Inhalt:

In dem kleinen Dorf Shipcott  im englischen Somerset wird eine querschnittgelähmte alte Frau ermordet. Der Dorfpolizist Jonas Holly muss die Ermittlungen an Beamte aus der Stadt abgeben und wird in eine Statistenrolle gedrängt. Bald darauf wird eine zweite, ebenfalls schwer kranke Frau ermordet aufgefunden. Hat es der Mörder auf Pflegefälle abgesehen, die eine Last für die Familien sind? Jonas erhält zudem Drohbriefe, die ihn und seine Arbeit zu verhöhnen scheinen. Er gibt sich selbst die Schuld daran, dass er die Todesfälle nicht verhindern konnte und versucht auf eigene Faust zu ermitteln, gegen den Willen von DCI Mavel. Zu allem Überfluss muss er sich auch noch Sorgen machen, um seine Frau, die ebenfalls stark pflegebedürftig ist.

Kritik:

Der Roman spielt in England, im beschaulichen, aber langweiligen Exmoor. Nur ein Dorfbobby ist für ein riesiges Gebiet zuständig: Jonas Holly. Er kümmert sich liebevoll um seine an MS erkrankte Frau. Ihr zuliebe hat er sogar auf seine Karriere verzichtet und fristet jetzt sein Dasein als unterforderter Dorfpolizist. Holly wirkt eigentlich nett und sympathisch, trotzdem möchte man ihn manchmal aus dem Buch reißen, am Kragen packen und kräftig schütteln. Irgendwas hat er an sich, das einfach fürchterlich nervt. Auch die Abgeordneten der städtischen Polizei sind alles andere als Sympathieträger: Allen voran der arrogante, aggressive DCI Marvel, der keine Möglichkeit auslässt seine Umgebung zu schikanieren, gefolgt von seinen unterwürfigen, zum Teil recht dämlichen Untergebenen. Wie dieses Truppe Mordfälle aufklären soll mir ein Rätsel …

„Der Beschützer“, beginnt spannend und interessant. Zudem scheint die Autorin einen sehr angenehmen, typisch englischen Sinn für Humor zu besitzen. Dieser kommt auch des öfteren im Buch zum Ausdruck, so dass man immer wieder schmunzeln muss, obwohl die Story eigentlich recht tragisch ist.

Leider ist das Buch teilweise relativ langatmig und die meiste Zeit ärgert man sich über die handelnden Figuren – egal ob Protagonist oder Nebencharakter. Es nerven einfach alle – jeder auf seine eigene Art und Weise.

Trotzdem muss man weiterlesen und will herausfinden was nun passiert ist, warum die Frauen sterben mussten, wer denn eigentlich in einem solch überschaubaren Dörfchen sein Unwesen treiben kann und wie in aller Welt die Chaostruppe der Ermittler diesem Täter auf die Spur kommen will. Die nervenzehrenden Charaktere passen dann auch zum ironisch-sarkastischen Tenor des Buches, der sich durch die gesamte Handlung zieht. Hilfreich ist auch die angenehme Sprache der Autorin – bildhaft beschreibend und gut zu lesen.

Das Ende passt zum Rest des Buches: Nicht einzuordnen – irgendwo zwischen brillant und völlig abwegig (leider auch vorhersehbar).

Fazit:

„Der Beschützer“ lässt mich mit einem sehr zwiespältigen Gefühl zurück: lästig und gut, langweilig und spannend, fesselnd und abschreckend. Viele Längen, aber irgendwie doch interessant. Die Story kann nicht völlig überzeugen, ist aber auch nicht gänzlich schlecht. Die Sprache der Autorin und der englische Humor machen durchaus Spaß und so schwankt man beständig zwischen – weglegen und weiterlesen. Letztendlich habe ich mich fürs weiterlesen entschieden. Wenn man das Buch anfängt zu lesen, dann will man doch wissen wie es ausgeht. Aber man hat auch nichts verpasst, wenn man es nicht gelesen hat.

3/5 Sternen  

Belinda Bauer – Der Beschützer
erschienen, 2011 im Manhatten Verlag
382 Seiten
14,99 € (Broschiert)