Inhalt:

Wolf Hetzers erster Fall wird gleich besonders delikat. In einer kalten Winternacht wird der Pfarrer Josef Fraas ermordet und seine Leiche am nächsten Morgen am Weserufer aufgefunden – entmannt. Noch während die Polizei ermittelt verschwindet der stadtbekannte Politiker Benno Kuhlmann. Wolf Hetzer und sein Kollege Peter Kruse sind ratlos. Ihre Ermittlungen scheinen ins nichts zu führen, denn der Täter hinterlässt keine Spuren. Eine spannende Jagt beginnt, deren Ende niemand vorhersehen kann.

Kritik:

SchattenHaut ist ein Krimi der besonderen Art. Sogar die ersten zwei Seiten schaffen es, mit wenig Text den Leser völlig zu verblüffen und in den Bann zu ziehen. Die im weiteren Verlauf der Handlung auftretenden Personen sind liebevoll gezeichnet und ausgiebig charakterisiert. Dennoch bleibt genug Raum für die eigenen Fantasie. Zu beachten ist vor allem Nané Lénards Sprache, bzw. Erzählstil, der sich doch von dem einiger Kollegen unterscheidet. Verspielt, detailliert und dennoch nicht überladen. Mal blumig romantisch, an anderer Stelle trocken und hart – aber stets passend zur aktuellen Handlung. „Möglicherweise kommt da das Dichterlein manchmal durch… „sagt sie selbst, über ihren Schreibstil.

Der Krimi wechselt im Erzählstrang immer wieder zwischen den beteiligten Personen, so dass man als Leser über viele, verschiedene Blickwinkel verfügt. Die gesamte Ermittlungsarbeit der Polizei sowie die der Rechtsmedizin und Spurenanalyse sind gut recherchiert und angenehm verständlich geschildert. Auch diejenigen, die gerne den Täter erraten wollen, kommen bei diesem Buch nicht zu kurz. Endlich wieder eines der Bücher, bei dem nicht ab der dritten Seite völlig offensichtlich ist, wer der ach so schwer zu greifende Täter sein könnte und das, obwohl einem sehr schnell klar wird, wer der Täter ist. (Verwirrend? Ja genau!) Sehr angenehm ist auch die relativ unblutige Schilderung der Gewalttaten. Der Leser kann sich durchaus vorstellen, was geschieht und wie es geschieht, aber auf übertriebene Grausamkeit wird verzichtet.

Der einzige Kritikpunkt, dem man bei diesem Buch anbringen könnte wäre der, dass es wenige wirkliche Wendepunkte in der Handlung gibt. Allerdings ist das in meinen Augen hier gar nicht nötig. Hin und wieder hat man als Leser ja das Gefühl, dass durch diese konstruierten Täuschungsmanöver ein Buch nur unnötig in die Länge gezogen werden soll und das nimmt mehr Spannung, als welche zu erzeugen. Durch diesen relativ geradlinigen Ermittlungsverlauf, der durchaus in einigen Sackgassen endet, wirkt die Geschichte sogar realistischer.

Positiv ist, neben der Spannung, der Lesefreude und der kurzweiligen Unterhaltung vor allem das Ende zu erwähnen, dass ausreichend „Action“ bietet ohne überdreht oder überzogen zu wirken. Kein Superheldeinzelkämpfer, der es mit einem, bis an die Zähne bewaffneten Psychopathen aufnimmt, drei mal aufgrund eigener Dummheit fast ermordet wird und den Täter schließlich bei einem Sprung von Hochhaus zu Hochhaus entwaffnet. Gott sei Dank!

Fazit:

Ganz klare Leseempfehlung für alle. Ein sehr gelungenes, düsteres, spannendes Krimidebüt, mit einer Thematik, die ich so noch in keinem anderen Buch gelesen habe. Von der ersten bis zur letzten Seite fesselnd, so dass man es kaum aus der Hand legen möchte. „SchattenWolf“, der 2te Teil der Reihe, wartet schon darauf von mir gelesen zu werden.

5/5 Sternen

Nané Lénard – SchattenHaut
erschienen, 2011 im CW Niemeyer Buchverlag
352 Seiten
9,95 €