Inhalt:

Wir befinden uns, zusammen mit dem höchst enthusiastischen Kriminalhauptkommissar Henning Bröhmann im Vogelsberg, zur schönsten Zeit des Jahres: im Fasching. Darauf hat Herr Bröhmann keine Lust, genauso wenig wie auf den Fall, der ihn aus seiner tristen Alltagsroutine zu reißen droht: Ein Toter auf dem Faschingsumzug, verkleidet als Tod. Toter geht’s nicht.
Ein Unglück kommt bekanntlich selten allein: Am selben Tag wird Henning auch noch von seiner Frau Franziska verlassen. Und so muss sich der Kommissar nicht nur mit Ermittlungsarbeiten herumschlagen, sondern auch noch sehen, wie er ohne seine Frau mit seinen beiden Kindern, dem Hund Berlusconi und dem Drahtseilakt zwischen Arbeit und Familienleben zurecht kommen kann.

Die Ermittlungen Bröhmanns und seiner Kollegen führen bald in die (un-)Tiefen der mittelhessischen Faschingskultur und zu dem bekannten aber wenig sympathischen Schlagersänger Herr Bärt sowie zu jahrelang verschwiegenen Skandalen und Abgründen der Gesellschaft. Ob Kriminalhauptkommissar Bröhmann mit Kollegen den Fall lösen kann, wie er sich als Vater schlägt und ob seine Frau doch noch zurück kehren wird, findet man besten selbst heraus.

Kritik:

Gleich zu Beginn des Buches wird klar: Ein Kriminalroman ist das nicht. Spannend wird es trotzdem. Voll Witz und Charme geleitet uns Herr Faber durch die Welt des wenig motivierten, dafür aber umso mehr memmenden Kriminalhauptkommissars Henning Bröhmann. Begleitet wird dieser von seiner stark pubertierenden Tochter Melina, deren Hormonschwankungen meist zu wenig erfreulichen Konversationen führen, seinem Sohn Laurin, dessen Kindertagesstätte „Schlumpfloch“ ein wahres Paradies  für Öko-Übereltern mit komplex behafteten Kindern ist (also nichts für Henning, die Memme, Bröhmann) und seinem dauerpfurzenden Hund Berlusconi.
Auf Seiten des Gesetzes findet Bröhmann bei der attraktiven, sehr motivierten, jungen Kollegin Miriam Meisler und dem beifallheischenden, etwas weniger anziehenden, kaum sympathischen, aber dafür wesentlich geruchsintensiveren Kollegen Teichner, Unterstützung. Nicht zu vergessen „Onkel Ludwig“,der Kriminaloberrat und der, aufgrund eines familiären Schicksalsschlags derzeit außer Dienst stehende, Kollege Markus Meirich. Von Superermittlern, wie man es aus den „klassischen Thrillern“ gewohnt ist, ist diese Provinztruppe weit entfernt, das mindert aber nicht ihre Einsatzbereitschaft. Jedenfalls fast nicht.
Noch einige weitere, zum Teil äußerst nervenaufreibende Charaktere mit starkem Wiedererkennungswert (protziger möchtegern VIP, nervige Miteltern…) komplettieren die Besetzung der Geschichte und machen sie zu einem einzigartigen Vergnüngen.
Dietrich Faber schreibt und beschreibt herrlich skurril und irgendwie abgedreht aber dennoch so nah an der Realität, dass man unweigerlich in die Geschichte gezogen wird. Man ist kein Zuschauer auf einer erhöhten Postion, kein allwissender Leser, man ist mittendrin.

Fazit:

Tiefgründiger Humor, gewürzt mit einer Prise Kriminalroman und viel frischem Wind. Sympathische bzw. herrlich unsympathische Charaktere, in denen man sich (oder seine Feinde ) jederzeit selbst wiederfinden kann, gespickt mit einer netten Portion Gesellschaftskritik machen dieses Buch zur einer großartigen Unterhaltung. In jedem Fall eine klare Leseempfehlung an alle Buchliebhaber, die gerne kurzweilig unterhalten werden. Und für die Lesefaulen gibt es das – ebenso empfehlenswerte – Hörbuch🙂
5/5 Sternen
Dietrich Faber – Toter geht’s nicht
erschienen, 2011 im Rowohlt Verlag
288 Seiten
13,95 €(Broschiert)
ISBN: 978-3862520244
Vielen Dank an den Rowohlt Verlag, der mir dieses Buch überraschenderweise geschenkt hat🙂