Inhalt:

In einer Baugrube in Norfolk werden die Knochen eines Kindes gefunden, nur der Kopf fehlt. Die Auffindungssituation erinnert an ein römisches Opferritual, bei dem man kopflose Menschenopfer unter der Türschwelle begrub, zu Ehren des Gottes Janus. Doch die forensische Anthropologin Dr. Ruth Gallway glaubt, dass die Leiche innerhalb der letzten 50 – 100 Jahre dort vergraben worden sein muss. Und sie hat Recht. Kurz darauf findet sie ihren Namen mit Blut an eine Steinmauer geschrieben und merkwürdige, ekelerregende Opfergaben liegen vor ihrer Haustür. Jemand scheint entschlossen der schwangeren Expertin Todesangst einzujagen. Ruth und DCI Nelson ermitteln in einem grauenerregenden Fall aus der Vergangenheit und das Böse drängt erneut ans Licht …

Kritik:

„Knochenhaus“, der zweite Roman der Britischen Autorin ist zu Beginn etwas langatmig, es dauert eine ganze Weile bis es überhaupt einen „Fall“ gibt. Die Handlung beginnt etwa drei Monate nach dem Ende von Teil 1. Das Hauptaugenmerk liegt anfänglich auf Ruths Schwangerschaft, ihrer „Beziehung“ zu Nelson und den privaten Problemen der Haupt-und Nebenfiguren. Die Charaktere bleiben aber, obwohl sie zum Teil etwas blasser und weniger ausgeformt wirken, sympathisch, liebenswert und menschlich. Man freut sich direkt auf ein Wiedersehen mit der schönen Shona und dem exzentrischen Cathbad. Schön wäre es jedoch gewesen, wenn die Autorin nicht sämtliche Schwangerschaftsklischees (Übelkeit, Rückenschmerzen, Extreme Gewichtszunahme) bedient hätte.

Nach dem ersten Drittel aber nimmt die Handlung zunehmend an Fahrt auf, die Geschichte entwickelt sich zu einer spannenden und hoch brisanten Familientragödie deren Ende (und Zusammenhänge) man zwar im Voraus ahnen kann, die aber dennoch sehr packend erzählt ist. Ruth und Nelson sowie deren privates und berufliches Umfeld bleiben zwar weiterhin im Vordergrund der Geschichte, fügen sich aber im weiteren Verlauf wesentlich besser in die Handlung des eigentlichen Krimis ein.

Sprachlich ist „Knochenhause“ wie „Totenpfad“ angenehm zu lesen, im Präsens geschrieben und besticht durch trockenen Humor. Die Erzählperspektive wechselt zwischen der aktuellen Handlung aus Sicht der Protagonisten und undatierten Tagebucheinträgen, die man erst relativ spät zeitlich einordnen kann.

Das Ende ist nochmal richtig spannend, wenn auch zum Teil ein Tick zu übertrieben und unrealistisch. Hätte man an manchen Stellen etwas realistischer gestalten können. Besonders gut gefällt mir aber, dass auch diesmal auf Grausamkeiten verzichtet wird und das ein Krimi sogar fast gänzlich ohne Mord auskommen und trotzdem spannend sein kann.

Fazit:

Überraschende Täter sind keine Stärke der Briten 😉 Trotzdem ist „Knochenhaus“ ein überzeugender Krimi. Nicht ganz so gut wie der erste Band, Totenpfad, vor allem da man sich im ersten Drittel wirklich überwinden muss weiter zu lesen. Dann entwickelt sich eine spannende, verstrickte, aber in großen Teilen durchaus realistische Story. In jedem Fall freue ich mich schon auf den dritten Teil der Reihe und auf ein Wiedersehen mit Ruth und Nelson. Elly Griffiths hat sich mit einem überzeugenden Zweitwerk in die Liste meiner Lieblingsautoren geschrieben.

4/5 Sternen  

Elly Griffiths – Knochenhaus
erschienen, 2012 im Rowohlt Verlag
348 Seiten
14,95 € (Broschiert)