Inhalt:

Gabriel Tretjak, auch bekannt als „der Regler“ hat sich nach seinem letzten Fall in die Berge am Lago Maggiore zurück gezogen. Dort lebt er in größtmöglicher Ruhe, die aber jäh gestört wird, als die am Schweizer CERN beschäftigte Teilchenphysikerin Sophia Welterlin in sein Domizil eindringt. Sie wird bedroht und verfolgt, erhält rätselhafte Briefe von einer Person die ihr Leben bis ins kleinste Detail zu kennen scheint … besser als sie selbst. Zur selben Zeit, an unterschiedlichen Orten, geschieht unerklärliches: Die Leichen zweier Männer werden gefunden. Sie heißen: Gabriel Tretjak. Bald schon ist der Regler erneut Teil eines makaberen Spiels um Leben und Tod …

Kritik:

Der Beginn ist – ähnlich wie beim ersten Teil – recht verwirrend und erstmal gar nicht so wirklich spannend- abgesehen vom Prolog – sondern eher erzählend, im leichten Plauderton geschrieben. Aber man stellt sich abermals die Frage wie die Handlungsstränge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu zu haben scheinen zusammen hängen könnten. Es dauert auch nicht lange, bis sich die Ereignisse überschlagen und die Geschichte einen in den Bann zieht. Kleine, versteckte Andeutungen auf zukünftige Ereignisse, verteilt fast auf die gesamte Länge der Geschichte, regen immer wieder zum grübeln und nachdenken an über das, was passieren könnte, passiert sein könnte und im Moment gerade eigentlich passiert.

Ansonsten unterscheiden sich die Geschichten aber durchaus. Diesmal beantwortet sich vor allem die Frage danach wie der Regler arbeitet, was er tut und wie er Probleme lösen kann: Man erlebt Tretjak in Aktion, erfährt genau das was man im ersten Band teilweise vermisst hat. Die Hintergründe seiner Arbeit und wie sie funktioniert. Das erinnert teilweise an einen guten Actionfilm, weniger an einen Thriller.

Gabriel Tretjak bleibt weiterhin relativ unnahbar, vor allem zu Beginn, obwohl man dieses mal deutlich tiefer in sein Seelenleben eintaucht und viel über ihn, sein Leben und seine Hintergründe erfährt. Wieder liegt der Schlüssel zur Lösung des „Problems“ in der Vergangenheit, in der seiner Klientin, vor allem aber in seiner eigenen.

Sprachlich steht der zweite Teil dem ersten in nichts nach: Flüssig zu lesen, angenehm erzählend geschrieben, besticht der Roman durch fehlerfreie Grammatik, wie auch durch gelungene und sehr bildliche Beschreibungen der Schauplätze/Situationen. Der Thriller wirkt dadurch fast ein wenig poetisch. Lediglich die Charaktere bleiben oftmals ein wenig blass und schwer zu greifen, was durchaus auch an der Menge der agierenden Figuren liegen kann. Allerdings unterstreicht dieses „fehlen“ gewisser persönlicher Informationen und Einblicke zum Teil die Atmosphäre des Buches, unterstützt den Leser auf eine gewisse Weise dabei die Geheimnisse Stück für Stück aufzudecken.

Auch in der Aufteilung des Romans sind sich die Autoren, bzw. der Autor treu geblieben: die Geschichte ist wieder in mehrere Abschnitte unterteilt, die einem gewissen „Oberthema“ gewidmet sind: Vertrauen, die Wirklichkeit, Schuld, Die Stunde des Reglers, t=0.

Unerwartete Wendungen führen schlussendlich zu einem überraschenden Ende (sofern man die geschickt gelegten Spuren im Laufe des Buches überliest) und machen Lust auf einen dritten Teil. Nur gelegentlich verliert sich das Autorenduo in etwas zu ausführlichen Beschreibungen wodurch man als Leser zeitweise aus der Geschichte gerissen wird. Auch die häufigen Szenen- und Perspektivenwechsel sind bisweilen sehr anstrengend und unterbrechen den Lesefluss, da man durchaus mal einige Seiten zurück blättern muss um sich die vorherigen Geschehnisse ins Gedächtnis zu rufen.

Schön finde ich, dass die Covergestaltung im Stil des ersten Teils gehalten ist und man somit auch optisch sofort eine Zusammengehörigkeit erkennen kann. Das dominante weiß sticht wieder ins Auge.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung des durchaus lesenswerten Debüts. Nicht direkt von der ersten Seite an fesselnd (auch wenn der Prolog wirklich gut ist), aber interessant, erzählt „die Stunde des Reglers“, eine Geschichte über Vertrauen, Misstrauen, Wahrheit, Lüge und die Last der Vergangenheit. Die Figuren gewinnen – im Vergleich zum ersten Teil – an Tiefe, trotzdem bleibt Tretjak geheimnisvoll und unnahbar. Auch diesmal lässt das Ende auf eine Fortsetzung schließen, da immer noch einige Geheimnisse nicht geklärt sind. Einen Stern Abzug gibt es dafür, dass hin und wieder die Spannung leider komplett abfällt (z.B durch die vorhin erwähnten vielen Perspektivenwechsel) und man dadurch aus der ansonsten sehr interessanten Story herausgerissen wird und sich erst wieder einfinden muss.

4/5 Sternen 

Max Landorff – Die Stunde des Reglers
erschienen, 2012 im Fischer Verlag
352 Seiten
14,99 € (Broschiert)

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