Umschlaglayout: Mara Ferr

Inhalt:

Louise, auf den ersten Blick eine feine Dame, ist 60 Jahre alt und eine Hure. Männer aus den höchsten Kreisen den Gesellschaft zählen zu ihren Kunden. Als in ihrem Umkreis vermehrt Männer verschwinden gerät sie in das Visir des Ermittlers Marcel. Dieser ist bald von ihrer Schuld überzeugt und versucht die Fassade der intelligenten, aber gefühlskalten Frau zu durchbrechen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Kritk:

Der Prolog zieht einen sofort in seinen Bann. Nach nur wenigen Seiten ist man tief in die Geschichte eingetaucht, auch wenn sich zunächst einmal viele Fragen auftun. Der Roman ist aus wechselnden Perspektiven der jeweiligen Sicht einer der Hauptfiguren geschrieben, u.A. Louise, Marcel, Martha und Alette. Auf den ersten Blick mag das komisch, gar verwirrend erscheinen aber im Prinzip ist es eine ungewöhnliche Art des Erzählens an die man sich schnell gewöhnt. Man ist in jedem Fall gespannt wie sich die Geschichte entwickeln wird.

So ist „41 Rue Loubert“ alles Andere als ein „normaler Kriminalroman“: Keine Ermittlungsarbeit, keine blutigen Leichen und auch um die Täterin wird kein großes Geheimnis gemacht. Trotzdem schafft es die Autorin Spannung zu kreieren, wenn der Leser versucht die Hintergründe zu begreifen. Mara Ferr erzählt eine tragische Geschichte um Familie, Loyalität, Verrat und menschliche Abgründe mit  interessanten, zum Teil sehr gelungen gezeichneten Charakteren. Vor allem die Figur der Louise gefällt mir sehr gut – stark, hart, vom Leben gezeichnet spielt sie ein perfides Spiel und ist doch  sensibel, manchmal fast sanftmütig.

Mara Ferr schreibt sehr angenehm und leicht eingängig, so dass man sich gerne von der Geschichte fesseln lässt. Auch die leicht melancholische Atmosphäre des Romans, wird sehr gut herüber gebracht und zieht einen in die Handlung hinein.

An manchen Stellen hat mich der Roman allerdings ein bisschen „verloren“, die Spannung nachgelassen und die Umsetzung mich nicht völlig überzeugt, obwohl die Thematik sehr interessant ist. Manchmal wäre weniger mehr gewesen und an anderer Stelle hätte etwas mehr Tiefe nicht geschadet.

Das Ende hat mich irgendwie ein bisschen enttäuscht, auch wenn ich das jetzt nicht näher ausführen kann, ohne zu viel zu verraten. Vielleicht muss ich aber auch nur noch einmal darüber nachdenken, ob es nicht doch das „einzig richtige“ und „einzig mögliche“ Ende gewesen ist.

Fazit:

Ein schönes Debüt einer – in meinen Augen – vielversprechenden Autorin. Angenehme Sprache, ein ganz eigener Stil und subtile Spannung, kombiniert mit einer interessanten Thematik, die an einigen Stellen vielleicht noch etwas anders umgesetzt hätte werden können. Alles in allem kann ich dieses Buch aber mit gutem Gewissen empfehlen! Man sollte jedoch definitiv keinen „Standardkrimi“ erwarten. Toller Roman mit kleinen Schwächen.

4/5 Sternen

Mara Ferr – 41 Rue Loubert
erschienen, 2012 bei tredition
256  Seiten
14,99 €