Durch die Leserunde der Facebook Seite „Crimethrill“ bin ich auf das Buch „Der Regler“ von Max Landorff aufmerksam geworden. Nach den ersten Seiten zum testlesen war ich durchaus skeptisch, ob das Werk hält, was der Klappentext verspricht: „Der perfideste Deutsche Thriller des Jahres“, zu sein.

Inhalt:

Die Hauptfigur des Buches ist ein gewisser „Tretjak“, ein „Geschäftsmann“ aus München, der sich darauf spezialisiert hat, die Probleme Anderer, meist wohlhabender Klientel in Machtpositionen, zu lösen und ihre, oftmals rufschädigenden, Episoden aus der Vergangenheit zu entfernen. Mitten in einem, wie es scheint, einfachen Fall, wird aber der Regler selbst von der eigenen Vergangenheit eingeholt und diese ist weitaus schwieriger in den Griff zu kriegen, als das Leben fremder Menschen.

Kritik:

Das Cover des Buches ist sehr schlicht gestaltet, eine im Schatten verborgene Figur, deren Gesichtszüge man als männliche identifizieren kann, und die in Kleidung und Pose stark an James Bond erinnert „steht“ auf, dem in blau gestalteten Titel des Buches. Dies verstärkt, den durch den Klappentext hervorgerufenen Eindruck, dass es sich beim Titelhelden um eine, im verborgenen agierende Figur handelt. Somit harmoniert die Covergestaltung durchaus mit der Geschichte und den Erwartungen an sie.

Das Buch selbst ist in drei Abschnitte unterteilt: Die Täuschung, Die Entfremdung, Am See.

Teil 1 beschreibt, in jeweils kurzen Abschnitten und ständig wechselnden Schauplätzen das Leben und Wirken Tretjaks, einzelne Episoden aus dem Leben seiner Klienten sowie die Ermittlungsarbeiten der Polizei bei einigen durchaus bestialischen Morden, die mit Tretjak in Verbindung zu stehen, scheinen. Das Hauptaugenmerkt liegt aber auf dem Regler selbst. Man erfährt neben Details seiner Arbeit auch viele Einzelheiten aus seiner Kindheit und seinen jungen Jahren und gewinnt einen Einblick in seine Psyche. Dabei spielt vor allem die Beziehung zu seinem Vater eine große Rolle.
Teil 2 spielt etwa vier Monate nach dem ersten Teil und erzählt wie das Leben der dort vorgestellten Personen, weiter geht, wie Tretjak mit der neuen Situationen, in der er sich befindet, umgeht und vor allem den Zwiespalt der Beteiligten, denen das Ende der Ermittlungen keine Ruhe lassen will.
Teil 3 schließlich ist das große Finale, bei dem fast alle Fäden zusammenlaufen. Das Ende lässt auch durchaus die Möglichkeit einer Fortsetzung offen.

Sprachlich ist das Buch sehr schön geschrieben, flüssig zu lesen aber dennoch anspruchsvoll. Die vielen wechselnden Personen und Schauplätze sind zeitweise etwas verwirrend, aber sie tun der Spannung keinen Abbruch. Sie wird gerade dadurch noch erhöht, dass immer im entscheidenden Augenblick eine neue Wendung eintritt, die so nicht vorherzusehen war. Aber gerade der „schnelle Leser“ wird bei diesem Buch entweder sein Tempo drosseln, oder des öfteren mal ein paar Seiten zurück blättern müssen, um dem Geschehen wirklich folgen zu können.
Die Figuren sind schön gezeichnet, sehr gut beschrieben und gut charakterisiert, so dass man sie sich in seinem geistigen Auge problemlos vorstellen kann, aber dennoch genug Spielraum für eigene Interpretationen bleibt. Die Handlung ist in sich stimmig und logisch, auch wenn die Hauptarbeit des Reglers – wie er Informationen beschafft und verschwinden lässt – sein Geheimnis bleibt.

Die, in meinen Augen, einzigen wirklichen Kritikpunkte an diesem Buch sind zum einen, der relativ schwache Einstieg, der wahrscheinlich den ein oder anderen Leser um die Geschichte bringen wird. Zum Anderen der relativ offensichtlich zu erkennende Täter, auch wenn am Ende noch eine kleine Überraschung dafür sorgt, dass man nicht all zu enttäuscht darüber ist „mal wieder Recht gehabt zu haben“.

Fazit:

Alles in allem ein, wie ich finde, sehr spannender Thriller, der relativ unspektakulär beginnt, aber zunehmend an Fahrt gewinnt. Man will nach den ersten Seiten nicht unbedingt weiter lesen, weil man sofort gefesselt ist, sondern eher weil man wissen möchte worum es eigentlich geht. Aber nach ein paar Seiten ist man, auch aufgrund des angenehmen Sprachflusses tief in die Geschichte eingetaucht und es fällt einem schwer, das Buch auch nur für ein paar Minuten aus der Hand zu legen. Es besteht durchaus die Gefahr, dass es ein sehr „kurzes“ Lesevergnügen wird, da man unter Umständen erst aufhören kann, wenn die letzte Seite gelesen ist.

Auch den „Rätselfreunden“ unter den Lesern ist es möglich, selbstständig zu ermitteln um den Täter letztendlich zu entlarven. Aber aufgepasst: Wer hier einen Thriller mit detailliert ausgearbeiteter Ermittlungsarbeit erwartet und auf möglichst blutige Schilderungen der Tatorte hofft wird enttäuscht werden. „Der Regler“ stellt die psychische Gewalt in den Vordergrund.

Letzten Endes bleibt es dem geneigten Leser selbst überlassen, zu entscheiden, ob er das Buch lesen möchte oder nicht – da kann auch „der Regler“ nicht helfen 😉

4/5 Sternen 

Max Landorff – Der Regler
erschienen, 2011 im Fischer Verlag
335 Seiten
13,95 € (Broschiert)

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