einblick in die Figuren, vor allem in den Erzähler und das nahe Umfeld bringt. Leider bleibt vor allem der Charakter der Philippa Murray sehr blass und ohne Tiefe. Sie wirkt bisweilen sogar langweilig. Auch die anderen Protagonisten werden nur sehr oberflächlich angerissen und sind mir – im gesamten – zu psychisch belastet. Kaum eine Figur die nicht in Therapie war, süchtig ist oder unter psychischen Störungen leidet. Für mich persönlich war das ein bisschen „too much“. Trotz der vielen Leidensgeschichten kann man eigentlich zu keinem Charakter eine wirkliche Bindung aufbauen, da sie einfach zu unwirklich sind. Es war auch schwer wirkliche Haupt- und Nebencharaktere auszumachen. Eventuell ist das auch das Problem des Buches: Es gibt zu viele wichtige Charaktere, um ihnen ausreichend Leben einzuhauchen. Nur Dana Murray und Cedric Darney sind mir im Laufe der Handlung etwas sympathischer geworden und menschlicher vorgekommen.

Zoë Beck hat einen sehr eigenen, fast eigenwilligen Schreibstil, der sich vor allem durch kurze, knackige Sätze auszeichnet. Trotzdem merkt man dem Buch ihre Verbundenheit zur „Insel“ an. Im Gegensatz zu den Figuren sind die Landschaften und Orte ausgiebig beschrieben, so dass man sich wirklich in die Szenen hineinversetzen kann. Allgemein lässt sich ihr Stil sehr leicht und flüssig lesen.

Trotz dieser Kritik hab ich das Buch aber sehr gerne gelesen. Die Geschichte ist spannend, der Plot überzeugt und das Buch ist kurzweilig geschrieben, so dass man es kaum aus der Hand legen kann. Zum Teil fand ich die Tagebuchpassagen etwas zu langatmig, aber nicht so extrem, dass man das Buch deswegen weg legt. Wenn man einmal anfängt, will man wissen wie alles zusammenhängt und endet. Genau dieses Ende hat mir wirklich gut gefallen. Es hat perfekt zur Geschichte gepasst und somit einen glaubwürdigen und runden Abschluss geschaffen.

Besonders schön fand ich, dass diese Geschichte auf subtile Weise Spannung erzeugt, ohne permanent mit Ekelfaktoren oder Abartigkeiten aufzufahren. Das zeigt mal wieder sehr deutlich, dass ein Buch durchaus sehr gut sein kann, auch ohne brutale Superlative und Leichenberge.

Fazit:

„Das zerbrochene Fenster“ ist ein spannendes, angenehm zu lesendes Buch, mit überzeugendem Plot und wunderbaren Landschaftsbeschreibungen. Leider sind die Protagonisten etwas zu kurz gekommen und wenig ausgeprägt gezeichnet. Trotzdem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Ein spannender Krimi der ohne großen Ekelfaktor und übermäßige Actionszenen auskommt und dennoch, oder gerade deswegen spannend zu lesen ist. Zoë Beck ist eine Autorin die zeigt, dass es nicht böser, härter, ekelhafter sein muss, um gut zu sein. Das war mein Erstes, aber sicher nicht das letzte Buch dieser Autorin.

4/5 Sternen

Zoë Beck – Das zerbrochene Fenster
erschienen, 2012 im Bastei-Lübbe Verlag
366 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)

Mit bestem Dank an Blogg dein Buch und den Bastei Luebbe Verlag. Käuflich erwerben könnt ihr das Buch direkt über den Verlag oder natürlich auch bei Amazon. 

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