Inhalt:

Daniel bekommt am Anfang der Geschichte einen Brief von seinem Zwillingsbruder Max, der ihn bittet, ihn zu besuchen. Die Geschwister haben keinen regelmäßigen Kontakt mehr und Daniel entschließt sich, dem Wunsch seines Ebenbildes nachzukommen. Landschaftlich wunderschön in den Bergen gelegen kommt er an einem sehr einsamen Sanatorium an und erlebt mit Max ereignisreiche Stunden in Himmelstal. Sie angeln u.a., gehen Fahrrad fahren, ein Bier trinken. Max zeigt dem Besucher die Umgebung und man bekommt hier bereits das Gefühl, dass es sich um eine sehr „enge“ und eingegrenzte Klinik handelt. Er überredet seinen Bruder, mit ihm die Rolle zu tauschen, da er „wichtige Geschäfte“ erledigen müsse und er es nicht in dem vom Krankenhaus gesteckten Zeitplan zurück schaffen würde. Abends und morgens wird nämlich die Anwesenheit der Patienten kontrolliert. Obwohl Daniel noch nicht eindeutig dem Tausch zugestimmt hatte, ist Max am nächsten Tag verschwunden. Daniel merkt sehr schnell, dass ihm nicht die ganze Wahrheit erzählt wurde und nicht (nur) Menschen mit BurnOut-Syndrom von den Ärzten behandelt werden…

Kritik:

Das Cover sah für mich wie das Titelfoto eines Heimatromans aus, eher unspektakulär. Ich hätte mir anhand des Erscheinungsbildes, dieses Buch nicht im Buchladen gekauft. Ich wäre auch nie auf das Genre gekommen. Es soll sich bei diesem Buch um einen Psychothriller handeln. Auf dem Cover steht schlicht und einfach „Roman“.

Ich habe eben auf dem Cover die Worte „Psychothriller“ und „Pageturner“ in der Empfehlung von Aftonbladet gelesen und musste innerlich schmunzeln.
Diese beiden Stichpunkte würden mir persönlich am wenigsten bei der Beschreibung dieses Romans einfallen – aber Geschmäcker sind unterschiedlich.

Die Geschichte hätte man gut und gerne zu einem Thriller, sogar zu einem Psychothriller, ausarbeiten können. Der Autorin ist dies aber noch nicht einmal ansatzweise gelungen. Schade, denn die Leseprobe bei vorablesen.de hatte mich zwar noch nicht sonderlich von den Füssen gehauen, hörte sich aber vielversprechend an und hatte mich auf das Buch neugierig gemacht.

Und für mich handelt es sich eindeutig nicht um einen Pageturner, obwohl der Schreibstil von Frau Marie Hermanson bzw. die Übersetzung aus dem Schwedischen von Frau Regine Elsässer flüssig und sehr angenehm zu lesen ist. Leider fehlt der Geschichte der nötige Pep und die Spannung.

Ich musste mich immer wieder zwingen, Himmelstal in die Hand zu nehmen und weiterzulesen, weil einfach so garnichts, aber auch wirklich NICHTS Spannendes in diesem Buch passiert.

Ab der Hälfte des Buches hatte ich das Gefühl, dass es jetzt langsam los gehen würde, aber das war leider nur ein kurzes Aufbäumen, das nach gefühlten 10 Seiten wieder abfiel.

Es wird versucht, einige Personen charakterlich herauszuarbeiten, wobei die Autorin hier sehr auf die Schiene GUT und BÖSE verfällt.
Daniel ist ein ahnungsloses, braves und natürlich gutes Schaf, Max ist der berechnende, egoistische und böse Bruder und dann gibt es eben noch einige Prügelknaben und liebesbedürftige Frauen, ehrgeizige und erfolgshungrige Ärzte in HIMMELSTAL…

Die Autorin erzählt die Geschichte mit Hauptaugenmerk auf Daniel gerichtet und schildert seine Sicht der Dinge.
Beim Lesen habe ich mir einige Mal innerlich an den Kopf gefasst und war von so viel Naivität erschrocken. Daniel soll mit Sicherheit sympathisch erscheinen, aber manchmal durchschossen Worte wie „So blöd kann man doch garnicht sein!“ meine Gedanken.
Max hat ihm zum Beispiel in einer kleinen Geschichte quasi auf dem Silbertablett serviert, dass er ihn täuschen und reinlegen will.

Ungefähr im letzten Viertel des Buches wird aufgelöst, worum es sich bei Himmelstal wirklich handelt. Und dann hätte der Roman eigentlich auch zu Ende sein können, aber es wird noch eine irrwitzige Handlung mit eingebaut, die meiner Meinung nach rein garnichts mit der Brüdergeschichte und dem Hintergrund, dem Sinn und Zweck des Sanatoriums zu tun hat. Vielmehr wird versucht, dem Leser einige Ängste vorzuhalten, was bei mir und für mich total daneben gegangen ist.

Fazit:

„Das war wohl nichts“ beschreibt es eigentlich schon haargenau. Nett geschrieben und ein schöner Ausdruck, aber leider ohne Pep und Spannung, einfach ermüdend – für mich einer der Flops in 2012… leider, denn die Geschichte hätte sehr gut ausgebaut werden können! Ich kann KEINE Empfehlung für dieses Buch aussprechen!

1/5 Sternen
Marie Hermanson – Himmelstal
erschienen, 2012 im Insel Verlag
427 Seiten
14,99 € (Broschiert)
Vielen Dank an Katja „Kaddel“ Peters für die schöne Rezension!
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