Inhalt:

London im Jahre 1888: Die siebzehnjährige Lady Violet Adair ist ein Freigeist. Der Adelsspross interessiert sich wenig für gesellschaftliches Ansehen, Bälle und schöne Kleider. Viel lieber möchte sie Erfinderin werden. Eines Abends wird aber genau ein solcher Ball für die gehobene Gesellschaft in ihrem Haus gegeben. Dort ereignet sich Unsägliches: Einer der erlauchten Gäste stirbt vor aller Augen. Es stellt sich heraus, dass es Mord war. Um den Ruf ihrer Familie zu retten beginnt Violet, unterstützt von ihrem Butler Alfred, auf eigene Faust zu ermitteln. Es soll nicht bei einem Todesfall bleiben, bald wird klar, dass auch das Königshaus in Gefahr ist. Violet hat alle Hände voll zu tun und zu allem Überfluss kreuzt auch noch ständig der gutaussehende, geheimnisvolle Mann mit der Augenklappe ihren Weg. Violet steht vor der Frage: Was geschieht hier und wem kann sie wirklich trauen?

Kritik:

Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Er spielt in einem fiktiven London des 19. Jahrhunderts unter der Regentschaft von Königin Viktoria I. Dampftechnik und Zahnräder beherrschen das Stadtbild, zwischen Adel und der Arbeiterklasse besteht eine strenge Hierarchie. Machtpositionen sind vor allem von Männern besetzt.

Die Protagonistin Violet, eine rebellische Adelige, ist damit natürlich nicht einverstanden, denn das steht ihrem Wunsch, eine bekannte Erfinderin zu werden entgegen. Sie wird sehr sympathisch gezeichnet, nicht hochnäsig oder arrogant, dafür aber clever und kreativ. Trotz allem merkt man ihr die gehobene Herkunft und Erziehung natürlich an, wodurch ihr Charakter realistisch und den Bedingungen der Zeit angepasst wirkt. Ihr treuester Verbündeter Albert, Butler der Familie und Violets Leibwächter, ist eine sehr interessante Figur: loyal, witzig, geheimnisvoll, von einer dunklen Aura umgeben und geprägt durch seine Vergangenheit.
Unterstützung erhalten die Beiden von den ebenso kuriosen wie sympathischen Artisten des mechanischen Zirkus von Mr Blakley. Und dann ist da noch der mysteriöse Einäugige, der sich mehr als verdächtig macht aber dummerweise Violets Herz höher schlagen lässt…

Violets Eltern, Lord und Lady Adair, bleiben leider relativ farblos. Während Lord Reginald, ein hoch angesehener Politiker, distanziert aber freundlich wirkt, nervt Lady Emmeline durch ihre Oberflächlichkeit, Hysterie und permanenten Migräneanfälle (Für die angesprochene Zielgruppe ist diese Charakterisierung der Eltern aber sicherlich sehr nah an der persönlich empfundenen Realität). Gegen Ende der Geschichte zeigt sich jedoch, dass den beiden das Wohl ihrer Tochter mehr am Herzen liegt als gesellschaftliches Ansehen. Und genau dieses Ende hat es dann wirklich in sich!

Auch sprachlich kann „Clockwork Spiders“ punkten. Gelungene Beschreibungen, ein ansprechender Erzählstil, intelligente sowie witzige Dialoge sorgen für angenehme Unterhaltung und Lesegenuss. Auch das Cover fand ich persönlich sehr ansprechend, passend zum Buch und der Geschichte.

Fazit:

Ich scheine dieses Jahr mit meinen Büchern ein glückliches Händchen zu haben. Auch für diesen Roman gibt es von mir eine klare Leseempfehlung. Ein sehr gelungenes Jugendbuch, das einen von der ersten Seite an packt und auch nicht mehr loslässt. Ich war direkt traurig, als ich die letzte Seite gelesen hatte. Garantiert nicht nur für Jugendliche, sondern auch für jeden erwachsenen Freund spannender Unterhaltung eine gute Wahl. Man muss sich allerdings beim Lesen bewusst sein, dass hier kein perfider Thriller vor einem liegt, sondern die Zielgruppe des Buches ganz klar bei 12-14-Jährigen liegt. Wer sich darauf einlassen kann, wird nicht enttäuscht werden! Das Buch wird sicher nicht das Letzte sein, das ich von dieser Autorin lese.

Kleine Randnotiz:
Der vorliegende Roman kann dem Genre „Steampunk“ zugeordnet werden. Für nähere Informationen bitte hier klicken!

Zur Autorin:
Corina Bomann, geboren 1974 in Parchim, lebt mit ihrer Familie in Berlin. Bekannt wurde sie u.a. für ihre Sephira – Fantasyreihe. Neben Jugendbüchern schreibt sie aber auch historisch angehauchte Romane für Erwachsene. Nähere Informationen gibt es auf ihrer Homepage.

Mit bestem Dank an den Verlag Carl Ueberreuter für das Rezensionsexemplar!

Corina Bomann – Clockwork Spiders
Deutsche Erstausgabe, erschienen 2012, Verlag Carl Ueberreuter
398 Seiten
16,95 € (Hardcover)