Inhalt:

Bei einem Sommerausflug stolpert eine Familie über eine entsetzlich zugerichtete Leiche. Das fünfte Opfer des „Metzgers“, eines Serienmörders, der seit einigen Wochen in Köln sein Unwesen treibt. Die Kölner Kripo ist mit ihrem Latein am Ende und schweren Herzens fordert Kriminalhauptkommissar Konrad Greiner Unterstützung an: Martin Abel, vom LKA Stuttgart, Deutschlands bester Fallanalytiker. Zusammen mit seiner neuen Kollegin Hannah Christ soll er der Ermittlung neue Impulse geben. Abel ist ein erfahrener Ermittler und hat schon viel gesehen, aber bei diesem Fall stößt er an seine Grenzen.

 Kritik:

Das Buch beginnt mit einem gelungenen Einstieg – eine Familie auf dem Weg zum Sonntagsausflug, die zufällig eine Leiche findet – und man ist sofort mitten im Geschehen. Kurz darauf lernt man den Protagonisten Martin Abel kennen. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein arrogantes, gefühlskaltes Arschloch: aggressiv, unhöflich, abweisend. Trotzdem war er mir nicht unsympathisch, sondern weckte Interesse zu erfahren was hinter seiner Fassade steckt. Bald wird klar, dass Abel auch eine andere, sehr einfühlsame Seite haben muss, denn sonst könnte er seinen Beruf auch nicht ausüben.

Im zur Seite steht Hannah Christ, seine neue Schülerin, beste ihres Jahrgangs. Eine übermäßig ehrgeizige, etwas zickige junge Frau die trotz ihrer Erfolge von Selbstzweifeln und Versagensängsten geplagt wird. Zu Beginn war sie mir sehr unsympathisch, aber im Verlauf der Handlung gewinnt ihre Figur an Farbe und sie erobert Seite für Seite das Herz des Lesers – ebenso wie Abel.

Inwiefern Abels Arbeitsmethoden den tatsächlichen Tätigkeiten eines Fallanalytikers entsprechen vermag ich nicht zu beurteilen, sie wirken zum großen Teil authentisch wobei sicherlich das ein oder andere der Phantasie des Autors entsprungen ist. Alles in allem scheint Rainer Löffler aber gut recherchiert zu haben.

Der Roman ist gut zu lesen, ansprechend geschrieben und leicht eingängig. Man kann sehr gut in die Geschichte eintauchen und fühlt sich mitten im Geschehen. Zu meiner großen Freude wurde auf übermäßige Schilderung der Gewalt verzichtet, trotzdem kann man die Details erahnen, da die Sprache des Autors sehr bildreich ist.  Die Handlung ist spannend, fesselnd und überzeugend, man kann mit den Figuren wunderbar mitfiebern und natürlich auch selbst „ermitteln“. Dieses Buch ist keine Sekunde langweilig, es gibt keine unnötigen Längen oder absurde Verzögerungstaktiken, die Wendungen sind stimmig, die Figuren agieren authentisch, der Täter wirkt glaubhaft. Vor allem das Verwirrspiel um die Identität des Täters ist sehr gut gelungen.

Schade fand ich nur, dass, bis auf das Letzte, die Opfer  kaum erwähnt werden und relativ in den Hintergrund treten.

Fazit:

Dieses Buch legt man nur aus der Hand, wenn man unbedingt muss. Ein wirklich fesselnder Thriller, bei dem es einem, trotz unblutiger und auf detaillierte Grausamkeiten verzichtenden Schilderungen, hin und wieder den Magen umdreht. Der Täter ist gekonnt verschleiert (Desinformation), auch wenn man ihn als aufmerksamer Leser durchaus enttarnen kann. Ein sehr gelungenes Debüt das Lust auf mehr macht. Ich freue mich schon auf einen weiteren Fall mit Hanna und Martin

5/5 Sternen

Rainer Löffler – Blutsommer
erschienen, 2012 im Rowohlt Verlag
496 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)

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