Inhalt:

Ein abgelegenes Dorf in den Pyrenäen, eine hermetisch abgeriegelte Psychiatrie und ein grausam inszenierter Mord. Commandant Servaz und sein Team stehen vor einem Rätsel. Warum hängt jemand einen zerstückelten Tierkadaver in 2000 Meter Höhe auf? Was verbindet den Großindustriellen Eric Lombard, Besitzer des toten Pferdes, mit dem Mord an einem Apotheker? Gibt es einen Zusammenhang mit der angeblich ausbruchssicheren Anstalt? Was bedeutet der schwarze Schmetterling? Fragen über Fragen und der hoch intelligenter Täter scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein…

Kritik:

Was dieses Buch ist: spannend, beängstigend, gesellschaftskritisch, eine treffende Charakterisierung unserer Zeit. Was dieses Buch nicht ist: langweilig.

Schwarzer Schmetterling hat mich wirklich begeistert. Angefangen bei den Protagonisten Commandant Martin Servaz und der Psychologin Diane Berg. Servaz führt zwar das typische Polizistenleben, geschieden und mit der Arbeit verheiratet, ist aber im Gegensatz zu vielen seiner literarischen Kollegen nicht permanent von Selbstzweifel zerfressen oder depressiv. Ein fähiger Ermittler, ein kluger Kopf, der in seiner Arbeit aufgeht, sich aber auch in ihr verrennt. Vielleicht um sich von den Schwierigkeiten in seinem eigenen Leben abzulenken.

Im Gegensatz dazu die analytische, aber im Moment verunsicherte Psychologin, die in der abgelegenen Psychiatrie, unweit der Tatorte, soeben ihren Dienst angetreten hat. Irgend etwas an ihre Umfeld behagt ihr nicht und so ermittelt sie auf eigene Faust und versucht hinter das Geheimnis der Anstalt zu kommen. Glaubhaft schildert der Autor, warum Diane sich nicht mit den Ermittlern in Verbindung setzt, sondern eigenständig agiert.

Sämtliche Akteure sind interessant und ungewöhnlich, z.B Servaz Partnerin Irène Ziegler, der pensionierte Richter Saint-Cyr oder die toughe Staatsanwältin Cathy d‘ Humières.  Bald wird klar, dass jeder Mensch ein dunkles Geheimnis hat – egal wie sehr er es versteckt und wie gut  man ihn zu kennen glaubt.

Der Roman wird aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren erzählt, so dass man als Leser sowohl über die Ermittlungen der Polizei, als auch über die Vorgänge im Institut sehr genau informiert ist und eigenständig versuchen kann das Rätsel zu lösen. Bernard Minier versteht es – trotz der Fülle an Informationen – meisterhaft seine Leser im Dunkeln zu lassen, die Geschichte gipfelt schließlich in einem spannenden Ende und hinterlässt ein Gefühl der Beklemmung.

Die Sprache des Autors ist sehr bildhaft. Fast akribisch beschreibt er jede Situation und die handelnden Figuren bis ins kleinste Detail. Trotzdem wirkt dieser Stil hier nicht störend, sondern passt in die Gesamtheit des Buches und sorgt für eine einzigartige, kalte und düstere Atmosphäre.

An manchen Stellen stolpert man über sehr merkwürdige Formulierungen und ungewöhnliche Satzkonstrukte, die auch schon von einigen Lesern – zu Recht – kritisiert wurden. Da ich das seltene Vergnügen hatte das Buch sowohl im Original, als auch in der Deutschen Übersetzung zu lesen, kann ich sagen, dass diese Auffälligkeiten vor allem aus der teilweise, für mein Empfinden, sehr lieblosen Übersetzung herrühren.

Beispiel: Der Satz „Samira Cheung portait ce matin-là des hautes chaussettes à rayures horizontales rouges es blanches,..“ wird Wort wörtlich übersetzt: „Samira Cheung trug an diesem Morgen mit Rot und Weiß geringelte Kniestrümpfe“, ohne zu beachten, dass die Syntax im Französischen eine ganz andere ist als im Deutschen. Richtig wäre also gewesen mit „trug an diesem Morgen rot-weiß geringelte Kniestrümpfe“ zu übersetzen. Diese Fehler ziehen sich aber durch das gesamte Buch und zerstören zum Teil die sprachliche Wirkung des Romans.

Fazit:

Ein großartiges Roman, fesselnd und trotz der Länge keine Sekunde langweilig. Interessante Charaktere, tolle Atmosphäre und eine wirklich überzeugende Story. Einzig die Übersetzung schmälert das Lesevergnüngen. Trotzdem sollte man dieses Buch unbedingt lesen, Aber man muss sich „warm anziehen“, denn selbst im warmen Bett, oder auf den Sofa lässt einen die Kälte nicht los, die dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite vermittelt.

5/5 Sternen

Über den Autor:

Bernard Minier wurde 1960, im südwesten Frankreichs, in den Ausläufen der Pyrenäen geboren.  Bisher verfasste er ausschließlich  Kurzgeschichten, und erhielt dafür schon zahlreiche Preise.  „Schwarzer Schmetterling“ ist sein erster Roman, den er beinahe nie geschrieben hätte.  „Glacé“, so der Titel im Original wurde sofort zu einem vollen Erfolg, und  u.a mit dem renommierten französischen Krimipreis „Polar Prix“ ausgezeichnet. Derzeit arbeitet der Autor, der mit seiner Familie mittlerweile in Paris lebt, an seinem zweiten Roman.

Bernard Minier – Schwarzer Schmetterling (Original Titel: Glacé)
Deutsche Erstausgabe, erschienen 2012 im Droemer- Knaur Verlag
680 Seiten
14,99 € (Broschiert)

Mit bestem Dank an Bernard Minier, der mich nicht nur die Deutsche Ausgabe  signiert, sondern auch das Original zur Verfügung gestellt hat.  Es war eine interessante Erfahrung den Thriller teilweise auf Französisch zu lesen.