Inhalt:

Lea Johannsen erhält den, wohl von allen Psychologen gefürchteten, Anruf, dass eine ihrer Patientinnen sich das Leben genommen hat. Obwohl der Fall klar zu sein scheint lässt er ihr keine Ruhe. Schuldgefühle und die Angst in ihrem Beruf versagt zu haben nagen an Lea und so versucht sie, gemeinsam mit der Polizei, die Hintergründe von Susanna van der Neers Suizid zu ergründen. Dabei stoßen sie auf Ungereimtheiten. Was bedeutet die mysteriöse Nachricht auf dem Anrufbeantworter der Toten? In welche Gefahr sich Lea mit ihren Nachforschungen begibt ahnt sie jedoch nicht…

Kritik:

Der Anfang des Romans erscheint vielversprechend. Blumig, aber atmosphärisch erzählt die Autorin vom Tod Susanna van der Neers und stellt dem Leser die Protagonistin Lea Johannsen vor. Leider verliert sich Sophie Heeger im Verlauf der Handlung in zu vielen unwichtigen Details und Haar genau geschilderten Handgriffen sowie in überflüssigen Gesprächen. Dadurch wird die ohnehin recht sparsame Handlung der ersten 200 Seiten noch mehr in die Länge gezogen.

Zudem wirkte mir Lea, trotz der detailreichen Schilderungen, seltsam fremd. Nicht unsympathisch, aber schwer zu greifen. Ihr Mann und ihre Familie, die Kollegen sowie die Kommissare blieben eindimensional und oberflächlich. Zumindest verzichtete die Autorin weitgehend darauf gängige Klischees zu bedienen.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen Lea und Einschüben aus dem Leben Susannas. Im Prinzip sind solche Handlungsunterbrechungen angenehm und praktisch um dem Leser bestimmte Charaktere, z.B ein Opfer, dass nicht mehr selbst agieren kann, näher zu bringen. Hier wirken diese Einschübe aber zum Teil eher verwirrend, fehl platziert und sind auch deutlich zu ausführlich.

Erst ab etwa der Hälfte des Romans kommt ein bisschen Spannung auf und die Geschichte gewinnt etwas an Fahrt, jedenfalls kurzzeitig. Das Motiv und die Auflösung am Ende bleiben dem Stil des Buches treu: Wenig Aufregung, viel Text um nichts.

Trotzdem ein gut zu lesender, angenehmer Erzählstil. Man hat zwar keine Probleme das Buch auf die Seite zu legen, muss sich aber auch nicht wirklich zwingen umzublättern. Ein gewisses Interesse des Lesers wird geweckt, vor allem durch die sehr gut recherchierten Exkurse in die Psychologie und Philosophie.

Fazit:

Für Leser mit großem Interesse an psychologischen und philosophischen Theorien ein durchaus interessantes Buch. Wirklich Spannung kommt dabei leider nicht auf. Die Charaktere bleiben allesamt recht oberflächlich, trotz den ausschweifender Schilderungen ihrer Lebensumstände. Gefühle und Intentionen kommen insgesamt zu kurz. „Mephistos Erben“ kann man lesen, muss man aber nicht und 100 Seiten weniger hätten auch nicht geschadet.

3/5 Sternen (Gerade noch, weil es sich um ein Debüt handelt)

Sophie Heeger – Mephistos Erben
erschienen, 2012 im Fischer Verlag
479 Seiten
19,99 @ (HC)