Inhalt: 

Dr. Watson, der mittlerweile mit seine Frau Mary zusammen lebt, besucht in ihrer Abwesenheit seinen alten Freund Sherlock Holmes. Natürlich stolpert den beiden Spürnasen prompt ein Fall ins Haus: Ein gewisser Mr. Carstairs, Galerist der renommierten Kunstgalerie Carstairs & Finch, betritt die Bakerstreet 221b und schildert seinen Fall: Er fühlt sich von einem Amerikaner bedroht, einem Gangster, der den Tod seines Bruders rächen will. Kurze Zeit später wird der Mann ermordet aufgefunden. Aber das ist nicht das Ende, des Falles, sondern erst der Anfang einer Ermittlungsarbeit, die Sherlock Holmes in die größte Gefahr seines Lebens bringen wird..

Kritik:

Meine Erwartungen an das Buch waren nicht sonderlich hoch, da ich schon viele Sherlock-Holmes Pastiches gelesen habe und bisher kaum eine davon begeistert hat. In diesem Fall aber wurde ich mehr als positiv überrascht. Anthony Horowitz gelingt etwas, dass meiner Meinung nach vorher noch keiner geschafft hat: Er schreibt sehr nah am Original, ohne einfach nur zu kopieren und vereint moderne Spannungselemente mit klassischer Krimikunst. Der Roman ist von der ersten bis zur letzten Seite fesselnd, ohne übertrieben brutal oder blutig zu sein. Die Zusammenhänge blieben dem Leser, in gewohnter Holmes Manier,  bis zum Schluss verborgen.  Der Roman dürfte auch jüngere Leser reizen, da er etwas actionreicher und rasanter geschrieben ist, als die Werke von Doyle.
Dr. Watson schildert, gewohnt eindrucksvoll und wortgewandt, jedes Detail der Ermittlungen und seine Gedanken dazu, während Sherlock Holmes schwer durchschau bleibt. Allerding wirken beide Männer etwas emotionaler und menschlicher, weniger distanziert, was ich als durchaus angenehm empfinde. Sehr schön sind auch die zahlreichen Rückbezüge zu vorherigen Fällen, sowie das Wiedersehen mit alten Bekannten.
Auch die Aufmachung des Buches ist sehr ansprechend. Ein schlichter, schwarzer Leineneinband, mit verspielter, ähnlich einem Band geschwungener, weißer Schrift und der stilisierte weiße Holmeskopf, harmonieren hervorragen mit Thematik und Titel. Das, ebenfalls weiße, Lesebändchen ist hier nicht nur ein nützliches Accessoire, sondern unterstreicht die Handlung.

Fazit:

Dieses Buch ist ein absolutes Muss für jeden Sherlock Holmes Fan und für all jene, die es noch werden wollen. Sir Arthur Conan Doyle wäre sicher begeistert von diesem Roman, der seine großartige Figur einmal mehr zum Leben erweckt. Sprachlich sehr nah am Original, ohne wie billiger Abklatsch zu wirken. Ganz im Stil des großen Doyle und trotzdem eigenständig. Spannend, atmosphärisch und begeisternd. Ich hoffe sehr, dass Mr. Horowitz die Zeit und die Muse finden wird noch einen weiteren Roman zu schreiben.

5/5 Sternen

Anthony Horowitz (Der neue Sherlock Holmes) – Das Geheimnis des weißen Bandes.
Deutsche Erstauflage erschienen 2011 im Insel Verlag
351 Seiten
19,95 €