Lovelybooks präsentiert:
Die Livestream Lesung mit Stephan M. Rother aus dem Eiskeller in Hamburg.

Vorweg: Viel sagen brauche ich nicht, ihr könnt euch die Lesung nämlich gleich selbst anschauen. Zwar nicht mehr live, aber dennoch in voller Länge :) Wir Mädels und Jungs, die wir uns gestern sozusagen gemeinsam vor den Rechnern eingefunden haben sind uns aber einig: Es war großartig, spannend, lustig, informativ und einfach sehr unterhaltsam. Stephan ging richtig auf in seiner Lesung, man hat ihm angesehen wie viel Spaß er daran hatte. Der Enthusiasmus  übertrug sich dann sogar auf das eher unterkühlte Hamburger Publikum ;-) Und ein paar glückliche Zuhörer durften am Ende mit handsignierten Büchern nach Hause gehen… ich wäre ja fast neidisch, wenn, ja WENN…aber seht selbst…

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Falls das Video hier nicht funktionieren sollte bitte hier klicken: Livestream Lesung Lovelybooks

Im Anschluss an diese wirklich tolle Lesung hat Stephan noch ein paar Fragen der Anwesenden beantwortet, aber es wurde wohl eine sehr kurze Fragerunde. Die eintreffenden ARGenten, die Christin leider nicht retten konnten, waren scharf auf das Buffet. ;-)

Auf die Frage nach seiner persönlichen größten Angst antwortete der Autor zunächst recht knapp: “Das dieser Roman floppt”. Danach erläuterte er aber etwas ausführlicher, dass ihm solche, wie im Roman geschilderten Situationen, die Mordserie die mit Ole Hartung beginnt, das Spiel mit der Angst, zusetzen. Außerdem ist er kein Freund von Stadtverkehr, weswegen seine Frau Katja oft am Steuer sitzt.
Zudem hat er – auf seine ganz eigene humorvolle Art – erörtert, warum sich Dirk Bach nicht als Schurke für eine Mordserie eignet.

Da nun gestern Abend einige Zuschauer traurig waren, dass sie dem Autor keine Fragen mehr stellen konnten, gibt es nun im Anschluss noch ein kleines (fast spontanes) Interview mit Stephan. Aus sicherer Quelle weiß ich übrigens, dass es auch bei Lovelybooks diesen Monat noch jede Menge Möglichkeiten geben wird ihn mit Fragen zu löchern ;)

Liebe LeserInnen,

ich habe mich entschlossen eine etwas andere Art von Interview zu führen. Die Fragen nach dem Werdegang zum Schriftsteller wurden hinreichend gestellt und werden sicher noch oft genug beantwortet, z. B  bei Lovelybooks

Foto: Katja Rother

Name: Stephan Rother
Wohnort: am Rande der Lüneburger Heide
Geburtsdatum: 27. Oktober 1968
Größe: -
Augenfarbe -
Haarfarbe/Frisur:
*harhar*
Gib uns doch bitte einen kurzer Überblick über deinen Werdegang:

Geboren und aufgewachsen im niedersächsischen Wittingen an der damaligen innerdeutschen Grenze. Nach dem Abitur Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Deutschen Philologie in Göttingen. 1997 Graduierung zum Magister Artium (M.A.) und 1993 bis 2008 Kabarettkarriere als “Magister Rother, Deutschlands erster, bester – und einziger – Standup Historian”. Erste Romanveröffentlichung 2000 mit dem mittelalterlichen Mystery-Thriller “Der Adler der Frühe”.

Lieber Stephan, wir hatten uns ja kürzlich über das Thema Interviews unterhalten und im Zuge dessen kam mir die Idee die erste Frage etwas “anders” zu stellen. Kurz und gut: Welche Frage in einem Interview würdest du dir selbst gerne stellen?

Warum eigentlich schreibst du?

Ganz altmodisch: Weil diese Geschichten da sind, und ich spüre, dass sie erzählt werden wollen. Weil da draußen auch eine Menge schlechterer Bücher unterwegs – und erfolgreich – sind. Deshalb freue ich mich, wenn sich jemand etwas aus meinen Büchern macht. Einen Gedanken zum Beispiel.

Kommen wir zu deinem neusten Buch: “Ich bin der Herr deiner Angst”. Einige Leser haben Probleme mit der Figur des “Jörg Albrecht”. Sie beschreiben ihn als “zu distanziert, zu wenig greifbar, schwierig hineinzuversetzen”. Und oft liest man in den Rezensionen die Frage ob diese Charakterisierung der Figur beabsichtigt war. War sie es denn? Wie würdest du Jörg Albrecht beschreiben, wenn du einem Freund von ihm erzählen müsstest?

Zunächst einmal ist er wohl schlicht ein Norddeutscher. Bekanntlich suchen wir ja zum Lachen gern den Keller auf. Mag sein, dass Jörg Albrecht einigen Lesern nicht besonders sympathisch ist (was für ihn vermutlich bedeutungslos wäre), zumindest aber ist er echt und spielt uns nichts vor. Dass er seinen Mitarbeitern keine Zeit fürs Privatleben lässt, kann man ihm kaum vorwerfen; schließlich hat er selbst keins und tut was er kann, um nicht dran erinnert zu werden.

Ein Punkt im Buch, der mich selbst ein wenig irritiert hat ist die Tatsache, dass die Kommissare selten bewaffnet sind. Mein Wissen – und ich denke meisten LeserInnen geht es da ähnlich – ist im Bezug auf die Gewohnheiten von Kriminalisten eher begrenzt. Im Fernsehen scheinen sie jedenfalls ständig mit der Waffe im Anschlag aufzutreten. Haben wir in dieser Richtung vielleicht ein etwas verzerrtes Bild von der Realität?

Kriminalbeamte führen ihre Waffen je nach Anlass, so auch in unserer Geschichte. Auf dem Revier mit ihr rumzulaufen wäre in jedem Fall Blödsinn – und soll Hannah Friedrichs ihre Waffe mitnehmen, um einen Fünfjährigen zu verhören? Dass sie von diesem “Verhör” übergangslos zu einem anderen – gefährlicheren – Einsatz abgestellt wird, kann sie zu diesem Zeitpunkt nicht absehen. Die wirklich gefährlichen Situationen ergeben sich aus der Dynamik des Geschehens, ganz wie im richtigen Leben, das ja ebenfalls brandgefährlich ist.

Das Buch behandelt ja sehr stark das Thema Phobien, d.h. krankhafte Ängste die den darunter leidenden Menschen das Leben zur Hölle machen können. “Todesangst” ist wohl ein Gefühl in das man sich kaum hineinversetzen kann, wenn man nicht selbst schon empfunden hat. Die Wissenschaft streitet sich, ob man nun wirklich “vor Angst” sterben kann, oder nicht. Wie ist deine persönliche Meinung dazu? Glaubst du, dass man Menschen tatsächlich töten kann, wenn man sie ausreichend ängstigt, oder ist das eher eine “düstere Legende”?

Mit Sicherheit KANN man das. Die Frage ist, ob der Tod mit derselben Sicherheit eintreten wird wie, sagen wir bei einem gezielten Kopfschuss. Eine bedeutende Rolle würde selbstverständlich die körperliche und seelische Grundkonstitution des ausersehenen Opfers spielen.

Und nun die wohl wichtigste aller Fragen: Wird es ein Wiedersehen mit Jörg Albrecht, Hannah Friedrichs und der gesamte Abteilung der PK Königsstraße geben?

Unter uns: Ich habe das ungute Gefühl, dass noch eine ganze Reihe düsterer Geschichten auf das PK Königstraße warten.

Zum Abschluss noch ein paar kleine Fragen ;)
a) Beschreibe dich selbst in 3 Worten

Vorschläge meiner Frau: Märtyrer, Pedant, Klassenclown in veränderlichen Gewichtsanteilen.

Ich leide körperlich, dass meine Veröffentlichungen nur als Spannungsromane wahrgenommen werden und nicht für irgendwelche stilistischen Finessen, über die ich stundenlang gegrübelt hab und den philosophischen Schwurbel, der mir so am Herzen liegt.

b) Beschreibe dein Zuhause in 3 Worten

Atmosphäre. Viel davon.

Max, der in der Lesung erwähnte Kater (Foto: Stephan Rother)

c) Hast du Haustiere? Wenn ja, wie viele und wie heißen sie?

Max, Maddy, Monty und Minni. Theoretisch Katzen. Faktisch schwankt die Spezies je nach Tagesform zwischen Fünfzehenfaultier und Tasmanischem Teufel.

d) Wenn du einen Wunsch frei hättest, wie würde er lauten?

@Menschheit: Etwas mehr Mühe wär schon was.
@me: Etwas mehr Geduld aber auch.

e)Gibt es noch etwas, dass du deinen Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Wir müssen mehr Fantasie wagen!

Vielen Dank lieber Stephan für die Zeit und für die tolle Lesung, danke auch an das LovelybooksTeam für die Organisation und dem rowohlt Verlag für die signierten Exemplare des Buches :)

Sogar bei einem schriftlichen Interview gibt es Outtakes, oder zumindest freudsche Verschreiber:

Meine Frage (samt Tippfehler):Ein Punk im Buch, der mich selbst ein wenig irritiert hat ist die Tatsache, dass die Kommissare selten bewaffnet sind.

Und Stephans freundliche Art mich darauf hinzuweisen: Die einzige Figur im Roman, die einem Punk noch irgendwie nahe kommt, ist in meinen Augen Nils Lehmann mit seiner Hühnchenfrisur. Dürfte hier aber vermutlich nicht gemeint sein.

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