Liebe Muse,


lass dir sagen, ich will mich wirklich nicht beklagen,
darum – du hast’s dir sicher schon gedacht – wähl ich die Worte mit Bedacht.
Aber ich kann es nicht bestreiten, da gibt es ein paar Kleinigkeiten,
die machen dich, ich sags nicht gern – zu einer Hure vor dem Herrn.
Zum einen find ichs unerhört, von dir fühlt jeder sich betört
und was noch viel schlimmer ist – ein jeder zweite auch geküsst!
Erstaunlich oft träumt jemand hier von einer Liaison mit dir,
merkt eher nie, als viel zu spät, dass du ihm nur den Kopf verdrehst.
Er hält sich deshalb ungehemmt für einen Dichter mit Talent
und fühlt sich dann bisweilen dazu berufen dies mitzuteilen.
Turnt tapsig am Verbaltrapez, ohne doppelten Boden und Sicherheitsnetz,
blickt beifallheischend in die Welt – und fällt.




Drum liebe Muse, sei so nett, lass nicht jeden in dein Bett
Ich sag dir ehrlich wie es ist: mancher bleibt lieber ungeküsst!






Es grüßt dich ergebenst mit dieser Beschwerde


deine Vero,


vom Planeten Erde