Inhalt: (Klappentext)

Berlin-Neukölln. Zwei junge Zivilpolizisten werden Zeugen eines als Unfall getarnten Mordes. Der Mörder entpuppt sich kurz darauf als Undercoveragent des BKA. Ihre Behörde glaubt ihnen nicht und so beschließen die beiden, auf eigene Faust zu ermitteln. Als sie endlich einen Beweis gegen den BKA-Mann in Händen halten, decken sie damit, ohne es zu wissen, ein Komplott des organisierten Verbrechens auf, das die Grenzen ihrer bisherigen Welt sprengt …

Kritik:

Mal wieder ein Buch, das mich eher zwiegespalten zurück lässt.  Zum einen liegt es an den Figuren: Paul, Erkan oder Murat empfand ich als  irgendwie merkwürdig, unsympathisch, anstrengend, fast schon nervig.

Allgemein sind die Charaktere schwer zu greifen, kein  einziger Sympathieträger, mit dem man sich irgendwie identifizieren könnte. Ich bin froh, dass mir in meinem Leben bisher wenige derart unsympathische, (verbal) aggressive und durch die Bank drogensüchtige Polizisten begegnet sind 😉

Auch sprachlich ist das Buch gewöhnungsbedürftig: Hart, brutal, direkt, ohne blumigen Details, keinerlei gemütliche Atmosphäre. Ist das Berlin? Fast ein bisschen zu hoffnungslos, zu trist, zu unwirtlich, dennoch irgendwie passend zu den Figuren und Geschichten die erzählt werden. Aber es ist nicht mein Stil. Ich kann auch mit übermäßiger Verwendung von Fäkalsprache nichts anfangen – egal wie authentisch und realistisch das sein mag oder erscheinen soll.

Die Story an sich ist anfangs sehr verwirrend, vor allem aufgrund der Personenvielfalt. Da hilft auch das Personenregister am Ende nicht viel (Auch wenn es sich lohnt da mal nachzulesen). Im ersten Drittel des Buches passiert allgemein recht wenig, so dass man sich bisweilen überwinden muss weiter zu lesen. Ein gewisses Grundinteresse kann  der Autor dann aber doch schüren – man möchte zumindest wissen was der Klappentext nun eigentlich mit dem Buch zu tun hat. Als Supercops kann man sich die beiden Helden, die ja ein großes Komplott aufdecken sollen, nämlich beim besten Willen nicht vorstellen. Eher als alkoholvernichtende, gescheiterte Existenzen ohne großes Interesse an ihrem Beruf.

Ab dem zweiten Drittel kommt aber Fahrt in die Geschichte und sie wird dann auch noch richtig spannend. Man blickt auch langsam durch bei den Konstellationen der Figuren – LKA, BKA, Mordkommission, Polizeidienststellen, gut und böse ….

Das Ende bot – rein strukturell – keine große Überraschung: Die Auflösung der Hintergründe des „Actionsthrillers“ ist gut gelungen und überzeugend. Die persönlichen Geschichten um die Helden hingegen passten zum Tenor des Buches, trotzdem fand ich sie irgendwie unbefriedigend, zum Teil sogar etwas unverständlich und vor allem überflüssig.  Zumindest passt das Ende konsequent zum Tenor des Buches. der Autor hatte den Mut seine Story durchzuziehen.

Also wirklich positiv empfand ich aber die Tatsache, dass einem dieses Buch vor Augen geführt hat, wie sehr man doch – auch ungewollt – von gewissen Vorurteilen und gesellschaftlichen (Wert)Vorstellungen geprägt ist: Ich musste mich tatsächlich erst an die türkischen Protagonisten gewöhnen. Obwohl Türken (oder allgemein Ausländer) eigentlich zu jedem Stadtbild gehören, rechnet man nicht damit ihnen in einem Kriminalroman auf Seiten der Ermittler zu begegnen, während man sie problemlos auf der „Täterseite“ akzeptiert. Im Fernsehen bekommen wir zwar mittlerweile öfter ausländische Ermittler zu sehen, allerdings sind diese in der Regel sehr eingedeutscht, so dass sie höchstens noch am Namen oder kleineren Zugeständnissen an andere Traditionen zu identifizieren sind. War ein schöner Denkanstoß für mich.

Fazit:

Diese Buch als Film würde mir absolut gefallen. Eine interessante Story, filmreife Figuren (denen gute Schauspieler den nötigen Schliff geben könnten) und ein überschauberer Schauplatz sorgen für den nötigen Rahmen. Als Buch für mich ein Fehlgriff, wenn auch nicht das schlechteste das ich dieses Jahr gelesen habe. „Südstern“ konnte mich leider weder von den Charakteren noch von der Sprache her überzeugen (auch wenn selbige zum Teil hoch gelobt wird und es rein technisch nicht viel zu meckern gibt). Der Plot hingegen ist gut durchdacht und die Nationalitäten der Protagonisten sowie der persönliche Umgang damit regen zum Nachdenken an. Ohne die merkwürdigen privaten Verstrickungen der Figuren hätte es ein wirklich spannendes Buch werden können.

Immerhin: Recherchiert hat Jonas Hartmann sicherlich viel, denn die Darstellung der polizeilichen Strukturen wirkt – wenn auch überzogen – durchaus glaubhaft.

3/5 Sternen