Inhalt:

Kriminalobermeister Lorinser wird zu einem vermeintlichen Tatort gerufen. Der junge und wenig beliebte Thorsten Böse soll sich an einer Stele aufgehängt haben. Als die Polizeibeamten, zusammen mit dem Zeugen Bauer Hollenberg, am Denkmal eintreffen, ist die Leiche verschwunden. Dem Hohn und Spott seiner Kollegen zum Trotz entschließt sich Lorinser zu ermitteln, obwohl es dafür – zumindest in den Augen seiner Vorgesetzten – keine Veranlassung gibt. Irgendetwas ist faul in der ländlichen Idylle am Dümmer See….

Kritik:

Bei diesem Roman war ich zeitweise sehr zwiegespalten. Zum einen der Schreibstil des Autors. Es war zum Teil sehr anstrengend dem Geschehen zu folgen, da die viele Schachtelsätze den Lesefluss des öfteren störten. Die weit schweifenden Beschreibungen der Personen und Orte waren nicht immer förderlich für den Spannungserhalt. Auch in die, wahrscheinlich norddeutsch geprägte, Sprache musste ich mich als Münchner Kindl erst einmal einlesen. Allerdings war diese Herausforderung interessant, man konnte dadurch sehr leicht in die Geschichte eintauchen, es wirkte authentisch und an den Handlungsort angepasst.

Zum Anderen der Protagonist Kriminalobermeister Kristian Lorinser. Einerseits wirkt er intelligent, verständnisvoll und erscheint dem Leser als fähiger Ermittler. In manchen Situationen fühlt man sich aber durchaus geneigt in das Buch hinein zu springen, ihn am Kragen zu packen und zu schütteln, weil er sich völlig unsinnig benimmt. Diese Wechsel sind verwirrend,  lassen ihn aber auch realistisch wirken, machen ihn sympathisch und menschlich.

Die Geschichte an sich ist interessant, wenngleich nicht mit Action überladen oder extrem blutig. Polizeiliche Ermittlungsarbeit sowie das Seelenleben der Ermittler, z.B des Kollegen Franz Steinbrecher und deren Umgang mit den Erfahrungen des Polizeiberufes, stehen im Vordergrund. Ebenso detailliert wie überzeugend wird die Dorfgemeinschaft am Dümmer geschildert – von gegenseitigem Hass, Intrigen, bis hin zur Vetternwirtschaft ist alles dabei.

Fazit:

Ein interessanter Plot, glaubwürdige Charaktere und spannende Unterhaltung machen dieses Buch zu einem kurzweiligen Lesegenuss. Zwar sind die vielen verschachtelten Sätze etwas störend und man braucht eine Weile um sich an die sehr bildhafte Sprache zu gewöhnen, aber letzten Endes tut es der Geschichte selbst keinen Abbruch. „Bitteres Blut“ ist ein solider Kriminalroman, mit kleinen Schwächen, der einen, auch sprachlich, in den norden Deutschlands entführt.

4/5 Sternen

Mit bestem Dank an den Sutton-Krimi Verlag für das Rezensionsexemplar!

Willi Voss – Bitteres Blut
erschienen, 2012 im Sutton Krimi Verlag
317 Seiten
12,00 €