Inhalt:

Im Jahr 2025 hat eine gewaltige Flutkatastrophe große Teile im Norden Deutschlands zerstört. Übrig blieben Hamburg und Lübeck, die sich aus der Not heraus zu einer Megacity zusammen schlossen. Hanseapolis war geboren. Fluggleiter und riesige Wolkenkratzer beherrschen das Stadtbild, technische Errungenschaften dominieren das tägliche Leben, Luft und Wasser sind verpestet und außerhalb der Stadt entwickelte sich eine undurchdringliche, gefährliche Vegetation.

Hanseapolis im Jahre 2066:

Dem Frischling im Morddezernat, genannt Sektion 3, Detektive Louann Marino und ihrem undurchsichtigen Partner Elias Kosloff wird ein grausamer Mord zugeteilt. Eine junge Panamerikanerin liegt zerfleischt in den Sümpfen vor der Stadt. Die Ermittlungen führen das ungleiche Ermittlerpaar in die Tiefen unterhalb der glänzenden Millionenstadt, in einen Morast des Verbrechens…

Kritik:

Schlangenfutter:

Der Debütroman von Miriam Pharo ist sicher kein alltäglicher Krimi/Thriller.  Allein die Kulisse der Stadt, die die Autorin fantasievoll und detailliert zeichnet, ist nichts, was man von der gängigen Krimiliteratur gewöhnt ist. Dazu kommen ungewöhnliche Fortbewegungsmittel, merkwürdige Alltagsrituale und vor allem eine hoch technisierte Polizei.

Trotz der unglaublichen Maschinen kann aber nicht die gesamte Ermittlungsarbeit von Robotern übernommen werden. Und hier kommen die Protagonisten ins Spiel. Louann Marino, eine hübsche, intelligente, hin und wieder an sich zweifelnde Polizistin, wird frisch in die Sektion 3 von Hanseapolis, die Mordkomission versetzt. Ihr Partner, Elias Kosloff, ein mürrischer, geheimnisumwitterter Einzelgänger ist davon alles andere als begeistert und zeigt das auch sehr deutlich. Trotzdem wirken beide Charaktere sympathisch, ihre Handlungen sind nachvollziehbar, wenngleich manchmal erschreckend. Gerade die Spannung zwischen den Protagonisten verleiht dem Buch eine ganz eigene Dynamik. Dies wirkt sich auch sehr positiv auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen der Ermittlungsarbeit und den technischen Details der futuristischen Welt aus.

Besonders gut gefallen haben mir die so genannten „Info Breaks“, in kleinen Kästen vom Fließtext abgesetzte Kurzinformationen, zu unbekannten Ausdrücken oder Techniken, die man bei Bedarf aber auch überspringen und erst später nachlesen konnte. So wurde die Handlung nicht durch weit schweifende Erklärungen gestört.

Sprachlich überzeugend, entführt die Autorin den Leser in die neuzeitliche Industrie Metropole und überrascht durch unerwartete Wendungen und immer neue Ideen. Das Ende des Buches macht (nicht nur) Lust auf mehr, man muss einfach weiter lesen.

An manchen Stellen hätte ich mir zwar ausführlichere Erläuterungen gewünscht, aber dennoch ist das Buch gut verständlich geschrieben. Die Vielzahl der ungewohnten Bezeichnungen verwirrt, entgegen meiner Befürchtungen, nicht. Und falls man sich doch einmal unsicher sein sollte, ist im Anhang ein hilfreiche Glossar beigefügt.

Es handelt sich bei „Schlangenfutter“ um den Beginn eines Zweiteilers und so bleiben am Ende natürlich einige Fragen offen.

Schattenspiele:

Man kann „Schlangenfutter“ kaum besprechen, ohne direkt den Folgeroman mit ein zu beziehen, da die Geschichte übergangslos weiter geht. Sprachlich genauso souverän wie beim Vorgänger, entführt die Autorin den Leser in die mittlerweile durchaus bekannte „unbekannte, neue Welt“. Die Spannung bleibt auch bei „Schattenspiele“ konstant erhalten. Ein intelligenter Thriller, der es dem Leser abverlangt mitzudenken, um die Handlung komplett zu begreifen. Gefällt mir gut.  Die meisten Fragen, die im ersten Teil noch nicht beantwortet wurden sowie daraus resultierende Verwirrungen lösen sich am Ende auf.

Die Protagonisten sind mir während der Lektüre richtig ans Herz gewachsen, so dass ich mit ihnen mitfiebern konnte, nein musste, und mich jetzt auf ein neues Abenteuer in Hanseapolis freue.

Fazit:

Zu Anfang war ich skeptisch, ob mir der Roman gefallen würde. „Zukunftsphantasien“ sind normalerweise nicht meine literarische Spielwiese. In diesem Fall wurde ich aber mehr als positiv überrascht. „Schlangenfutter“ sowie „Schattenspiele“ sind spannende Krimis vor futuristischer Kulisse, die neben den genannten positiven Aspekten auch durch ihren Ideenreichtum bestechen. Prädikat: Unbedingt lesen. Aber vorsicht: Suchtgefahr. Es ist unmöglich diese Bücher aus der Hand zu legen, wenn man nicht unbedingt muss.

5/5 Sternen


Miriam Pharo – Schlangenfutter
erschienen, 2009 im ACABUS Verlag
239 Seiten
12, 90 €

Miriam Pharo – Schattenspiele
erschienen, 2010 im  ACABUS Verlag
238 Seiten
12,90 €